Ein offenes Amtshaus in Ottensheim

Blick auf eine Holzdecke.
Seit 1988 wurde in Ottensheim über ein neues Amtshaus diskutiert – schließlich wurde das so genannte Gusenleitnerhaus Ecke Marktplatz/Linzerstraße dafür angekauft und mit Engagement von Bürgermeisterin, Gemeinde, Architekten und Bundesdenkmalamt umgebaut.

Zu Beginn ein Rückblick: Das mächtige Eckhaus zur Linzer Straße wurde Ende des 16./17. Jahrhunderts aus zwei älteren Häusern zusammengefügt. Nach dem Brand von 1899 erhielt das Haus eine neue traufständige Fassade und ein gemeinsames Walmdach, die zwei Hausteile behielten jedoch zwei nebeneinander liegende Eingänge und eine unabhängige Innenerschließung. Mit dem nunmehrigen Umbau wurde die Teilung des Hauses wieder rückgängig gemacht und ein großzügiger Eingangsbereich geschaffen.

Verbindung von Alt und Neu: Viele Elemente des historischen Baus sind auch nach dem Umbau noch zu finden oder kommen erst jetzt richtig zur Geltung. So fällt im ersten Stock besonders das barocke Stuckrippengewölbe mit blumenförmigen Schlusssteinen ins Auge, die alten Holzdecken, die wieder instand gesetzt und sichtbar gemacht wurden oder ein Bretterboden in Klosterbodenart mit Blütenornament. Rundum gelungen ist die Verbindung von alter Bausubstanz und neuer Architektur: Der dreiachsige Arkadengang mit toskanischen Säulen und Platzlgewölben leitet zur Terrasse des Neubaubereichs. Hof und Arkadengang bilden den Übergang zum neu errichteten Saal an der Linzerstraße.

Nicht alles war einfach an diesem Umbau: Der Zustand der Außenwand im Arkadenhof trieb dem Architekten den Schweiß auf die Stirn: das Steinmauerwerk war immer wieder mit Ziegeln geflickt worden, wies große Risse auf und hatte schlicht keine Festigkeit mehr. Durch Mörtelverpressungen eines Spezialunternehmens konnten die bedenklichen Fugen aber saniert werden.

Gelungene Detaillösungen: Bei der Einpassung der außen aufschlagenden Holzkastenfenster musste auf den markanten Keilstein über dem Fenster Rücksicht genommen werden. Dies ist nur ein Detail der vielen gelungenen Lösungen des Architekten Christian Ambos: selbstverständlich und unauffällig ist die barrierefreie Erschließung des Hauses. Bretterböden und Tramdecken wurden sorgfältig restauriert, der Dispersionsanstrich und die hydraulischen Putzschichten wurden abgeschlagen, der darunter liegende historische Kalkputz aber erhalten. In Kooperation mit dem baubegleitenden Restaurator Kurt Reiss wurden Oberflächen mit Kalkputz versehen. Schmuckstuck seiner Arbeit ist aber die Freilegung einer frühhistoristischen Deckenmalerei im Raum der Amtsleiterin. Die Photovoltaikanlage – anderenorts ein Kampfthema – wurde nach Vorgaben des Bundesdenkmalamtes als Aufdachmontage oberhalb der voll funktionsfähigen Dachhaut ausgeführt. An der hofseitig gelegenen Dachfläche angebracht, ist sie nicht erkennbar und beeinträchtigt die historische Stadtansicht nicht. Technisch wurde statt eines monokristallinen Zellentyps, der bei Sonneneinstrahlung hoch reflektierend ist, ein amorphes Dünnschichtmodul gewählt, das keine Reflexionen hervorruft. Das neue Amtshaus in Ottensheim ist für das Bundesdenkmalamt ein Vorzeigeprojekt und daher Denkmal des Monats Juli 2010.