Die Römersteinwand von Schloss Seggau

Römersteinwand von Seggauberg nach der Konservierung

Die zahlreichen Römersteine des Schlosses Seggau wurden 1831 als ständige museale Präsentation im Arkadengang und der dazu gehörigen Außenwand eingebaut. Aufgrund witterungsbedingter Einwirkungen stehen die Marmorsteine unter permanenter Belastung und benötigen dringend Erhaltungsmaßnahmen. Dazu hat die Abteilung für Konservierung und Restaurierung im Juni 2016 eine Probe- und Musterarbeit für eine Konservierungskampagne durchgeführt. Dabei wurden einige akut geschädigte Römersteine konservatorisch versorgt und zudem wird an einem Gesamtkonzept gearbeitet, das neben der nachhaltigen Konservierung der geschädigten Steine auch Maßnahmenvorschläge enthalten wird, welche eine Verbesserung des Schutzes gegenüber Witterungseinflüssen ermöglichen wird.

Die Römersteine stammen von den Gräberfeldern der einstigen Römerstadt Flavia Solva (in der heutigen Gemeinde Leibnitz), welche sich am Fuße des Schlossberges befand. Noch im ersten Jahrtausend wurden die Römersteine quasi als „Steinbruch“ zur Gewinnung von Werksteinen zur Errichtung eines vorromanischen Wohnturmes der ehemaligen Burganlage auf dem Seggauberg verwendet. Für diese Zweitverwendung wurden die Steine aufbereitet und für die Schlichtung plastisch vorkragende Formen abgemeisselt. Das im 9. Jahrhundert zum Erzbistum Salzburg gehörende Schloss wurde in der Folge ab 1218 von den Seckauer Bischöfen verwendet und ist bis heute Sitz der steirischen Bischöfe. Die Marmorblöcke waren durch den Einbau bis ca. 1816 relativ geschützt und wurden erst nach der Demolierung dieses Turmes wieder sichtbar. Ein großer Teil kam damals in das Landesmuseum Joanneum (zuletzt Schloss Eggenberg) nach Graz und circa 130 Steine verblieben im Schloss Seggau. Diese wurden bis 1831 in ihrer dritten Verwendungsphase als permanente Schausammlung in Art eines /Lapidariums in eine Arkadenwand eingebaut.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als bei Sanierungsarbeiten die Tünchen abgeschabt wurden, setzte bei den Seggauer Römersteinen wieder ein Verfallsprozess ein, der primär aufgrund des thermischen Dehnungsverhaltens der Kalzitkristalle des Marmors verursacht ist. In der Folge dringen dann Mikroorganismen und Algen in die offenen Korngrenzen ein und verbreitern in Zusammenspiel mit Wasser und Frost die Zwischenräume Der Verlust von Kristalllagen ist die Folge. Permanentes Monitoring, welches seit 1993 durch das BDA erfolgte, musste leider eine zunehmende Verschlechterung der Marmoroberflächen dokumentieren.

Im Rahmen der Probe- und Musterarbeit kam für die Reinigung neben mechanischen Feinwerkzeugen auch die Laserreinigung mit Erfolg zum Einsatz. Naturwissenschaftliche Untersuchungen konnten Farbreste der entstehungszeitlich gefassten Steine nachweisen, die es ebenfalls zu dokumentieren und zu sichern gilt.

Wesentlich war die Festlegung und Dokumentation von Referenzobjekten für ein künftiges konzentrierteres Monitoring, das durch hochauflösende Laserscantechnologie unterstützt werden soll. Ziel ist es, durch gezielte konservatorische Maßnahmen und punktuelle Schutzvorrichtungen ein Gleichgewicht zu erreichen, das durch konsequentes Monitoring in Verbindung mit Pflege und Wartung aufrecht gehalten wird, anstatt groß dimensionierte Schutzbauten zu errichten.