Beeindruckende Gemälde auf Holz

Innenraum mit Holzkassetendecke und spätgotischem Altar
Die über drei Jahre andauernde, technisch besonders schwierige Restaurierung der barocken Holzkassettendecke mit 14 figuralen Heiligendarstellungen in der Filialkirche zu Beschling (Vorarlberg) ist erfolgreich abgeschlossen.

Die Geschichte der Herstellung und der Veränderungen der barocken Holzkassettendecke in Nenzing-Beschling ist nicht zuletzt eine Geschichte der Menschen in Beschling, die sich als Stifter seit Jahrhunderten um diese Holzdecke kümmerten und sich inschriftlich und bildlich - repräsentiert durch ihre Namenspatrone - auf den gefassten Deckenfeldern verewigten. Auch die jüngste, technisch schwierige und nicht zuletzt kostenintensive Restaurierung wurde zuallererst durch die großzügigen Spenden der Pfarrmitglieder aus Beschling, die sich der einzelnen Bildtafeln annahmen, ermöglicht. Ein besonderer Dank für das hartnäckige Betreiben des Unterfangens gebührt dem seit 50 Jahren in Beschling tätigen Kirchenpfleger, der durch seinen Einsatz und sein organisatorisches Talent wesentlich zum Gelingen der Restaurierung beigetrug.

Anlässlich der Erweiterung der Kirche wurde 1680 eine Holzkassettendecke eingebaut. Die 45 unterschiedlich großen Tafeln bestehen aus aneinander gefügten, gefassten Brettern, die mittels geschmiedeter Nägel und geschwärzter Profilleisten an den Bundträmen der Dachkonstruktion befestigt sind. 14 dieser Kassettenfelder sind mit figuralen Darstellungen von Christian Lutz aus Nenzing bemalt: Dargestellt sind jeweils ein oder zwei Heilige, die als Namenspatrone mit den entsprechenden ikonographischen Attributen und Hinweisen aus der Heiligenlegende einen Bezug zu den Stiftern herstellen.

Verschiedene Veränderungen der Decke - wohl im Zusammenhang mit dem Emporeneinbau im 19. Jahrhundert - sind bereits auf den ersten Blick sichtbar. So variiert im Bereich über der Empore der Malstil und es fehlen die Inschriften auf den Bildtafeln. Untersuchungen an den älteren Tafeln zeigten, dass insbesondere die Inschriften ein- bis zweimal übermalt wurden. Gedrechselte Zierzapfen an den Kreuzungspunkten der Profilleistender legen auf Grund ihrer Formensprache die Vermutung nahe, dass diese ebenfalls erst im 19. Jahrhundert angebracht wurden.

1957 erfolgte eine umfassende Restaurierung, die schriftlich dokumentiert wurde und sich deutlich zu erkennen gab. Im Zuge dieser relativ umfassenden Restaurierung wurden Beschädigungen großzügig mit einer Spachtelmasse gekittet oder mit zahlreichen Holzeinsetzungen geschlossen und dann retuschiert. Alle einfärbigen Felder wurden bis auf den Holzträger abgearbeitet und erhielten anschließend einen neutral-beigen Anstrich mit Dispersionsfarbe. In den 1970er Jahren kam es zu weiteren, eher rudimentären Ausbesserungsarbeiten an den Heiligendarstellungen.

Vor Beginn der aktuellen Restaurierung wiesen die Gemälde aber auch die einfarbig gehaltenen Tafeln ein vielschichtiges Schadensbild auf: Die Gemälde waren durch Holzwurmbefall der Holztafeln und die stark kreidende und abblätternde originale Malschicht akut gefährdet. Darüber hinaus führten zahlreiche Risse in den Tafeln, Wasserränder, Retuschen und die Übermalungen des 20. Jahrhunderts zu einem gesamthaft fleckigen und unruhigen Erscheinungsbild.

Im Zuge der ersten Untersuchung der Decke im Jahr 2008 wurden Proben der stark kreidenden und abblätternden Malschicht entnommen und durch das Naturwissenschaftliche Labor des Bundesdenkmalamtes analysiert: Bei der originalen Bemalung handelte es sich um eine sehr dünn und mit breitem Pinselstrich aufgetragene Leimmalerei, deren Bindemittel altersbedingt stark reduziert war. Es konnte keine Grundierung oder ein schützender, historischer Überzug festgestellt werden. Die neuzeitlichen, zum Teil unschönen Retuschen waren dagegen größtenteils mit einem ölhältigen Bindemittel aufgetragen und ließen sich von der fragilen, originalen Leimmalerei nicht mehr ablösen.

Anhand einer Musterrestaurierung im Sommer 2009 wurden die Maßnahmen zur Konservierung und Restaurierung an der Tafel mit dem Gemälde der heiligen Meinrad und Magdalena erprobt. Im Frühjahr 2010 zeigte sich die restaurierte Bildtafel in einem guten Zustand, so dass die Arbeiten an sämtlichen Gemälden im Sommer 2010 beginnen konnten. 2011 wurde ein weiteres Mal ein Gerüst aufgestellt, denn die Profilleisten und neutral gefassten Holztafeln mussten noch fertig bearbeitet werden. Außerdem ergab sich dadurch die Gelegenheit, die Restaurierung der Bildtafeln ein weiteres Mal auf ihre Haltbarkeit hin umfassend zu überprüfen.

Die Holzkassettendecke musste aufgrund ihrer Konstruktion und der sehr fragilen Malerei im eingebauten Zustand restauriert werden. Zuerst wurden sämtliche Tafeln der Holzdecke einer vorsichtigen Reparatur durch einen Tischler unterzogen. Hierfür mussten Profilleisten abgenommen, neuzeitliche Nägel für eine bessere Beweglichkeit der Tafeln in den Rahmen entfernt und Risse teilweise neu verleimt oder ausgespant werden. Für die Gemälderestaurierung war die Festigung der kreidenden und abblätternden originalen Bemalung vorrangig, wobei Verfärbungen durch das Festigungsmittel zu vermeiden waren. Die Reinigung und ein optisches Zurückdrängen der Flecken und Wasserränder, sowie eine vorsichtige, partiell angelegte Retusche in den Fehlstellenbereichen sollten dann wieder zu einem geschlossenen Erscheinungsbild der barocken Bildtafeln führen.

Die schwarzen Profilleisten wurden gereinigt und entsprechend dem Bestand partiell lasierend geschwärzt. Die beige, stark eingeschmutzte Dispersionsfarbe auf den neutral gefassten Tafeln musste vollkommen entfernt werden, da aus materialtechnischen Gründen eine Übermalung nicht möglich war. Nach Abnahme des rezenten Anstrichs zeigten sich spärliche Reste einer früheren Bemalung dieser Tafeln: rahmende schwarze Linien, mittige Blumenornamente, sowie Reste einer Marmorierung. Die originale barocke Decke war also ursprünglich wesentlich bunter gestaltet. Diese Befunde waren jedoch zu fragmentarisch für eine Rekonstruktion der barocken Fassung. Die heutige, wesentlich kühlere Fassung der neutralen Deckenfelder mit schwarzen Profilleisten ist einer Überarbeitung des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben und ist in ihrem historisch gewachsenen Erscheinungsbild schlüssig. Die neutralen Holztafeln wurden daher wieder in einem hellen Beige, das in den Randbereichen der Gemäldetafeln befundet wurde, gefasst. Zur Anwendung kam eine sehr dünn aufgetragene Leimfarbe.