Die Glocke des Katzenturms zu Feldkirch

Ein Mitarbeiter d. Fa. Perner beim nicht ungefährlichen Abhängen der Glocke im Glockenstuhl
Klöppel, Joch und Steuerung der größten Glocke Vorarlbergs mussten erneuert werden, um sie vor dem Zerspringen zu bewahren: die Firma Perner aus Schärding verfügte über das erforderliche Know-How, der Erfolg kann sich hören lassen.

Als älteste Musikinstrumente, die in unserem Land noch in ursprünglicher Funktion und Klanggestalt erhalten geblieben sind, haben Glocken hohen Denkmalwert. Die Stadt Feldkirch besitzt mit der 1857 von Josef Anton Grassmayr gegossenen Glocke im Katzenturm die größte Glocke Vorarlbergs und zugleich eine der bedeutendsten Glocken des 19. Jahrhunderts in Österreich. Der Katzenturm wurde zwischen 1491 und 1507 als Teil der Stadtbefestigung erbaut und 1665 in einen profanen Glockenturm umgestaltet. Die Erhöhung um zwei Geschosse ließ eine Glockenstube entstehen, in die im selben Jahr die erste Glocke gehängt wurde (gegossen bei einem gewissen Theodosius Ernst aus Lindau). Aber schon 1675 bekam sie einen Sprung und wurde neu gegossen. Der nächsten setzte ein Stadtbrand im Jahr 1697 zu, sodass von 1698 bis 1856 schon die dritte Glocke ihren Dienst tat. Die heutige Glocke ist die nun vierte an diesem Ort: Mit einem Durchmesser von 238 cm ist sie die zweitgrößte historische Glocke Österreichs. Die nachteilige Ausstattung der Glocke, die man in den 1980er Jahren anbrachte, entsprach dem hohen Denkmalwert dieses Instruments in keiner Weise. Die Glocke wurde damals auf ein tief gekröpftes Stahljoch gehängt und mit einem neuen Klöppel mit Klöppelfänger ausgestattet. Dadurch ging das originale Holzjoch der Katzenturmglocke verloren - die damaligen Maßnahmen müssen - selbst wenn sie damals dem ästhetischen Empfinden und technischen Verständnis entsprachen - heute als Irrwege im Umgang mit Glocken erkannt werden. Mit der Neuausstattung war ein hoher Läutewinkel der Glocke verbunden, der eine massive Erhöhung der dynamischen Kräfte beim Glockenläuten verursachte. Die damit verbundene extreme Belastung für Glocke und Klöppel führte folgerichtig dazu, dass in den letzten Jahren zwei Mal der Klöppel beim Läuten zerbrach, wobei man von Glück sprechen kann, dass nur der Klöppel gebrochen und nicht die Glocke gesprungen ist. Im Interesse eines schadlosen Gebrauchs der Katzenturmglocke entschied sich die Stadt Feldkirch auf Anregung des Bundesdenkmalamts nun zur denkmalgerechten Neuausstattung ihrer wertvollen Glocke: Zur Glockenaufhängung wurde ein massives Holzjoch aus Eichenholz mit Flachstahlbändern rekonstruiert; der Klöppelfänger wurde entfernt und ein neuer Rundballenklöppel gefertigt. Für alle Arbeitsschritte waren Gewichtsmessungen zur richtigen Dimensionierung der Einzelteile notwendig, was bei den gewaltigen Dimensionen der Glocke eine Herausforderung war. So werden beim Läuten nun Massen von 8450 kg Glockengewicht, je rund 800 kg Gewicht des Holzjoches und 450 kg des Klöppels bewegt. Durch eine moderne Steuerung ist es möglich, den Läutewinkel der Glocke exakt einzustellen und eine schonende Inbetriebnahme der Glocke durch langsames Anfahren und Ausschwingen zu gewährleisten. Der hohe Denkmalwert von Glocken resultiert aus der historischen Dimension des Klangerlebnisses, das schließlich unverändert auf uns gekommen ist. Glocken tönen seit ihrer Entstehung in der Gießerei im gleichen Klang und haben damit eine unverfälschte, über die Zeiten gleich gebliebene, authentische Wirkung wie kaum ein anderer Gegenstand der Denkmalpflege. So ist den Glocken gerade durch ihren Klang eine unmittelbare Verbindung mit der Vergangenheit immanent, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ihr Geläute seit langen Zeiten den Kreislauf des menschlichen Lebens im Schatten der Glockentürme begleitet und zu ebenso festlichen wie tragischen Anlässen der Gemeinschaft Signal gegeben hat. Der Klang einer Glocke, den schon unzählige Generationen gehört haben, wirkt so als ein Zentrum des Bewusstseins. Als monumentale Bronzen sind Glocken mit reichen Reliefs und phantasievollen Detailgestaltungen oftmals die einzigen Bronzeplastiken in ihrer Umgebung, die als Höhepunkte der Gießerkunst gelten müssen, denen im Gegensatz zu den übrigen Metallobjekten neben ihrer Formschönheit auch eine kompliziert errechnete Klangschönheit innewohnt. Je nach Entstehungszeit finden sich an der Glockenwandung Reliefs und Inschriften in zeittypischen Formen (in Feldkirch u.a. das Patronat Maria und Rochus). Auch die Glockenkrone weist eine stilistisch typische Form auf, die überdies teils durch vollplastische Modellierung der Kronenhenkel zum Beispiel als Engelsgesichter oder hier als wilde bärtige Männerköpfe individuell gestaltet wurden.