„die mül ze Tüns“- „Die Mühle in Düns“ (Vorarlberg)

Mühlraum
700 Jahre Baugeschichte. 25 Jahre Revitalisierung. Was lange währt wird endlich gut.

Heute ist die ehemalige Mühle mit temporärem Gastbetrieb ein für Feinschmecker beliebtes Ziel im Oberland von Vorarlberg. Vor wenigen Wochen wurde hier, im sogenannten „mulino brot und wein“ 400 Jahre Mühle in Düns gefeiert. Bis vor einigen Jahren war die Erstnennung der Mühle nur aus der Urkunde von 1619 bekannt. Im Zuge der Forschungen für die Festschrift konnte die Mühle in einem Urbar von 1363 nachgewiesen werden. Dort wird aber beschrieben, dass der Betrieb eingestellt wurde. Auf Grund dieser Umstände muss von einer über 700 jährigen Geschichte der Mühle ausgegangen werden. Über die Jahrhunderte ist der Betrieb bis in die jüngste Zeit vor allem durch Urkunden der zahlreichen Besitzwechsel gut dokumentiert.

Die ehemalige Mühle steht unterhalb des Ortszentrums von Düns am Montanastbach. Sie ist die einzige, die am ursprünglichen Ort noch erhalten ist. Zahlreiche solche alte Mühlen waren im Walgau bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wichtig für den regionalen Getreideanbau. Das zweigeschossige frei am Hang stehende stattliche Gebäude mit Satteldach präsentiert sich vor allem mit seiner dominierenden Südfassade, an beiden Ecken mit gemalten Pilastern. Das rekonstruierte Mühlrad, welches das Mühlwerk antreibt, befindet sich an der westlichen Traufseite. Das vollständig erhaltene und instand gesetzte Mahlwerk belegt weitgehend den westlichen Hausteil in einem großzügigen hohen Raum und zieht sich dort mit dem Walzwerk bis ins erste Obergeschoss.

Im östlichen Bauteil führt ein Abgang in den gewölbten Keller mit Kieselboden und einer umlaufenden Rinne als ehemaliges Kühlsystem mit Quellwasser. Darüber befindet sich die einstige Müllerstube mit einem Nebenraum, heute als Gasträume genutzt. Im ersten Obergeschoss darüber ist die Wohnung der heutigen Eigentümer Michaela und Jürgen Gehrmann. Deren Mühlen- und Familiengeschichte beginnt mit Johann Kaspar Moll, der um 1805 grundlegende Teile des Mahlwerks erneuerte und so die Grundlage für die letzte Müllerdynastie in Düns legte, die dort bis April 1958 Korn mahlte.

Abstimmung und Zusammenarbeit bei der Revitalisierung und Restaurierung

Im Mai 1985 wurde die ehemalige Dünser Mühle unter Denkmalschutz gestellt. Für die geplante Instandsetzung des Gebäudes gab es im Februar 1995 den ersten Kontakt vom Gebietsreferenten Georg Mack mit Jürgen Gehrmann. Der erst 21-jährige bekam das alte, unter Denkmalschutz stehende Gebäude von seiner Patin geschenkt und hatte gemeinsam mit seiner Frau Michaela ein klares Ziel vor Augen. Entstehen sollte eine Wohnung für die Familie, eine funktionierende Mühle und eine kleine Wirtschaft, in der im eigenen Holzofen gebackene Brote und anderes angeboten werden kann.

Das Haus stand davor einige Jahre leer und wurde längere Zeit nicht mehr gepflegt. Das ehemalige Mühlrad fehlte zur Gänze. Der Bach floss wenige Meter vom Haus entfernt ins Tal und sorgte auch für reichlich Feuchte in der rückwärtigen Giebelwand die am Hang ansteht. Die Folge waren Schäden in der Holzkonstruktion und damit auch im statischen Gefüge des Hauses. Die feuchte Mauer wurde belassen und eine Neue davor gestellt. Mit etwas Abstand vom alten Mauerwerk war auch für Belüftung gesorgt. Dieses System funktioniert noch heute.

Bereits bis Ende 1995 wurde das Dach neu eingedeckt, viele morsche Holzbalken ausgetauscht und für die Familie im ersten Obergeschoß die Wohnung geschaffen. In der alten holzgetäfelten Stube ist ein sehr schönes Detail erhalten. Es ist die sich zum Kachelofen neigende Decke. Anfangs wurde eine Absenkung im statischen Gefüge vermutet. Diese Konstruktion fördert jedoch in der kalten Jahreszeit die Luftzirkulation in der Stube. Die warme Luft des Ofens strömt der schrägen Decke entlang zur Fensterfront, kühlt dort ab und gleitet am Boden wieder Richtung Ofen zurück.

Eine weitere Überraschung gab es im gewölbten Kellerraum. Unter einem morschen Holzboden wurde ein gut erhaltener Kieselboden freigelegt, der entlang der Wände eine Rinne hatte. Durch diese floss Quellwasser und kühlte den Raum. Dieses „Kühlsystem“ ist in vielen älteren Häusern in Vorarlberg auch heute noch zu finden, meist aber nicht mehr in Gebrauch.

Im Jahr 2000 wurden die Fassaden instandgesetzt und die Malereien der so genannten Eckpilaster restauriert und zum Teil rekonstruiert. Im gleichen Jahr fand der erste „Tag des Denkmals“ in der Mühle statt. Gemeinsam mit der Familie und Freunden wurde mit viel Geduld gearbeitet und 2008 das Lokal eröffnet, welches bald zum Geheimtipp für kulinarisch Interessierte reifte. Durch gutes Marketing war es 2009 möglich, im ersten „Denkmal heute“ Heft die Mühle zu präsentieren. Im gleichen Jahr fand das zweite Mal der Tag des Denkmals in der Mühle statt. In weiteren Etappen wurden das Wasserrad und das gesamte Mahlwerk restauriert und instand gesetzt. So konnte beim festlichen Abschluss der Revitalisierung zu Schauzwecken Mehl gemahlen werden.

In der Rückschau auf die fast 25-jährige Zusammenarbeit mit der Familie Gehrmann muss von Seiten der Denkmalpflege eines ganz besonders hervorheben werden: Ein gutes Ergebnis beim Mahlen von Korn kann es nur geben, wenn jedes Rädchen und alle Teile einer Mühle ineinandergreifen und abgestimmt zusammenspielen. In ähnlicher Weise haben so Michaela und Jürgen Gehrmann mit ihren Verwandten und Helfern aus alter Bausubstanz ein Gesamtkunstwerk mit Lebensqualität geschaffen. Es ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.