Auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

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Eines der bedeutendsten archäologischen Denkmale der Römerzeit in Österreich soll UNESCO-Welterbe werden.

Der sogenannte Limes (lateinisch für »Grenze«) bildete einst die Außengrenze des Römischen Reichs. Er erstreckte sich in seiner größten Ausdehnung über 5.000 km von Großbritannien quer durch Europa, Vorderasien und Nordafrika rund um das Weltreich.

Gewaltig – und ein wenig beunruhigend, wenn man an manch extreme Vorstellungen von der heutigen EU-Außengrenze und ihrem ›Dichtmachen‹ denkt. Und an die starke Militarisierung der antiken Grenze, die zwar – wie wir dank der archäologischen Ergebnisse wissen – recht durchlässig war, aber eben doch eine deutliche Trennlinie darstellte.

Für die Archäologie – und wohl auch die UNESCO – steht heute aber viel eher das verbindende und länderübergreifende Wesen dieses komplexen Denkmals eines untergegangenen Staates im Vordergrund.

Und Österreich hat – ebenso wie Bayern – einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Limes: Die Befestigung verlief einst entlang der Donau, die hier eine natürliche Grenze bildete. Im Süden, gegen Italien und Rom hin, lagen auf heute österreichischem Staatsgebiet die Provinzen Noricum und Pannonien.

Mit dem Jahr 2011 hat Österreich ›seinen‹ Limes auf die »Tentative List« der UNESCO gebracht: Das bedeutet, dass wir in den Startlöchern für die ›echte‹ Einreichung stehen. Viele Vorbereitungen sind unter Federführung des zuständigen Bundesministeriums (jetzt: Bundeskanzleramt) und durch Fachleute aus Archäologie, Geschichte und Raumplanung schon geleistet worden. EntscheidungsträgerInnen der Gebietskörperschaften sowie einschlägige Museen und Vermittlungseinrichtungen wurden einbezogen.

Für den fachlichen Feinschliff wurde nun der Schulterschluss mit Bayern gesucht, das ja über ein ganz ähnliches Stück Donaulimes verfügt. Gemeinsam soll der besondere Wert dieses Limes-Abschnitts innerhalb des Gesamtdenkmals definiert werden, weil: etwas Besonderes muss es schon sein, wenn der Limes durch das Nadelöhr der Begutachtung gefädelt werden soll. Dabei werden dem Bundesdenkmalamt auch Kollegen aus Großbritannien zur Seite stehen, wo ja schon zwei Abschnitte des Limes auf der Welterbe-Liste stehen.

Bei dem Stichwort »Besonderes« fallen einem wohl zuerst die stockwerkhohen Türme, Tore und Mauern ein, die in manchen Orten an der Donau über fast 2.000 Jahre einfach stehen geblieben sind und seit Langem vom Bundesdenkmalamt archäologisch betreut und restauriert werden: Mautern, Traismauer, Zeiselmauer, Tulln oder Bacharnsdorf in Niederösterreich wären hier etwa zu nennen. Aber auch das riesige Lager von Enns und die Laurentius-Basilika von Lorch (Lauriacum) in Oberösterreich dürfen hier nicht fehlen. Oder etwa der heutige »Graben« in Wien, der nicht nur eine elegante Einkaufsstraße ist, sondern tatsächlich über dem Lagergraben des römischen Kastells Vindobona verläuft. Und zu guter Letzt ist hier natürlich auch das Legionslager von Carnuntum zu erwähnen.

Eine (Teil-)Bilanz der jahrzehntelangen Untersuchungen des Bundesdenkmalamtes an den archäologischen Denkmalen des Limes in Österreich wurde zuletzt im Jahr 2013 veröffentlicht: »Der norische Limes in Österreich«. Über die erfolgreiche Aufnahme des österreichischen Limes in das UNESCO-Welterbe sollte in zwei bis drei Jahren zu berichten sein.