In Memoriam: Gustav Peichl (1928 - 2019)

Wien
Außenansicht eines Gebäudes aus Beton
Gustav Peichl, einer der renommiertesten österreichischen Architekten, ist am 17. November 2019 im Alter von 91 Jahren in Wien verstorben. Österreich verdankt dem international anerkannten Architekten einige der bemerkenswertesten Ikonen in der österreichischen Architekturlandschaft.

Als Architekturikonen können die von Gustav Peichl geplanten ORF-Landesstudios bezeichnet werden. Die bereits ab 1968 entstandenen, futuristischen Landesstudios stellen einen besonders innovativen Schritt in der Architekturgeschichte dar. Das von seiner Architektursprache in der expressiven Verwendung der Haustechnik mit den Landesstudios vergleichbare Centre George Pompidou in Paris wurde erst 1971 in einem Wettbewerb ausgewählt und 1977 eröffnet.

Derzeit stehen die ORF-Landesstudios, aufgrund ihres Grundrisses auch liebevoll „Peichl-Torten“ genannt, in Linz (1969-1972), Eisenstadt (1981-1983), Dornbirn (1968-1972), Graz (1969-1981) und Salzburg (1969-1972) unter Denkmalschutz. Wie Raumbasen von einem anderen Stern scheinen sie auf der Erde gelandet zu sein.

Der Architekturkritiker Friedrich Achleitner sprach im Zusammenhang mit Gustav Peichls „sprechender Architektur“ vom „semantischen Spiel der Formen“ mit vielfältigen, möglichen Assoziationen. Achleitner attestierte Peichl eine Sonderstellung in der Wiener Szene. Zahlreiche Peichl-Bücher über sein architektonisches Werk beweisen Peichls Bedeutung.

Neben den Landesstudios stehen unter anderem folgende Bauwerke von Gustav Peichl in Österreich unter Denkmalschutz:

Die Atrium-Volksschule in der Krim in Wien-Döbling (1961-1964) zählt zu Peichls Frühwerken und stellt mit ihren Freiluftklassen eine besonders innovative Anlage dar. Später plante Peichl noch die Volksschule Diesterweggasse (1969-1978) in Wien-Penzing sowie die neue Schule am Wienerberg (1987-1989) in Wien-Favoriten. Das Volksheim (Heiligenstädter Straße 155) in Wien-Döbling ist ein frei stehender, eingeschossiger Bau in Formen der internationalen Nachkriegs-Moderne, der 1961 errichtet wurde.

Ein sehr markantes Denkmal ist zudem das von Peichl entworfene „Papstkreuz“ neben dem Burgtor. Es wurde zur Erinnerung an den ersten Besuch von Papst Johannes Paul II im Rahmen des Katholikentags 1983 errichtet. Die Eingangsgestaltung des Bank Austria Kunstforums Wien auf der Freyung (1988-1989) ist eine besonders gelungene postmoderne Gestaltung. Das Mädcheninternat des Konvents der Dominikanerinnen in Wien-Hietzing (1963-1966) ist ebenfalls ein Peichl-Werk.

Im kürzlich erschienen Buch „Bunt, sozial, brutal. Architektur der 1970er Jahre in Österreich“ beeindruckt Peichls Erdfunkstelle Aflenz (1976-1980) in der Steiermark. 1982-1983 bekam Clemens Holzmeisters Funkhaus in der Argentinierstraße in Wien-Wieden einen kubischen Erweiterungsbau von Gustav Peichl. 1990-1993 entstand die von Peichl geplante Probebühne der Bundestheater im Wiener Arsenal.

Auch im Ausland reüssierte Peichl, zum Beispiel mit der Bundeskunsthalle in Bonn (1986-1992) oder der Erweiterung des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main (1987-1990). Peichl, der in der Meisterklasse Clemens Holzmeister studiert hatte, war über Jahrzehnte auch als Karikaturist „Ironimus“ bekannt und beliebt.