Fundgegenstände Jüdischen Lebens in Wien vor 1938 gerettet!

WienArchäologie
zwei Männer schauen sich am Boden liegende Fundstücke an

In der Malzgasse 16 in Wien-Leopoldstadt bestand bis November 1938 eine Talmud-Thora-Schule, eine Synagoge und das erste Jüdische Museum weltweit. Im Zuge des Novemberpogroms wurden die Gebäude niedergebrannt. Seit 1955 befindet sich hier die Talmud-Thora-Schule Machsike Hadass. 2018 wurde von den Eigentümern und der Schulverwaltung begonnen, die mit Bauschutt gefüllten Keller auszuräumen, um neuen Platz für den Schulbetrieb zu schaffen, dabei wurden historische Fundgegenstände entdeckt. Sofort wurde die Abteilung für Archäologie des Bundesdenkmalamtes verständigt und eine professionelle archäologische Begleitung des Bauvorhabens eingeleitet.

Die aufgefundenen Objekte konnten eindeutig identifiziert werden: Es waren Überreste der Synagogenausstattung, Objekte aus dem Schulbetrieb und Exponate aus dem Museum in der Malzgasse - Gegenstände jüdischer Kultur vor 1938 in Wien. Der Schutt mit allem, was die Katastrophe 1938 überdauert hat, wurde nach dem Novemberpogrom bei Aufräumarbeiten aus der Brandruine in die Kellergewölbe geschafft.

Unmittelbar nach Abschluss der archäologischen Maßnahme im Jahr 2018 wurde das Fundmaterial gemeinsam mit Restauratorinnen und Restauratoren des Instituts für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst in Wien gesichtet und ein Projekt zur Sicherung dieses bedeutenden zeitgeschichtlichen Kulturgutes entwickelt. Vom Haus der Geschichte Österreich wurde ein Vermittlungskonzept für die Ausstellung „Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse” (8. November 2019 bis 19. April 2020) ausgearbeitet.

Konservatorische Maßnahmen für die Präsentation der Exponate wurden von Studierenden und Mitarbeiterinnen der Universität für Angewandte Kunst in Wien durchgeführt. Die Republik Österreich fördert diese Arbeiten aus Mitteln der Denkmalpflege.