Imposante Kirchenfestung als Zuflucht vor dem Feind

Blick auf die Wehrmauer, hinter der die beiden Türme der Kirche in den Himmel ragen.
Die Wehrkirchenanlage Diex zählt zu den bedeutendsten Kirchenfestungen Kärntens. Seit Jahrhunderten wird ihr Erscheinungsbild durch ein so genanntes Steinplattldach geprägt. Die Restaurierung des Kirchendaches konnte abgeschlossen werden, dringend notwendig ist die Eindeckung des Wehrganges.

Diex, mit über 2.000 Sonnenstunden im Jahr das sonnigste Bergdorf Österreichs, liegt in 1159 Meter Seehöhe am südlichsten Ausläufer der Saualpe. Mitten im Ort steht die imposante Kirchenfestung, die zu den bedeutendsten Wehrkirchenanlagen Kärntens zählt.

Die unter Denkmalschutz stehende Wehranlage wurde zum Schutz gegen die Türken errichtet, die in der Zeit des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts wiederholt auf Kärntner und Steirischer Seite einfielen. Um dieser Gefahr zu entgehen, wurde die Pfarrkirche hl. Martin mit einer Ringmauer umschlossen. Die zirka fünf Meter hohe Wehrmauer ist durch zwei Halbrundtürme im Osten und Westen verstärkt und bildet einen unregelmäßigen, sechseckigen Grundriss. Bis ins 18. Jahrhundert war sie von einem Trockengraben umgeben. Über diesen ehemaligen Graben führt eine Zugbrücke durch einen 1535 datierten Torturm mit tonnengewölbter Durchfahrt in den Kirchhof.

An der Innenseite der Wehrmauer verläuft ein hölzerner Wehrgang mit einer Schildwand, der mit handgebrochenen Schiefer-Steinplattln, einem in Kärnten und Slowenien üblichen Deckungsmaterial, versehen ist. Der Wehrgang der Kirchenfestung von Diex wurde 1990 instand gesetzt, wobei ein Großteil der Brüstung erneuert wurde. Er bildete ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem: Im Falle eines Angriffes stand eine mit einem Balken abdeckbare Wurföffnung („Maschikuli“) zur Verfügung, durch die Feinde mit siedendem Wasser und Steinen „empfangen“ werden konnten.

Die Verteidigungseinrichtung der Wehranlage ist überraschend gut erhalten. Dringend notwendig ist jedoch die Eindeckung des Wehrganges.

In Kärnten sind insgesamt noch rund 120 Kirchen mit Steinplattln gedeckt. Am bekanntesten sind diese Dächer neben der Kirchenfestung Diex an den Wehrkirchenanlagen auf der Saualpe wie Grafenbach und Greutschach. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Ost- und Mittelkärnten (vor allem auf die Bezirke Völkermarkt, St. Veit an der Glan, Klagenfurt-Land und Teile der Bezirke Wolfsberg und Feldkirchen).

Steinplattldächer gehören zu den schönsten, auch außergewöhnlichsten und haltbarsten historischen Dachdeckungen. Unterschiedliche Steinplattengrößen, Farbvariationen und Deckungsarten, teilweise durch Reparatur- und Ausbesserungsarbeiten gewachsen, erzeugen ein lebendiges Erscheinungsbild von hoher Ästhetik.

Trotz der enormen finanziellen Belastung, die Neueindeckungen mit diesem Material verursachen - ein Quadratmeter Steinplattldach kostet ca. 200,- Euro im Vergleich zu einer Ziegeldeckung mit einem Quadratmeterpreis von ca. 50,- Euro, - konnten in den letzten Jahren einige Kirchen mit Steinplattln neu gedeckt werden, darunter St. Klementen am Krappfeld, Pulst, Projern und Diex.
Teilneueindeckungen wurden u. a. in Ruden und St. Georgen unter Straßburg durchgeführt.
Da diese Maßnahme nur durch großen Einsatz der Pfarren und der Diözese Gurk und unter finanzieller Beteiligung öffentlicher Stellen (des BDA und Landes Kärnten) möglich ist, bleiben Gesamtneueindeckungen derzeit die Ausnahme. In zahlreichen Fällen werden bereits alternative Deckungen erwogen, vor allem bei kleineren, abseits gelegenen Filialkirchen. Für bedeutende Kirchenanlagen, deren Erscheinungsbild seit Jahrhunderten durch Steinplattldächer geprägt wird, gehen die Bestrebungen und die Herausforderung an alle beteiligten Partner, den Weiterbestand dieser einzigartigen historischen Deckung für die Zukunft zu gewährleisten.

Die Eindeckung der Kirche in Diex konnte bereits abgeschlossen werden. Demnächst anstehend ist die Eindeckung der Anlage in Kraig. In Diex wurden für das Kirchendach insgesamt rund 300.000,- Euro ausgegeben; die ebenfalls dringend notwendige Eindeckung des Wehrganges wurde aus finanziellen Gründen und aufgrund des massiveren Schadensbildes am Kirchendach derzeit noch zurückgestellt.