Nachlese: Denkmalgespräch mit Peter Noever

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zwei Männer in Großaufnahme stehen in einem Saal
Der ehemalige Direktor des Museums für angewandte Kunst, Peter Noever, war zu Gast im Rahmen der Diskussionsreihe "Denkmalgespräch am Donnerstag". Das Gespräch spannte einen weiten Bogen über die Anfänge Noevers als Ausstellungskurator bis hin zu seiner Arbeit als Künstler, der mit dem Objekt "Die Grube - the Pit" in Breitenbrunn (Burgenland), begehbares Kunstwerk geschaffen hat, das unlängst unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Am heurigen Tag des Denkmals nutzten knapp 300 Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, das seit Jahrzehnten entstandene Land-Art-Projekt „Die Grube – the Pit“ in Breitenbrunn (Burgenland) bei freiem Eintritt zu besichtigen. Peter Noever, vielen auch als Direktor des MAK, des Museums für Angewandte Kunst in Wien, in Erinnerung, hat die sogenannte „Grube“ am Fuße des Leithaberges erschaffen. Diese "Grube", die quasi aus einem alten Weinkeller entstanden ist, steht nun seit kurzem unter Denkmalschutz.

Es war daher naheliegend, den vielseitigen Künstler und Kulturmanager nach dem Tag des Denkmals zum „Denkmalgespräch am Donnerstag“ in den Ahnensaal des Bundesdenkmalamtes einzuladen. Wie geht Peter Noever an seine Projekte heran? Welche Aspekte sind ihm bei der Präsentation von Kunstwerken besonders wichtig? Ist der Kunst- und Kulturgüterschutz ein Hindernis für die künstlerische Freiheit von Kulturschaffenden? Darf man Objekte eines Fischer von Erlach abreißen? Diese und ähnliche Fragen wurden von Andreas Lehne, dem ehemaligen Leiter der Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung mit dem ehemaligen Direktor des MAK, Peter Noever, kontroversiell diskutiert.

Kunst hat mit experimentieren zu tun, es kann auch schief gehen

Befragt nach seinen Anfängen als Kulturmanager, etwa bei der Realisierung der ersten Environment–Show "Selection '66" im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, bei der bekannte Möbel in überlebensgroßen Skulpturen gezeigt wurden, darunter auch der von Walter Pichler entworfene, futuristische Aluminiumstuhl „Galaxy“ betonte Noever: „Hollein war vielversprechend, aber es war noch nicht so viel da, was gezeigt werden konnte. Ich wollte daher unbedingt Walter Pichler dabei haben und es hat funktioniert.“

Was die gegenwärtigen strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen für Kunstprojekte im öffentlichen Raum betrifft, zeigt sich der ehemalige MAK-Direktor, Initiator des ersten Concept Store in Österreich (Section N; gestaltet 1971 von Hans Hollein) und Gründer der IFABO (Internationale Fach-Ausstellung für Büroorganisation, 1970 – 2002 im Wiener Messezentrum veranstaltet) pessimistisch: „Kunst hat für mich etwas mit experimentieren zu tun – da kann auch einmal etwas schief gehen, aber in der heutigen Zeit geht kaum noch etwas schief, denn es wird vorab bis ins kleinste Detail alles geplant, geprüft und normiert! Schade.“

Architektur muss auch schmerzhaft sein!

Noevers Einfallsreichtum bei der Gestaltung und Kombination von Objekten im öffentlichen Raum zeigt sich sehr deutlich an seiner langjährigen Wirkungsstätte des MAK, das in den Jahren 1988 bis 1993 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Sepp Müller umgebaut wurde. In dieser Zeit entstand beispielsweise auch der heute noch bestehende Glastrakt, der die großen Ausstellungshallen mit dem Gebäude am Stubenring verbindet. Direkt vor dem Gebäude wurde durch das „Tor zum Ring“ von James Wines 1992 ein Stück der Außenmauer sozusagen in den urbanen Raum „verschoben“ und dadurch ein neuer Zugang ins Museum realisiert. Noever verteidigt diese Maßnahmen zur Öffnung des MAK und entgegnet kritischen Stimmen: „Architektur muss auch schmerzhaft sein. Man muss auch Dinge tun, die man nicht will, die aber sinnvoll sind!“

Auch für die Wiedereröffnung des MAK nach dem Umbau hatte Noever eine beeindruckende Idee. Er holte die tschechische Künstlerin Magdalena Jetelová nach Wien. Ihre Kunstinstallation „Domestizierung einer Pyramide“, bei der die Säulenhalle des MAK teilweise bis an die Decke mit feinem rotem Sand ausgefüllt wurde, ist vielen Besucherinnen und Besuchern wohl noch lebhaft in Erinnerung.

Über die Nutzung von Wiens Flaktürmen für Kunstinstallationen

Auch Noevers Überlegungen zur Nutzung der Wiener Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg boten reichlich Diskussionsstoff, schließlich wird der Gefechtsturm im Arenbergpark seit Jahren vom MAK als Depot für Gegenwartskunst genutzt. Angesprochen auf die derzeitige Situation erklärte Noever, dass er noch viel weitreichendere Überlegungen zur Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Flakturms im Arenbergpark gehabt hätte: „Kunst braucht Schutz und ist daher in einem Betonbunker wie dem Flakturm gut untergebracht. Meine Idee war ja, in einem Zeitraum von etwa 15 Jahren einen Künstler nach dem anderen dort im Turm tätig sein zu lassen, wobei der aktuelle tätige Künstler stets auf das vorige Kunstwerk dort reagieren sollte. Leider ist daraus nichts geworden. An diesem Projekt bin ich gescheitert – obwohl der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk damals dafür gewesen ist!“