9 Plätze – 9 Schätze - Die Kirche am Steinhof (Wien)

Wien
Außenansicht der Kirche am Steinhof
Der Lemoniberg ist auch nach über 100 Jahren top!

Im Rahmen der ORF-Fernsehsendung 9 Plätze – 9 Schätze wird am 26. Oktober 2019 wieder aus neun Plätzen in ganz Österreich der schönste Platz Österreichs gekürt. Im Vorfeld wurden jeweils drei Auswahlplätze pro Bundesland vorgestellt. In Wien standen heuer der Naschmarkt, der Tiergarten Schönbrunn und die Kirche am Steinhof zur Auswahl. Alle drei Objekte stehen unter Denkmalschutz. In wunderbaren Filmaufnahmen, zum Teil aus der Luft, wurden die Objekte in „Wien heute“ präsentiert. Die ORF-Live-Show am Nationalfeiertag holt Österreichs Kostbarkeiten, versteckte Sehnsuchtsorte und verborgene Schätze vor den Vorhang und zeigt die wunderbare Vielfalt unseres kulturellen Erbes.

In den letzten Jahren waren immer wieder auch denkmalgeschützte Objekte in Wien nominiert, zum Beispiel der St. Marxer Friedhof (2014), das MuseumsQuartier (2015), die Hermesvilla (2016), der Michaelerplatz und der Donaukanal (2017), die Secession, die Nationalbibliothek und die Sisi-Kapelle Am Himmel (2018). Für Wien geht 2019 nun die Kirche am Steinhof als Landessiegerin ins Rennen und wird sich unter anderem mit der Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten und dem Faaker See in Kärnten messen.

Die Kirche am Steinhof auf der Baumgartner Höhe ist ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils. Die in den Jahren 1904 bis 1906 nach Entwürfen von Otto Wagner errichtete Kirche war trotz ihrer weit über die Grenzen Österreichs reichenden Bedeutung über viele Jahrzehnte baulich vernachlässigt worden. Das Bundesdenkmalamt betreute ab 2000 über viele Jahre eine der international meist beachtetsten Restaurierungen in Wien, nämlich die Generalinstandsetzung der Kirche am Steinhof.

Um eine sinnvolle und fachgerechte Restaurierung des 1907 eröffneten Juwels zu gewährleisten, wurden damals vom Bundesdenkmalamt detaillierte Voruntersuchungen veranlasst. Die umfangreichen Arbeiten umfassten die Restaurierung der marmorverkleideten Fassade und der Kuppel, die statische Sanierung der Flachdächer, die aufgrund von fehlenden Bewehrungen und mangelhafter Betonverdichtung der frühen Stahlbetonkonstruktion in einem äußerst schlechten Zustand waren, sowie die komplette Innenrestaurierung. Allein für die Restaurierung der Innenkuppel mussten über 2.400 mit Stuck versehene Gipsplatten, die in die Innenkonstruktion der Kuppel eingesetzt sind, ausgelöst und abgenommen werden, danach wurden sie gereinigt, wo erforderlich ersetzt und schließlich wieder eingehängt. Die Konservierung des monumentalen Glasfensters von Koloman Moser war eine besondere Herausforderun: Eine kaum sichtbare Schutzverglasung bewahrt seither vor weiteren schädigenden atmosphärischen und klimatischen Einflüssen.

Die Vergoldung der Engel an der Südfassade war durch die starke Verwitterung kaum mehr vorhanden und musste mit Hilfe von historischen Fotos rekonstruiert werden. Die Restaurierung der Engel konnte bereits 2004 abgeschlossen werden. Auch bei der Kuppel war schon seit Jahrzehnten kein Gold mehr zu erkennen. Erst seit dieser aufwändigen Restaurierung erstrahlt sie wieder in prachtvollem Glanz und setzt weithin leuchtend einen städtebaulichen Akzent im Westen Wiens. Die Baumgartner Höhe, auf der sich die Kirche befindet, verdankt übrigens ihren Spitznamen „Lemoniberg“ der weithin sichtbaren Kuppel, die an eine halbe Zitrone erinnert.

Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten, die etwa sechst Jahre gedauert haben, wurde die Kirche mit ihrem prächtigen Gesamterscheinungsbild am 1. Oktober 2006 wiedereröffnet. „Die Restaurierung der Kirche am Steinhof war sicherlich eines der bedeutendsten und komplexesten Großprojekte der österreichischen Denkmalpflege“, betont Doz. Friedrich Dahm, Leiter der Abteilung für Wien im Bundesdenkmalamt.