Kellergassen in Niederösterreich - Eine aktuelle Denkmalkategorie als Teil unserer Kulturlandschaft

Kellergasse in Falkenstein
Lebendige Kellergassen in einer intakten, bewirtschafteten Kulturlandschaft sind wesentlicher Bestandteil des regionalen kulturellen Lebens und Erlebens. Sie sind das kulturelle, bauliche Symbol des Weinbaus und prägendes Elemente des Weinviertels.

Die Kellergassen jeder noch so kleinen Ortschaft sind sichtbarer Ausdruck der über Generationen gewachsenen Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben. In harmonischer Weise verbinden sich die einst dem Weinbau dienenden historischen Nutzarchitekturen mit der durch die landwirtschaftliche Nutzung geprägten Natur.

Seit Jahrhunderten wurden in den Kellerstöckeln die Weintrauben, die man in den nahen Weingärten pflegte und schließlich erntete, gepresst und in einem über lange Zeiträume tradierten und immer wieder verfeinerten Prozess zu Wein verarbeitet und in tief in den Löss hineingegrabenen Kellern in Eichenfässern gelagert. Die Kellergassen waren jedoch nicht nur Orte der Arbeit, sondern boten auch Möglichkeit für nachbarliche Kommunikation und geselliges Beisammensein.

Durch gesellschaftliche Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte schwand das Interesse an den Kellergassen als den Orten der Verarbeitung und Lagerung der weinbaulichen Erzeugnisse. Presshäuser und Weinkeller verloren ihren ursprünglichen Nutzen und ihre Bedeutung im Leben der Menschen. Bald zeigten sich schon die Spuren natürlichen Verfalls und aktiver Zerstörung. Zugleich entstand ein neues Bewusstsein für den kulturellen und gesellschaftlichen Wert der Kellergassen und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung und Pflege.

Das Symposium „Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel“ wurde als Regionalprojekt des Bundesdenkmalamtes und seiner Kooperationspartner in der Region Poysdorf im Oktober 2018 in Poysdorf abgehalten. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden die das Phänomen der Weinviertler Kellergassen als Elemente der Kulturlandschaft bestimmenden Aspekte aus wissenschaftlicher Sicht und aus dem Blickwinkel eines gesamtheitlichen Ansatzes zusammenfassend behandelt. Die Ergebnisse werden als Tagungsband der Österreichischen Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege (ÖZKD) 2019 veröffentlicht werden.