Musik, Kunst und Architektur am Wörthersee (Kärnten)

ein Gemälde zeigt im Vordergrund einen See, im Hintergrund sind Berge erkennbar
Die Kulturlandschaft rund um Kärntens größten und prominentesten See, den Wörthersee, inspiriert seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hier ansässige wie auch „zugereiste“ Kulturschaffende.

„Hier – ja hier ist es allerliebst, See, Wald, drüber blauer Berge Bogen, schimmernd weiß in reinem Schnee‘“, schrieb Johannes Brahms am 29. Juni 1877 an seinen Freund Theodor Billroth.

Für seine drei Kärntner Sommer in den Jahren 1877, 1878 und 1879 wählte der Komponist das bereits damals moderne Nordufer. In Pörtschach schuf Brahms eine Vielzahl von Werken, darunter seine zweite Symphonie und das Violinkonzert opus 77. In den vergangenen Jahren bemühte sich die örtliche Johannes-Brahms-Gesellschaft vergebens um den Erhalt des Werzer-Stammhauses „Weißes Rössl“, in dem der Komponist zu speisen pflegte. Heute erinnert einzig noch eine Büste aus der Hand von Bertha Kupelwieser, geborene Wittgenstein, im Schloss Leonstein an den mehrjährigen Aufenthalt des Komponisten in Pörtschach.

Am Südufer des Sees befinden sich zwei Sommervillen weiterer Komponisten: Unter Denkmalschutz steht derzeit nur das 1932 von Alban und Helene Berg ersteigerte „Waldhaus“ in Auen. Bis zum frühen Tod Alban Bergs 1935 war das im romantisch-alpinen Heimatstil errichtete Landhaus dessen ständiger Wohnsitz. Hier arbeitete Berg an der Oper „Lulu“ und an seinem „Dem Andenken eines Engels“ gewidmeten Violinkonzert.

Im Gegensatz zu Alban Berg konnten Gustav Mahler und seine Gattin Alma ihre Seevilla in Sekirn nur im Sommer nutzen, wenn er von seinem Beruf als Hofoperndirektor und Dirigent freigespielt war. In seinem Komponierhäuschen mitten im Wald oberhalb von Maiernigg entstanden ab 1900 wesentliche Teile seiner Liederzyklen und Symphonien. Nach dem Tod der erstgeborenen Tochter Anna 1907 war der Familie der Wörthersee verleidet, das Anwesen wurde veräußert. Während sich die Mahler-Villa heute in Privatbesitz befindet, sind das Komponierhäuschen Gustav Mahlers wie auch das Waldhaus Alban Bergs während der Sommermonate zeitweise öffentlich zugänglich.

Auch die Kärntner Maler des 19. Jahrhunderts, wie Markus Pernhart, fanden in der Landschaft des Wörthersees mit seinen spiegelnden Wasser- und Eisflächen, Barken, pittoresken Bauten, Bergen und Wolken ein Lebensthema. Theorien und Stile wandelten sich, das Sujet des Wörthersees bleibt auch für Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts ein lohnendes. Der Bogen spannt sich von den an der Naturvorlage orientierten Ölbildern eines Herbert Boeckl und Arnold Clementschitsch bis zu den „Naturabstraktionen“ eines Peter Krawagna. Letzterer hat sich - wie auch die Grafikerin und Konzeptkünstlerin Inge Vavra - in Krumpendorf ein Atelier planen lassen. Als schwebende Holzkonstruktionen ausgebildet, zitieren diese Künstlerdomizile die Boots- und Badehäuser der Sommerfrische-Ära, die, wie beispielsweise das Werzerbad, der Kulturlandschaft des Wörthersees bis heute ihr charakteristisches Gepräge verleihen.