Hoch zu Ross. Die Rückkehr des Reiterstandbildes Erzherzog Leopolds V. nach Innsbruck (Tirol)

TirolDenkmal des Monats
Erzherzog Leopold V. nach erfolgter Restaurierung und Wiederaufstellung in Blickrichtung seines Innsbrucker Hofes
Nach vierjähriger Abwesenheit und aufwändiger Restaurierung kehrte das Reiterstandbild Erzherzog Leopolds V. am 8. Oktober 2019 an seinen angestammten Standplatz am Rennweg zurück.

Bereits 1621 plante Erzherzog Leopold, ein „Brunnenwerckt“ in seinem Schlosse Eisenburg „aufrichten und dasselbige zu mehrer Zierd mit underschidlich gegossnen Bildern besetzen zu lassen willens sei“. Im darauffolgenden Jahr wird bereits Innsbruck als Aufstellungsort genannt. Der Grund dafür liegt vermutlich in der sich anbahnenden Erhebung des Erhzerzogs zum Landesfürsten von Tirol, zu dem er 1623 ernannt wurde. Die Figuren schuf der Hofbossierer Caspar Gras, der Guss erfolgte durch Heinrich und Friedrich Reinhart. Zum geplanten Lustbrunnen existiert nur eine Beschreibung von Philipp Hainhofer, der die Figuren 1628 im Zuge seines Aufenthaltes am Innsbrucker Hofe bewundern konnte.

sechs grosse metalline bilder, als drei meergötter und drei meergöttinen, sechs (richtig: vier) meerkindlen, die alle auf einen röhrkasten kommen, und die kindlen die obere choncham halten werden, auss welcher das wasser herabfleust, auf der Augspurgisch röhrkasten art; oben auf der säul wirt ein pfert gestelt, darauf der erzherzog Leopoldus wolgetroffen, lebensgross in küres siczet und haisset der maister der diese bilder possieret und verschniedet, Caspar Graß“. Zur Zeit der Beschreibung war die Reiterfigur, die laut schriftlichen Quellen erst 1630 gegossen wurde, noch in Arbeit. Durch den Tod Erzherzog Leopolds V. 1632 kam es nicht mehr zur Aufstellung des Brunnens, obwohl bereits zu dieser Zeit ein Plan von Christoph Gumpp existierte. Die Möglichkeit zur Aufstellung des Lustbrunnens war nach der Einschmelzung der oberen Brunnenkonche mit Wasserspeier um 1780 endgültig vorbei. Bereits im 17. Jahrhundert wurden die Figuren getrennt voneinander im Hofgarten aufgestellt. Erste Entwürfe einer Zusammenführung der Figuren entstanden um 1800. 1826 wurde die Reiterfigur auf einem hohen Sockel vor dem Hoftheater aufgestellt, die übrigen Figuren kamen nach Schloss Ambras, wo sie Albert Ilg und Wendelin Boeheim 1883 in das Sammlungsinventar aufnahmen. Der heutige Brunnen entstand 1893 nach Planung von Johann Deininger in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Heinrich Fuss und wurde im selben Jahr bei der Tiroler Landesausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Leopoldsbrunnen entspricht in seiner heutigen Konstruktion weder der manieristischen Brunnenbauweise, noch der „Augspurgischen röhrkasten Art“. Dennoch ist der Innsbrucker Leopoldsbrunnen ein Gesamtkunstwerk von überregionaler Bedeutung. Die Besonderheit des Brunnens liegt neben der Qualität der manieristischen Figuren vor allem im springenden Pferd. Caspar Gras schuf damit das erste monumentale Reiterstandbild mit einem frei aufsteigenden Pferd, das dadurch eine besondere Stellung in der europäischen Kunstgeschichte einnimmt. Das Gewicht von Pferd und Reiter ist dabei so genau austariert, dass das Reiterstandbild auf seiner vergleichsweise kleinen Standfläche ohne sichbare Stützmechanismen in der Levade zu stehen kommt. Die Standfestigkeit des Pferdes wird lediglich durch mitgegossene Stützen unter den Fesseln der Hinterhand erhöht.

Im Sommer 2015 wurde der Leopoldsbrunnen im Zuge des Neubaus des Hauses der Musik abgetragen, Brunnen und Brunnenfiguren (diese sind bereits in den 1990er Jahren durch Kopien ersetzt worden) eingelagert. Das originale Reiterstandbild kam nach eingehender Befundung zur Restaurierung nach Wien. Für den Transport wurde eine eigene Unterkonstruktion aus verschraubten Holzstaffel gefertigt, auf der das Pferd während der gesamten Restaurierung auflag.

Bei dem fast 1000 kg schweren Reiterstandbild (Leopold 210 kg, Pferd 820 kg) wurden Ross und Reiter jeweils in einem Stück im Wachsausschmelzverfahren gegossen. Der Reiter sitzt ohne zusätzliche Fixierung auf seinem Pferd. Das heutige Erscheinungsbild der Reiterplastik wird durch ein hellgrün-schwarzes Erscheinungsbild geprägt, wobei die hellgrünen Bereiche überwiegen. Diese Patina ist auf natürlichem Wege entstanden und beruht hauptsächlich auf Umwelteinflüssen. Der Erhaltungszustand der Bronzeplastik war grundsätzlich gut. Das Schadensbild zeigte sowohl oberflächliche Schäden als auch technische Mängel (etwa Verschmutzungen, Farb- und Kalkspritzer, eine ausgedünnte Patina, Kratz- und Hackspuren, Flicken, Deformierungen, Fehlstellen, eine falsch montierte Kandare, Schweißstellen, Rostrinnspuren oder Risse). Mit der Restaurierung ging eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Figur einher. Sie lieferte nicht nur Informationen zur Legierungszusammensetzung, sondern auch zum schmiedeeisernen Stützgerüst im Inneren der Plastik. Diese Stütze aus mehreren geschmiedeten Flachbandstreben war ursprünglich miteingegossen worden. Im Innenraum des Pferdes fanden sich neben Holzstücken, Gusskernmaterial und organischen Überresten auch ein fragmentarisch erhaltenes Schriftstück mit der Jahreszahl 1894. Im Rahmen der Befunduntersuchung wurde eine detaillierte Kartierung erstellt, die den Erhaltungszustand des Reiterstandbildes dokumentiert und die Veränderungen und Schadensbilder aufzeigt. Auf Grundlage dieser gewonnenen Erkenntnisse konnte ein Restaurierungskonzept erarbeitet und durchgeführt werden. Diese Maßnahmen umfassten sowohl die Reinigung, als auch technische Maßnahmen, die für den Erhalt und die Wiederaufstellung des Reiterstandbildes an seinem ursprünglichen Platz notwendig waren und die den geringstmöglichen Eingriff in die überlieferte Substanz darstellten. So gelang es, die bestehende Alterungspatina zu erhalten. Gleichzeitig konnten technische Mängel entfernt, fehlende Teile ergänzt und die Kandare, Steigbügel- und Schweifriemen neu ausgerichtet werden.

Eine große Herausforderung stellte die Wiederaufstellung der Reiterfigur dar, die letztlich nach Beseitigung rechtlicher Hürden und unter Zuhilfenahme eines Krans und fachlicher Unterstützung durch die Restauratoren zu einem guten Abschluss gekommen ist.

Die Stadt Innsbruck und das Kunsthistorische Museum als Eigentümer des Brunnens beziehungsweise der Reiterfigur freuten sich gemeinsam mit der Innsbrucker Bevölkerung über die geglückte Rückkehr des Leopold, der sich nun bei gutem Licht an der Spitze des Brunnens in der neuen Fassade des Hauses der Musik widerspiegelt. Die im Frühjahr 2020 auf Schloss Ambras stattfindende Ausstellung „Hoch zu Ross“ dokumentiert die regionale Verbundenheit mit diesem  Kunstdenkmal.