Von jenseits der Grenze?

KärntenArchäologie
das Bild zeigt stark verschmutzte Lanzenspitzen aus Metall
Ein spektakulärer Fund im Gebiet der römischen Stadt Virunum am Zollfeld bei Maria Saal in Kärnten gibt Rätsel auf.

Der Fundort, ein Bauernhof, befindet sich am nördlichen Rand der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt von Noricum. Als ein Stall erweitert werden sollte, gehörten daher archäologische Voruntersuchungen zur Planung. Und als der Bagger den Humus abhob, kamen ein - sehr verformtes - Schwert und ein Schildbuckel an die Oberfläche. Man war auf ein Brandgrab gestoßen, das in Folge als Block geborgen werden konnte. Verbunden mit dem Leichenbrand fanden sich Messer, Lanzenspitzen, eine Schere - und eine Gürtelschnalle und Riemenzunge, die das Ausgrabungsteam staunen machten.

Es war ein seltener Fund, auch wenn es Vergleichsbeispiele für beides gibt. Aber nicht in Kärnten, nicht im Gebiet der Provinz Noricum. Um ähnliche Stücke zu finden, muss man an den Limes gehen, eventuell sogar darüber hinaus in den Norden, ins nicht römisch besetzte Germanien.

Wie kommen solche Stücke ins heutige Kärnten, wer war der Krieger, dem sie ins Grab mitgegeben wurden? Laut Befund einer anthropologischen Untersuchung war der Mann um die 40 Jahre alt und von mächtiger Statur. Was tat er in Virunum? Warum wurde er innerhalb der Stadt begraben? Lag das Grab an einer Straße? Gab es (noch) Gebäude in der Nähe, oder war hier schon Ödland?

Einiges wird die genauere zeitliche Einordnung des Grabes klären helfen - in Frage kommen das zweite und dritte Jahrhundert nach Christus, die Zeit der Markomannenkriege und auch der Verlegung der Hauptstadt Noricums von Virunum nach Teurnia, eine römische Stadt in Oberkärnten unweit der heutigen Bezirkshauptstadt Spittal.

Die Relikte wurden geborgen und konserviert. Um sie zum Sprechen zu bringen und sie in Bezug zur römischen Geschichte Kärntens, oder vielleicht der Germaniens, setzen zu können, ist noch viel wissenschaftliche Arbeit nötig.