Gründerzeit im Südburgenland: Das Gasthaus Schabhüttl in Rudersdorf.

Detail der weiß getünchten Fassade des Gasthauses Schabhüttl in Rudersdorf (Burgenland)
Trotz wechselhafter Zeitläufe konnte bis heute der Charme und der Charakter einer historischen Gastwirtschaft aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bewahrt werden.

Das im Südburgenland an der Grenze zur Steiermark gelegene Rudersdorf gelangte seit dem 18. Jahrhundert als Zoll- und Mautstelle zwischen Österreich und dem Kronland Ungarn zu einiger Bedeutung und einem gewissen Wohlstand, der sich ab 1900 auch im Ortsbild auswirkte. Als lokale Besonderheit fallen etliche großzügig angelegte Bauten mit ungewöhnlich reichen, an urbanen Vorbildern orientierten spätgründerzeitlichen Fassadengestaltungen auf. Einen erheblichen Anteil an der Neugestaltung der Häuser in Rudersdorf hatten der Bauunternehmer, Gastwirt und Weinhändler Josef Schabhüttl und der bei ihm angestellte, später selbständig tätige Maurer Josef Braun. Braun und Schabhüttl hatten sich im Wien der Ringstraßenära mit der Formensprache des ausgehenden 19. Jahrhunderts vertraut gemacht. Ihre Erfahrungen übertrugen sie in den Heimatort und leisteten damit einen großen Anteil an der ästhetischen Erneuerung des bis dahin von schlichten, weiß gekalkten Bauernhäusern geprägten Dorfes.

Als einer der wichtigsten Schöpfungen dieser baulichen Hochkonjunktur gilt das im Zentrum an der Hauptstraße gelegene Gasthaus Schabhüttl. Nach mehrjähriger Arbeit in Wien kehrte der zu Wohlstand gelangte Josef Schabhüttl in seine Heimat zurück. In Rudersdorf errichtete er 1906 für den damaligen Besitzer des örtlichen Schlosses ein Wirtschaftsgebäude. Im Gegenzug erhielt Schabhüttl die zentral gelegene Posthalterei und Gastwirtschaft, eine dreiflügelige Hofanlage, die ursprünglich im Besitz der gräflichen Familie Batthyány war.

Ausgehend vom Kernbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Schabhüttl 1910 unter Mitarbeit Brauns an der neu angelegten Durchzugsstraße in die Steiermark einen stattlichen Straßentrakt mit einer hofseitigen, hölzernen Veranda. 1911 eröffnete Schabhüttl seinen Gasthof zur Ungarischen Krone, der als Grenzgasthof für Reisende zwischen Graz und Budapest eine komfortable Raststation bot. Neben Stellplätzen für Kutschen und Ställen zum Einstellen der Pferde standen auch Zimmer als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung. Seit 2014 ist der Gastbetrieb verpachtet.

Unverändert erhalten ist die breite Schaufassade des eingeschossigen Gebäudes, die eine dem Zeitstil entsprechende Fassadengestaltung aufweist. Es finden sich unterschiedliche plastische Motive des Jugendstils und des Historismus, wobei Formen der Bauornamentik der Barockzeit und des Klassizismus unbefangen miteinander vermengt sind. Schablonen und Modeln, die aus Wien mitgebracht worden waren, fanden hier erneut Verwendung. 2018 wurde die Fassade auf der Basis eines restauratorischen Befundes ausgebessert und in Kalk gefärbelt. Bereits zuvor waren im Lauf der Jahre die Gasträume, großzügige durch Doppelflügeltüren verbundene Räume sowie die hofseitige Veranda hinsichtlich möglicher bauzeitliche Schablonenmalereien untersucht worden. Mit Rücksicht auf den laufenden Gastbetrieb wurden bisher lediglich einige Musterflächen und eine Decke freigelegt und konserviert.