Beharrlichkeit und Stärke wieder gewonnen

Wien
Wieder montierte, weiß gefasste Figurengruppe mit rückwärtiger Tragkonstruktion
Das Sturmtief Emma hat am 21. Juni 2007 schwere Schäden verursacht. In Wien stürzte ein, auf dem Platz Am Hof aufgestellter, 55m hoher Turmdrehkran um, wobei der Kranführer ums Leben kam. Der Kranmast fiel auf das Haus Nr. 10, das ehemalige „Bürgerliche Zeughaus“, und beschädigte dabei die monumentale, den Giebel bekrönende Skulpturengruppe. Nun kehrte sie zurück.

Die ursprünglich von dem berühmten Bildhauer Lorenzo Mattielli stammenden Figuren versinnbildlichen gemäß dem Wahlspruch Kaiser Karls VI „Constantia et Fortitudo“ die Beharrlichkeit und Stärke. 1731/32 im Zuge des Umbaus des Zeughauses geschaffen, war die Figurengruppe allerdings nach einem schweren Bombenschaden von 1945 bereits in der Nachkriegszeit großteils erneuert worden. Bildhauer Klaus Wedenig und seine Crew hatten die schwierige Aufgabe die Figurengruppe zu restaurieren bzw. zu rekonstruieren. Während die Figur der wehrhaften Fortitudo wiederhergestellt werden konnte, war die Constantia als Totalschaden zu betrachten; diese Skulptur sollte wieder in traditioneller Bildhauerarbeit aus Stein hergestellt werden. Da die Brüche von Zogelsdorf, woher der ursprüngliche Kalksandstein stammte, nicht mehr aktiv sind, entschied man sich bei der Neuherstellung für den in der Qualität vergleichbaren Pietra di Vizenca. Für den Kopiervorgang wurde die alte Figur aus den Trümmern wiederzusammengesetzt und nach diesem „Modell“ mit der traditionellen Technik des Punktierens das „Vor-Bild“ abgeformt. Für die Wiedergabe des Kopfes wurden historische Fotos, die das barocke Original zeigen, herangezogen. Die Skulpturen erhielten eine der historischen Technologie entsprechende Bleiweißfassung, die einen lang anhaltenden Schutz vor der Witterung gewährleistet. Hat man Gelegenheit derartige Attikafiguren aus der Nähe zu betrachten, ist man immer wieder von der Größe und Wucht dieser so exponiert positionierten, auf Fernsicht berechneten Kunstwerke erstaunt. Auch heute noch stellt die Aufstellung der Skulpturen eine logistische und handwerkliche Herausforderung dar, wiegt jede von ihnen doch über 5 Tonnen. Unvorstellbar wie man diese Aufgabe vor 300 Jahren nur mit Seilen und Flaschenzügen bewerkstelligt hat.