Workshop 2: „Es lebe der Zentralfriedhof“ – eine Führung für Kinder

eine Gruppe von Kindern steht vor einer Tafel mit dem Plan des Wiener Zentralfriedhofes, ein älterer Mann deutet auf die Tafel und erklärt

Was versteht man in Wien unter einer „schönen Leich“? Wie funktioniert ein Josephinischer Klappsarg? Wer liegt unter der großen Kirche aus der Zeit des Jugendstils begraben? Diese und ähnliche Fragen wurden bei der Erkundung des Wiener Zentralfriedhofs, Europas zweitgrößtem Parkfriedhof, von den Kindern gestellt und wer könnte sie besser beantworten, als Professor Julius Müller, der jahrzehntelang in der Bestattung Wien gearbeitet hat und auch für die Ausbildung der Beschäftigten der Friedhöfe verantwortlich war.

Spannend fanden die Kinder nicht nur die unterschiedliche künstlerische Gestaltung der Ehrengräber, die von schlichten Ausführungen bis hin zu pompös ausgestalteten Grüften aus echtem Marmor reichten, sondern auch die große Kirche in der Mitte des Zentralfriedhofs, die dem Heiligen Karl Borromäus geweiht ist, aber auch unter dem Namen Lueger-Gedächtnis-Kirche bekannt ist, weil in der Unterkirche der bekannte Wiener Bürgermeister Karl Lueger bestattet ist.

Im Inneren dieses Denkmals ist es angenehm kühl, die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Rundgangs konnten sich gut erholen und den Ausführungen von Julius Müller zur Innenausstattung des im Jugendstil errichteten Gotteshauses lauschen.

Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt wurde auch das Bestattungsmuseum besucht. Die Kinder staunten nicht schlecht über die dort ausgestellten Gegenstände, darunter befanden sich beispielsweise die verschiedenen Uniformen der „Pompfüneberer“, also der Bestatterinnen und Bestatter. Absoluter Höhepunkt war jedoch der eingangs bereits erwähnte Klappsarg aus der Zeit von Kaiser Joseph II. Es handelt sich dabei um einen Sarg aus Holz mit einem nach unten aufklappbaren Boden - die Leiche wurde auf diese Weise direkt ins Grab hinabgelassen und der leere Sarg konnte wieder verwendet werden. Die Wiener Bevölkerung hatte jedoch für derartige Sparmaßnahmen kein Verständnis und so wurde diese Variante der Bestattung nach relativ kurzer Zeit wieder abgeschafft.