Archäologie am Neuen Markt

WienArchäologie
ein freigelegtes Skelett
Seit Jänner 2019 sind die Bauarbeiten für die Errichtung der Tiefgarage auf dem Neuen Markt in vollem Gang.

Bereits bei der Planung spielte die archäologische Begleitung des Bauvorhabens eine große Rolle; ist doch der Neue Markt ein historisch äußerst bedeutsamer Platz, der in den mittelalterlichen Quellen erstmals 1234 zu fassen ist. Davor jedoch lag hier zur Zeit der Römer die Lagervorstadt, die cannabae legionis, die sich halbkreisförmig um das Legionslager Vindobona erstreckte, also auch das Gebiet des heutigen Neuen Marktes erfasste. Ab dem Ende des 3.  Jahrhundert nach Christus wurde sie aufgegeben und danach bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts als Begräbnisstätte genutzt.

Am Neuen Markt wurden Gräber dieser Zeitstellung bereits während des Baubooms des späten 19. Jahrhunderts gefunden, auch diverse Einbauten in neuerer Zeit brachten immer wieder entsprechende Befunde. Während der laufenden Bauarbeiten wurden nun neben spätmittelalterlichen bis neuzeitlich/modernen Baustrukturen auch zahlreiche, bis August 2019 siebzehn, römische Bestattungen freigelegt. Zum Teil lagen die Toten in einfachen Grabgruben, einzelne Gräber waren aber auch mit Ziegelplatten abgedeckt; fast allen gemeinsam war die Beigabe von Speisen in einfachen Schalen, aber auch aufwendiger gearbeiteten Krügen und Glasflaschen, wie es damals Brauch war.

Da von Seiten des Bauherrn, der Neuer Markt Garagenerrichtung und -Betriebs GmbH, durchaus Verständnis für das kulturelle Erbe Wiens vorhanden ist, war es möglich, bereits in der Planung des Projektes die archäologischen Untersuchungen so in das Baugeschehen einzubauen und mit diesem zu verschränken, dass stets ein effizientes Nebeneinander und dadurch der kontinuierliche Baufortschritt immer gegeben ist.

Durchgeführt werden die archäologischen Untersuchungen durch die FORSCHUNGSGESELLSCHAFT WIENER STADTARCHÄOLOGIE, die auf langjährige Erfahrung mit Großprojekten verweisen kann und die Bauarbeiten vom Beginn der Planung im Jahr 2002 bis zur geplanten Fertigstellung 2022 begleitet.

Stand Oktober 2019

Die Zahl der freigelegten Bestattungen hat sich mittlerweile auf fünfunddreißig erhöht. Besonders auffällig ist dabei ein nahezu komplett erhaltenes Ziegelplattengrab. Dabei war für die Grablege des Toten eine Truhe aus großen Dachziegeln gebaut worden, die nach der Beisetzung an der Oberseite durch weitere Ziegel abgedeckt wurde. Darüber hinaus wurden, wie gehabt, zahlreiche, allerdings meist gestörte Erdgräber freigelegt; wobei neben zeitgenössischen Beraubungen viele auch durch die Anlage moderner Einbautenkünetten betroffen waren.