Film ab im Metro Kinokulturhaus!

Denkmal des MonatsWien
Blick von Balkon in großen Kinosaal mit stuckierter Decke, Holzvertäfelungen an den Wänden, rotem Teppichboden und roter Kinobestuhlung
An jener Stelle, an der von 1840-1864 das Wiener Vergnügungslokal „Elysium“ beheimatet war - ein „Heim der raffiniertesten Unterhaltungen und des echten Wiener Humors" - öffnete vor kurzem das Metro Kinokulturhaus seine Pforten. Betrieben vom Filmarchiv Austria entstand am Ort des seit 1951 hier bestehenden Metro-Kinos ein neuer lebendiger Präsentationsort filmkulturellen Erbes.

Das Metro Kinokulturhaus in 1010 Wien, Johannesgasse 4, nützt die unteren Geschosse im ehemaligen „Haus des Kaufmännischen Vereins“, welches 1892/93 von Christian Ulrich und Rudolf Dick anstatt des 1887 demolierten St. Anna-Komplexes errichtet wurde. 1924 gründete man im vorhandenen historistischen Vortragssaal das „Kleine Schauspielhaus“. Nach umfangreichen Umbauten nach Entwürfen von Architekt Percy Faber - dem die noch heute vorhandene üppige neobarocke Ausstattung des historischen Kinosaals zu verdanken ist - war hier 1929-34 das Theater "Die Komödie" untergebracht. 1945-1951 führte man das Theater als "Die Insel in der Komödie" weiter, seit 1951 ist hier das Lichtspieltheater "Metro-Kino" etabliert. Unter dem Motto „Dialog und Diskurs, Projektion und Reflexion“ stehen nach umfassenden Restaurierungs-, Umbau- und Erweiterungsarbeiten nicht nur zwei Kinosäle, sondern auch neue Ausstellungsflächen zur Verfügung. Eine Auswahl der über 100.000 Filmtitel, zwei Millionen Fotos und Film-Stills, der etwa 25.000 Filmprogramme, mehr als 10.000 Plakate, 30.000 Bücher sowie der unzähligen Geräte, Objekte und Dokumente aus der Sammlung des Filmarchiv Austria können nunmehr nicht nur im Kontext präsentiert, sondern auch wissenschaftlich bearbeitet werden. „Wir haben den Anspruch, so etwas wie die Nationalbibliothek der Laufbilder zu sein“, erklärt der künstlerische Leiter des Metro Kinokulturhauses, Ernst Kieninger, seinen Ansatz, das bereits digitalisierte Material des Filmarchiv Austria über Sichtungsstationen zur Verfügung zu stellen. Durch den Einbau eines zusätzlichen Studiokinos - dem Eric Pleskow Saal mit 60 Sitzplätzen - ist es zudem möglich, kleinere zeitgenössische Filmproduktionen sowie Independent Filme einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Eisenbahnfahrten wie 1840 wird es in diesem Haus zwar nicht mehr geben, statt dessen aber das Erlebnis von zeitgenössischer Architektur, die mit Licht und Schatten spielt, Hell- und Dunkelräume inszeniert und überraschende Ein- und Ausblicke in die historischen und zeitgenössischen Lichtspielräume samt ihren gläsernen Produktionskabinen bietet. Das sichtbare Kino wird somit selbst zum Exponat. Karl Farkas würde dazu mit Sicherheit nur eines meinen: "Schaun Sie sich das an!"

filmarchiv.at