Wo einst Beamte Zölle und Steuern einhoben, entwickelt sich nun eine urbane Wohn- und Bürokultur.

Blick in einen Gang.
Das ehemalige Hauptzollamt in Linz ist nach der Restaurierung nun ein oberösterreichisches Beispiel für eine zeitgemäße Wohn- und Bürokultur in historischem Ambiente.

Das Bauwerk, das 1858 von J. Winterhalder unter möglicher Beteiligung von F. Kirschner errichtet wurde, ist ein markantes Linzer Beispiel der Architektur des romantischen Historismus und erinnert in Anlage und Formgebung an eine kleine Festung, die dem städtischen Standort nur in der Gestaltung des Hauptgebäudes Tribut zollt. Das für ärarische Zwecke errichtete Bauwerk ist damit abweichend von der Tradition als dominante, reich gegliederte Anlage ausgebildet.

Der trapezförmige Grundriss der Baukomplexes umschließt einen weiten Innenhof, der an seinen Gebäudekanten durch pavillonartige Baukörper betont ist. An der Hauptschauseite dominiert das viergeschossige Hauptgebäude, welches durch hohe rundbogige Hofeinfahrten mit den anschließenden zweigeschossigen Nebentrakten mit ihren charakteristischen polygonalen Eckpavillons verbunden ist. Während die Fassade des Hauptgebäudes von reichem frühhistoristischem Formenrepertoire mit städtischem Charakter geprägt ist, sind die zweigeschossigen Nebentrakte schlichter ausgeführt, sodass sich die Erneuerung der Obergeschoße im Stil der 1950er Jahre harmonisch einbindet (Westtrakt 1958, die übrigen Trakte 1968/1974). Aufgrund der Verlegung der Finanzlandesdirektion Linz wurde der Verwaltungsbau seiner ursprünglichen Nutzung beraubt.

Den neuen Eigentümern und ihren Architekten gelang es aber in hervorragender Weise die für ärarische Zwecke spezifische Struktur für Wohn-, Büro- und Geschäftszwecke zu adaptieren. In dem durch ein monumentales mehrschiffiges Foyer und ein großzügiges Treppenhaus erschlossenen Hauptgebäude fanden Geschäfte und Büros in der großzügigen historischen Binnenstruktur ein adäquates Ambiente, während das letzte Geschoß samt Dachausbau für Wohnungen adaptiert wurde. Wichtig war die Verbindung von Alt und Neu in der Gesamtstruktur und im Detail. Historistische Türen samt Stock wurden sekundär wieder eingebaut, historistische Fliesen und Parkettböden erhalten. Die drei Nebentrakte dienen nun dem Wohnen. Im Erdgeschoß konnte die Höhe der gewölbten Räume durch den Einbau von Galerien optimal genützt werden, gleichzeitig bleibt die besondere Atmosphäre des Altbaus spürbar. In den Wohnungen des ersten Obergeschosses wurden die historistischen Gusseisensäulen des ehemaligen Lagers in die neue Innenstruktur integriert. Die großen Räume der Obergeschosse mit jeweils einem riesigen Fenster verlangten eine innovative Planung, die den heutigen Anforderungen an Wohnraum entspricht. Hofseitig gelang der harmonische Einbau von kleinen Balkons aufgrund der dem Stil der 1950er Jahre verpflichteten, nur durch die großen Fenster bestimmten Fassadenflächen.

Eine besondere Herausforderung stellte die Erhaltung des über alle Nebentrakte verlaufenden historistischen Vordaches dar. Dieses verleiht den Fassaden und dem weiten Hof ein ganz besonderes Flair. Aufgrund der veränderten statischen Anforderungen und des angegriffenen Erhaltungszustandes mussten die Stahlkonstruktion und die eingemauerten Steinkonsolen abgebaut und nach der Sanierung neu versetzt werden. Die Dachhaut wurde durch eine spezielle Verglasung ersetzt, um eine bessere Belichtung für die im Erdgeschoß befindlichen Wohnungen zu erhalten.

Der einzigartige Charakter des Hofes mit seinem historistischen Vordach konnte in seiner Architektur erhalten werden, indem auf Einbauten verzichtet wurde. Eine oberflächlich nicht sichtbare Tiefgarage ermöglichte die baubehördliche Auflage nach Autoabstellplätzen. Der Hof konnte daher als grüne Oase in der Stadt gestaltet werden, in Verbindung mit dem Konzept des „Urban Gardening“ das für die vorgelagerten Terrassen der Wohnungen im Erdgeschoss geplant ist.

Der ehemalige Verwaltungsbau konnte durch die Neuadaptierung zu einem innerstädtischen Wohnobjekt mit hoher Wohnqualität umfunktioniert werden, wobei Büro- und Geschäftsnutzung miteinbezogen sind. Das ehemalige Hauptzollamt, heute als Palais Zollamt bezeichnet, verwirklicht modernste Wohnvorstellungen, ermöglicht durch die Zusammenarbeit von Bauherr, Planer und Denkmalpflege und dem gemeinsamen Willen, sich offen den vielfältigen Herausforderung zu stellen.