Vom Hochmeisterschloss zum exklusiven Wohnprojekt: der Lindenhof in Millstatt am See (Kärnten)

Außenansicht des Gasthofes Lindenhof in Millstatt
Die Baugeschichte des Lindenhofes reicht nach überraschenden Erkenntnissen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Bei der erfolgten Restaurierung ist es gelungen, nicht nur die spätromanischen Bauteile wieder sichtbar zu machen.

Der Oberkärntner Ort Millstatt, am gleichnamigen See gelegen, erlangte durch die Gründung der Benediktinerabtei ab dem Ende des 11. Jahrhunderts rasch an Bedeutung. In der Blütezeit der Benediktinerabtei im 12. und 13. Jahrhundert mit ihrer berühmten Schreib- und Malschule wurden die Millstätter Genesis- und die Physiologushandschrift geschaffen (heute im Kärntner Landesmuseum aufbewahrt). Durch den Niedergang im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster ab 1469 an den neu gegründeten St. Georgs-Ritterorden übergeben. Unter dem zweiten Hochmeister, Johann Geumann, begann ab 1478 der Bau des Hochmeisterschlosses, die Klosteranlage wurde auf Grund der Türkeneinfälle wehrhaft ausgebaut.

Besonders die südlichen, zum See hin gerichteten Teile des ehemaligen Klosters waren zu Ende des 19. Jahrhunderts in einem desolaten baulichen Zustand. Der Wiener Anwalt Alexander Pupovac, der immer wieder auf Sommerfrische in Millstatt weilte, kaufte daraufhin das ehemalige Hochmeisterschloss und richtete dort das Grandhotel Lindenhof ein, das 1901 eröffnete und sehr positive wirtschaftliche Impulse für den Fremdenverkehr in Millstatt setzte. Nachdem das Hotel in den 1980er Jahren geschlossen wurde, stand der Lindenhof über Jahrzehnte leer.

Durch die neu gegründete Lindenhof GmbH und das große Engagement ihrer Eigentümerin gelang es nun, nach Jahren des Niedergangs, das ehemalige Grandhotel zu anspruchsvollen Wohnungen, Büro- und Arztpraxen in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt umzuwandeln.

Eine große Überraschung ergab sich nach Beginn der Adaptierungsarbeiten ab 2016, als im Erdgeschoß des Hochmeisterschlosses bisher nicht bekanntes spätromanisches Mauerwerk aus dem 13. Jahrhundert entdeckt und daraufhin teilweise freigelegt werden konnte. Auf Grund dieses Umstandes ist es nun eindeutig, dass noch vor der Errichtung des Hochmeisterschlosses schon im 13. Jahrhundert erste Wirtschaftsgebäude des Klosters an dieser Stelle bestanden.

In einer dreischiffigen Gewölbehalle im Erdgeschoß wurde ein gemütliches Wirtshaus eingerichtet, in dem die neu entdeckten Mauern des 13. Jahrhunderts besichtigt werden können.

Bei der Restaurierung gelang es auch, die äußere Erscheinung des Lindenhofes aus der Zeit des Grandhotels wiederherzustellen. Die Fassade wurde in Kalktechnik gelbocker gefärbelt, die braunen Kastenstockfenster erhielten wieder die typischen grünen Fensterläden. Das Gebäude ist nun ein wichtiger Bestandteil des Lebens und Wohnens in Millstatt.