Brandschutz im Baudenkmal

Dachstuhl

Brandkatastrophen in historischen Gebäuden wie der Brand der Kathedrale von Notre Dame in Paris werfen Fragen zum aktuellen Umgang der Denkmalpflege in Österreich mit sicherheitstechnischen Anforderungen auf. Seit jeher gehört die Einbeziehung des Brandschutzes zu den die Bauregeln bestimmenden Faktoren. Historische Maßnahmen wie die Abschottung von Dachräumen mittels Eisentüren oder die Einhaltung bestimmter Abstände zu benachbarten Gebäuden wurden häufig vorgeschrieben. Aus diesen Vorschriften entwickelten sich im 19. Jahrhundert die ersten Bauordnungen in Österreich.

Die Schutzziele beider Aufgaben, die des Denkmalschutzes und die des Brandschutzes, treffen sich vor allem in der Erhaltung von Bausubstanz und Ausstattung des Baudenkmals. Technische Fortschritte im Bereich des Brandschutzes bzw. neue zur Anwendung gelangende baurechtliche Grundlagen (OIB-Richtlinien) erforderten eine eingehende Auseinandersetzung der Österreichischen Denkmalpflege mit der Materie Brandschutz, was in dem 2014 erschienen Leitfaden ABC Standards der Baudenkmalpflege mündete. Der Fokus lag hier auf dem Einsatz präventiver Maßnahmen, sowohl in Bezug auf den Abwehrenden als auch den Vorbeugenden Brandschutz.

Das Bundesdenkmalamt verstärkte seither auch seine Vermittlungstätigkeit und organisierte im Jahr 2015 eine öffentliche Fachtagung zum Thema „Brandschutz im Baudenkmal“.

Der Brandschutz ist alltäglicher Bestandteil der Österreichischen Denkmalpflege, was sich unter anderem daran zeigt, dass aktuell 12 Prozent aller bewilligten Veränderungsanträge Brandschutzmaßnahmen betrafen. Reflektierend auf Großbrände in Baudenkmalen in den letzten 30 Jahre lassen sich die Brandgefahren auf drei Auslösefaktoren eingrenzen: Brandstiftung, Sanierungsarbeiten und Gebrechen technischer Einbauten, wobei Brände in historischen Holzdachstühlen vor allem von den beiden letzteren ausgelöst werden.

Die präventiven Schutzmaßnahmen vor Bränden in historischen Dachräumen werden auf das jeweilige Objekt abgestimmt. Ziel ist dabei die Schonung der Denkmalsubstanz und vor allem seiner besonders wertvollen Bereiche. Das Gesamtkonzept setzt sich aus einer Vielzahl an Einzelschritten zusammen. So können Voraussetzungen für abwehrende Maßnahmen durch die Feuerwehr wie etwa die Schaffung von Zugängen und Zufahrten oder die Gewährleistung der Löschwasserversorgung genauso den Schutz des Baudenkmals verbessern wie vorbeugende Schritte. Dazu zählen neben den üblichen baulichen und anlagentechnischen Interventionen im geschützten Bestand auch organisatorische Lösungen wie die Einrichtung einer Brandwacht auf Baustellen oder die Entwicklung von Evakuierungsplänen für besonders wertvolle Objekte im Gebäude. Zusammen mit der geregelten Wartung und Kontrolle kann so ein umfassender Brandschutz im Baudenkmal ermöglicht werden. Beispielgebend für eine gelungene Umsetzung bildet die Wiener Hofburg mit ihrer Vielzahl an unterschiedlichen Dachräumen, welche nach dem Brand der Redoutensäle im Jahr 1992 sukzessive ertüchtigt wurden.

Mit dem Dach von Notre Dame ist ein besonders altes Meisterwerk aus dem 13. Jahrhundert verloren gegangen. Es handelte sich um einen frühen Vertreter des stehenden Stuhlgerüsts mit bemerkenswerten Hängesäulen und besonders charakteristischen Zimmermannsknoten. Für die Wiener Altstadt ist man durch die jüngste Arbeit des Bundesdenkmalamtes in dem glücklichen Umstand, alle Dachwerke der Kirchen genau zu kennen. Die Holzkonstruktionen reichen 700 Jahre zurück und bilden einen bautechnischen Schatz, der mit dem „Dachkataster Wiener Innenstadt“ gut dokumentiert ist. Für weitere Informationen zum Thema Brandschutz im Baudenkmal steht Ihnen die Abteilung für Architektur und Bautechnik im Bundesdenkmalamt zur Verfügung.