Giselbert Hoke in Eisenstadt

abstrake Malerei in den Farben Grün, Grau und Weiß
Die kaum bekannte Eisenstädter Arbeit von Giselbert Hoke, einem führenden Vertreter der österreichischen Malerei der Nachkriegszeit, nimmt innerhalb der monumentalen Wandmalerei und kirchlichen Kunst nach 1945 in Österreich einen hohen Rang ein. Insbesondere im Burgenland blieb dieses Werk der damaligen Avantgarde ohne vergleichbares Beispiel, entspricht jedoch in seinem selbstbewussten künstlerischen Ausdruck dem starken Erneuerungs- und Modernisierungswillen im Land, der auch von der Kirche geteilt wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auf einem Grundstück, das ehemals der jüdischen Familie Wolf gehörte, wurde westlich oberhalb des Esterházyparks in Eisenstadt 1959/60 die „Bildungs- und Erziehungsstätte“ der Diözese Eisenstadt (Katholische Lehrerbildungsanstalt, heute Gymnasium der Diözese Eisenstadt) errichtet. Der stark funktional orientierte Bau erhielt anschließend in den Stiegenhausfoyers eine bemerkenswerte künstlerische Ausstattung, für die ein Wettbewerb ausgeschrieben worden war. Durch die Unterstützung des Malers Prof. Josef Dobrowsky innerhalb einer von der Apostolischen Administratur Burgenland einberufenen Jury, der sich u.a. auch der bedeutende Kunsthistoriker Otto Benesch und Msg. Otto Mauer angehörten, erhielt der damals 33jährige Giselbert Hoke den Auftrag für die Wandgemälde. Hoke dürfte durch Dobrowsky zur Teilnahme am Wettbewerb in Eisenstadt eingeladen worden sein, wobei Dobrowsky erst nach intensiver Kontroverse mit Otto Mauer seinen Favoriten durchsetzen konnte. Hoke, geboren 1927, absolvierte sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Sein erster großer Auftrag, die Wandmalereien für den neuen Hauptbahnhof in Klagenfurt (Entwurf 1949/51, 1954-56 ausgeführt), hatte damals für einen öffentlichen Skandal gesorgt, heute gelten sie als eines der bedeutendsten Beispiele der österreichischen Monumentalmalerei nach 1945. Sowohl in der Ausführungstechnik als auch stilistisch schließt die Eisenstädter Arbeit an die Klagenfurter Bilder an. Die sechs Wandgemälde sind auf jeweils zwei im rechten Winkel zusammenlaufende Wände des Foyers aufgeteilt und umgeben damit einen zentralen, allgemeinen Aufenthaltsbereich. Die Bildfelder erstrecken sich über die gesamte Raumhöhe von 2,9 Meter und weisen je nach Wandfläche eine Breite zwischen etwa 4 bis 5,5 Meter auf. Als Maltechnik hat Hoke im Prinzip das klassische Fresko gewählt, allerdings in seiner charakteristischen, pastosen Mischtechnik überarbeitet. Der Zyklus trägt im 2. Obergeschoß die Signatur:„G. HOKE 60“. Das vom Künstler wohl weitgehend selbst erstellte ikonographische Konzept – eine konkrete inhaltliche Vorgabe seitens des Auftraggebers gab es nicht – hat als Grundthema die religiöse und geistige Bildung. Dabei geht Hoke von traditionellen biblischen Inhalten und Motiven des Neuen Testaments aus. Kräftig-intensive Farbakkorde in großflächigem Auftrag dominieren die Bildfelder, in die wenige Figuren wirkungsvoll hineingesetzt sind; der Bildraum selbst wird weitgehend in große Farbflächen aufgelöst. Die Farbigkeit mit den damit verbundenen Symbolwerten unterstreicht, interpretiert bzw. dominiert schließlich das Bildprogramm, wobei die Gegenständlichkeit grundsätzlich weitgehend erhalten bleibt. Stilistisch steht der Künstler unter dem Einfluss der klassischen Moderne, insbesondere in seiner offenkundigen Orientierung am Expressionismus, Kubismus und Fauvismus, wobei sich besonders die Nähe zu Picasso und Matisse zeigt. Der Einfluss eines Parisaufenthalts des jungen Künstlers scheint sich hier bemerkbar zu machen, doch entwickelt Hoke daraus eine für die frühe Schaffensphase unverwechselbare selbstständige Handschrift. In den letzten beiden Jahren erfolgte – parallel zur Unterschutzstellung - die Restaurierung dieser über einen langen Zeitraum fast in Vergessenheit geratenen Arbeiten im Einvernehmen mit dem Landeskonservatorat für Burgenland. Es ist ein besonders schöner Aspekt der Restaurierung, dass die Tochter des Künstlers selbst, eine ausgebildete Restauratorin, den Auftrag dafür erhalten hat. Bereits eingearbeitet und geschult an der speziellen Freskotechnik des Vaters durch die vorangegangene Restaurierung der Klagenfurter Bahnhofsgemälde, konnte sie die Arbeiten ohne relevante methodische und technische Probleme durchführen. Die Malereien präsentierten sich aufgrund der Maltechnik in einem sehr soliden, kompakten Zustand, die Positionierung in den Foyers einer Schule brachte allerdings naturgemäß über die Jahre diverse mechanische Beschädigungen mit sich, sodass es sich vorwiegend um eine Reinigung und umfangreiche Retuschierarbeit von zahlreichen kleinen Fehlstellen in den unteren Bildzonen handelte. Dadurch wurde schließlich die ursprüngliche Wirkung der Malerei wiedergewonnen, so dass die intensive Leuchtkraft und Frische der Farbigkeit den Betrachter durch die Kraft dieser Bilder von Neuem beeindruckt.