Stiftsgebäude des Kollegiatsstifts in Seekirchen (Salzburg)

Eine Menschengruppe steht vor einem Gebäude.
Im Mai 2019 konnte das barocke Stiftsgebäude nach einem jahrelangen Planungsprozess und einer gelungenen Restaurierung seiner neuen Bestimmung feierlich übergeben werden.

Das Stiftsgebäude des Kollegiatsstifts in Seekirchen ist ein Musterbeispiel für eine lange währende, doch im Ergebnis für alle Beteiligten erfreuliche Zusammenarbeit zur Bestimmung der idealen Nutzung des Gebäudes mitten im Ortszentrum des ehemals bäuerlichen, heute suburban geprägten Lebensraums im nahen Umland der Stadt Salzburg am Ufer des Wallersees. Die Stiftsanlage besteht aus der im Kern spätmittelalterlichen und nach einem Brand im Jahr 1699 in großen Teilen neu errichteten Stiftskirche und dem unmittelbar nebenan gelegenen Stiftsgebäude, das von Erzbischof Max Gandolph für das 1679 eingerichtete weltpriesterliche Kollegiatsstift erbaut wurde.

Das Stiftsgebäude, die Stiftskirche, das Pfarrgemeindeamt, das Stadtgemeindeamt sowie mehrere große, im Kern barocke Wirtshäuser bilden gemeinsam mit den dazwischen liegenden Grün- und Platzflächen das Ortszentrum der Gemeinde Seekirchen, der nach Vereinigung mit einer Reihe von Umlandgemeinden im Jahr 2000 das Stadtrecht verliehen wurde. Der freistehend errichtete Bau des Stiftsgebäudes ist langgestreckt, dreigeschossig, außen ungegliedert, mit mächtigem Walmdach. Im Inneren teilen breite, nur an den Stirnseiten belichtete Mittelflure das Gebäude in allen Geschossen in zwei Teile. Stuckdecken, Holzkassettendecken, bemalte Dielenböden, historische Holztüren des 18. und 19. Jahrhunderts sowie großzügige Steinböden in den Fluren unterstreichen die Qualität des erhaltenen, historischen Baubestandes.

Vor rund zehn Jahren entschloss sich die Pfarrgemeinde das kaum mehr genutzte Gebäude mit einem zeitgemäßen Nutzungskonzept zu revitalisieren. Die ursprünglichen Überlegungen zielten auf die Errichtung eines großen Pfarrsaals im Dachgeschoss und eines Altenwohnhauses. Bereits die ersten Vorentwürfe machten klar, dass diese Nutzungen ohne massive Eingriffe in die bauzeitliche Dachstuhlkonstruktion sowie die äußere Erscheinung der Dachflächen und der inneren Gebäudestruktur  nicht möglich sein werden. Nicht zuletzt die mit diesen Plänen verbundenen Kosten brachten einen Nachdenkprozess in Gang, der zu einem neuen Konzept führte.

Das Architektenteam Wolfgang und Mario Weiser plante gemeinsam mit allen Beteiligten auf Grundlage einer umfangreichen, bauhistorischen Untersuchung ein alternatives Nutzungskonzept. Ziel war ein möglichst geringer und deutlich kostengünstigerer Eingriff in die Bausubstanz. Drei Nutzungen sollten untergebracht werden. Die ehemaligen Räume des Stiftskapitels sollten als Wohnungen für junge Familien und ältere Menschen adaptiert, eine Wohnung für den Stiftspropst vorgesehen sowie im zweiten Obergeschoss alle pfarrlichen Räumlichkeiten, wie Pfarrkanzlei, Büros und Gruppenräume untergebracht werden. Alle diese Nutzungen waren mit geringen baulichen Eingriffen umsetzbar. Die riesigen Mittelflure boten sich als Kommunikationsflächen an.

Die denkmalbegründenden Qualitäten des Gebäudes - seine markante, äußere Erscheinung im Ortszentrum, der original erhaltene barocke Dachstuhl und die teilweise erhaltene historische Innenausstattung – konnten bewahrt und im Zuge der Projektumsetzung in Stand gesetzt und restauriert werden. Zugleich wurde mit den nunmehr untergebrachten Nutzungen das Ziel der Pfarrgemeinde - eine wirtschaftlich vertretbare und zugleich die gesellschaftlichen Bedürfnisse der Gemeinde unterstützende Nutzung für das Gebäude zu finden - maximal erreicht.