Denkmalschutz im öffentlichen Diskurs

Denkmalforschung
Gruppenfoto von Männern und Frauen im Vortragssal der Kartause Mauerbach
Zahlreiche Institutionen in Österreich setzen sich abseits der amtlichen Denkmalpflege für den Denkmalschutz ein. Das BDA lud daher zum "Fachgespräch" ein. Eine hochkarätige Runde von in- und ausländischen Expertinnen traf sich in der Kartause Mauerbach zum fachlichen Gedankenaustausch.

Wie wird Denkmalschutz in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen? Welche zivilgesellschaftlichen Vereinigungen setzen sich ehrenamtlich für den Erhalt von Kulturgütern im öffentlichen Raum in Österreich ein und warum tun sie dies? Welche Aufgaben erfüllt der Denkmalbeirat? Wie arbeiten Universitäten bei der Erforschung und Vermittlung in der Denkmalpflege mit der Denkmalschutzbehörde konkret zusammen?

Diese und ähnliche Fragen wurden am 27. Juni 2019 beim ganztägigen Fachgespräch zum Thema „Denkmalschutz im öffentlichen Diskurs. Engagement – Vermittlung – Werte“ von Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen in den Räumlichkeiten der Kartause Mauerbach erörtert und mit dem Publikum vor Ort intensiv diskutiert.

Organisiert und zugleich auch moderiert wurde die Veranstaltung von Paul Mahringer, dem Leiter der Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung und von Bernd Euler-Rolle, seines Zeichens Fachdirektor des Bundesdenkmalamtes. BDA-Präsident Christoph Bazil betonte in seinem Eingangsstatement wie wichtig die Zusammenarbeit mit privaten Initiativen und Vereinen für den Denkmalschutz in Österreich ist.

Zivilgesellschaftliche Initiativen für den Denkmalschutz

Im ersten Teil der Tagung ging es unter dem Schlagwort „Engagement“ zunächst um die Vorstellung relevanter zivilgesellschaftlicher Vereinigungen und deren konkretes Engagement für den Denkmalschutz.

So referierte etwa der Initiator der „Initiative Denkmalschutz“, Markus Landerer, über die Beweggründe für das Entstehen dieser ehrenamtlichen Organisation. Martin Böhm von der „Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde“ veranschaulichte dem interessierten Publikum die wesentlichen Punkte erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit im Bereich des Denkmalschutzes und der Architekt Frank Seehausen das so genannte Bürgerportal vor, das eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Formen der BürgerInnenbeteiligung bzw. ehren-amtlicher Tätigkeit und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege darstellt.

Auch in der Archäologie gibt es spannende Projekte, bei denen Wissenschaft und Ehrenamt Hand in Hand miteinander im fachlichen Austausch stehen und so konnten Barbara Kainrath und Stefan Traxler vom Verein „ArchaeoPublica“, der zur Förderung der Bürgerbeteiligung in der Archäologie beiträgt, sehr interessante Ergebnisse des ersten gemeinsam von WissenschaftlerInnen und Laien auf die Beine gestellten Forschungsprojekts zur Entdeckung eines Limeskastells in Stein-St. Pantaleon (Oberösterreich) vorstellen.

Die Kunsthistorikerin Imma Walderdorff präsentierte die Ergebnisse einer kulturwissenschaftlichen Studie über die „Bedeutung von historischen Gebäuden“, die vor kurzem im Auftrag der von ihr mitbegründeten Initiative „Denkmalwerkstatt“ durchgeführt wurde. Demnach sind der Mehrheit der Bevölkerung alte Gebäude wichtig. Walderdorff setzte sich ebenfalls wie Martin Böhm, Obmann der "Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde" u. a. für die steuerliche Entlastung von DenkmaleigentümerInnen und den Umgebungsschutz ein, zumal auch die Kulturlandschaft mitzudenken sei.

Förderung von "Denkmalbewusstsein"  in der Öffentlichkeit

Der zweite Teil des Fachgesprächs war den Vorträgen zum Schwerpunkt „Wertevermittlung“ gewidmet. Hier ging es unter anderem um die Herausforderungen, denen sich kulturelle Institutionen bei der gezielten Förderung eines „Denkmalbewusstseins“ in der Öffentlichkeit stellen müssen, um kommende Generationen für den Erhalt unseres kulturellen Erbes immer wieder aufs Neue zu sensibilisieren und zu begeistern.

Die Präsidentin von ICOMOS Austria, Caroline Jäger-Klein strich in ihren Darstellungen die Wichtigkeit einer globalen Vernetzung zum Schutz von einzigartigen Kulturgütern hervor. Axel Hubmann, ehemaliger Landeskonservator des BDA in Kärnten, und Karl Langer, Präsident und Vizepräsident von DOCOMOMO Austria, plädierten in ihrem Referat dafür durch anschaulich aufbereitete Beispiele von einzelnen Bauten einer breiteren Bevölkerungsschicht die Epoche der „Moderne“ näherzubringen, denn insbesondere auf diesem Gebiet wurde in der Vergangenheit aus Sicht der beiden Experten viel Potential schlicht und einfach liegengelassen.

Viele Objekte können vor dem unwiederbringlichen Verlust nur deshalb gerettet werden, weil ExpertInnen und aufmerksame BeobachterInnen aus den breiten Schichten der Bevölkerung rechtzeitig Alarm schlagen und sich bei den dafür zuständigen Gremien für den Erhalt tradierter Substanz einsetzen. Eine dieser Einrichtungen ist der beim BDA eingerichtete Denkmalbeirat. Fundierte Einblicke in dessen Tätigkeit, die oftmals der einer „Feuerwehr“ gleich-kommt, gewährte der Vorsitzende des Denkmalbeirates, Gebert Frodl.

Wichtig für die Kulturvermittlung ist auch die Inventarisation, die strukturierte, wissenschaftlich nachvollziehbare Erfassung von Kulturgütern. Eine österreichweit einzigartige Institution, die sich diesem wichtigen Aspekt verschrieben hat, ist in Tirol zu finden: es handelt sich um den 1968 ins Leben gerufenen „Tiroler Kunstkataster“ – über dessen Entstehungsgeschichte konnte Karl Wiesauer in Mauerbach spannende Details berichtete.

Welche Aufgaben die Universitäten als Partner in der Denkmalpflege übernehmen und wie sich die Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzinstitutionen in der Praxis im internationalen Umfeld entwickelt haben konnten die ZuhörerInnen des Fachgesprächs von der deutschen Architektin Kirsten Angermann erfahren, die als junge Wissenschaftlerin an der Fakultät für Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar tätig ist.

Paul Mahringer und Bernd Euler-Rolle konnten nach der Fülle an spannenden Fachvorträgen und den anschließend intensiv und leidenschaftlich geführten Diskussionen zum Abschluss des Fachgesprächs mit Zufriedenheit konstatieren: Wichtig sei die Kommunikation, der Austausch und die Vernetzung zwischen Behörden, Bürgerinitiativen, NGOs und Universitäten.

Wichtig sei dabei, dass sich jeder seiner eigenen Rolle bewusst sei, um so das doch allen gemeinsame Ziel des Schutzes unseres materiellen kulturellen Erbes Österreichs bestmöglich zu gewährleisten.

Die Vortragsreihe der „Fachgespräche“ wird im Herbst 2019 fortgesetzt. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und wünschen allen Interessierten bis dahin einen erholsamen Sommer!