Workshop 3: „Mit Tradition in die Zukunft“ – Denkmale werden lebendig

Kinder hören einer Frau zu, die etwas erklärt

Beginnend beim Schweizertrakt, dem ältesten Teil der Wiener Hofburg, führte dieser Spaziergang über den Josefsplatz, vorbei am Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek und an den Redoutensälen, deren Originalausstattung im Jahr 1992 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen ist und die heute als Ausweichquartier des österreichischen Parlaments fungieren, direkt in die Augustinerkirche. In der ehemaligen Kaiserlichen Hofpfarrkirche, die im Stil der Gotik erbaut wurde, befindet sich auch die so genannte „Herzgruft“, in der die Herzen von 54 Persönlichkeiten des Hauses Habsburg bestattet sind.

Auf dem Weg Richtung Michaelerkirche konnten die Kinder auch die Stallungen der Spanischen Hofreitschule kennenlernen, eine beeindruckende Anlage, auch wenn aufgrund der großen Hitze von den weißen Lippizanern nichts zu sehen war. Die Michaelerkirche ist einer der wenigen romanischen Bauten in Wien. Manche Elemente wurden nachträglich aber auch im Barock oder klassizistisch überbaut.

Durch das Michaelertor ging es wieder zurück durchs Schweizertor in die Hofburg. Über die Zehrgadenstiege ging es direkt ins Bundesdenkmalamt. Sichtlich beeindruckt zeigten sich die Kinder von der Ausstattung in den Räumen des Präsidiums, das zur Kaiserzeit als Vorraum des Audienzzimmers diente. Im ehemaligen Arbeitszimmer von Kaiser Franz II./I. wurde einiges über die Ausstattung der kaiserlichen Räumlichkeiten zur Zeit des Biedermeier erzählt, beispielsweise dass die Tapezierung mit so genanntem „Schweinfurter Grün“ aufgrund der Beimengung von Arsen für die adeligen Bewohnerinnen und Bewohner nicht ungefährlich war, ist dieses Halbmetall doch insbesondere in Verbindung mit Wasser hoch giftig. (Der Farbton kann mittlerweile auch synthetisch hergestellt werden, bei der Restaurierung der Räumlichkeiten wurde der arsenhaltige Anstrich fachgerecht entfernt und so kann dieses Zimmer auch heute noch als Büro verwendet werden).

Das ehemalige Speisezimmer von Kronprinz Rudolf (heute aufgrund der zahlreichen Ölgemälde bedeutender Habsburger als "Ahnensaal" bezeichnet), das eine Fläche von rund 200 Quadratmetern umfasst, wird heute in erster Linie als Konferenzzimmer, für Buchpräsentationen und verschiedene Veranstaltungen des Bundesdenkmalamtes genutzt.

Auch im ehemaligen „Türkischen Salon“, den Kronprinz Rudolf mit dem detailgetreuen Nachbau eines türkischen Zeltes einrichten ließ, sind heute Büroräumlichkeiten untergebracht, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Denkmalforschung und Inventarisation täglich den mit wunderschönen dunklen Einlegearbeiten ausgestatteten Sternparkettboden betreten.

Highlight der Führung in den Räumlichkeiten des Bundesdenkmalamtes ist jedoch stets das ehemalige Schlafzimmer von Kaiser Franz II./I., das dessen Gemahlin Karoline Auguste nach seinem Tod zu einer Kapelle umgestalten ließ. Der Altar liegt heute gut verborgen hinter einer mit so genanntem drapierten Tür Ananasdamast (eine wertvolle Bespannung aus rotem Stoff) und ist in der Regel nicht öffentlich zugänglich.

Die Kinder staunten nicht schlecht, als die Flügeltür geöffnet wurde und dahinter das Altargemälde von Leopold Kuppelwieser zum Vorschein kam, das den vor Christus knienden Kaiser Franz im Krönungsgewand des Österreichischen Kaisers darstellt.