Industrielle Innovation

Dampfmaschine nach Restaureirung mit neuer Einhausung
Die Erfindung von James Watt hielt auch im Ländle Einzug, als die Welle der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts auf die – in Vorarlberg vorherrschende – Textilbranche überschwappte.

Durch die lange Tradition der textilen Verarbeitung in Vorarlberg war das Know How und auch die Menge an Arbeitskräften vorhanden, was in weiterer Folge zu einer Mechanisierung und später auch zu einer Automatisierung der Produktionsprozesse führen konnte. Auf Grund der günstigen Lage (Grenznähe zu Süddeutschland und vor allem der Schweiz) gehörte Vorarlberg sehr bald zu einem der hoch industrialisierten Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie. Als frühes Beispiel dafür steht die Woolf´sche Balanciermaschine aus dem Jahre 1858 die von der Firma Kuhn in Berg bei Stuttgart produziert wurde. Sie gehörte ursprünglich zur Rohweberei des Firmengründers Franz Martin Rhomberg. Rhomberg hatte 1853 eine Säge und Mühle mit Wasserkraft in Dornbirn/Schmelzhütten erworben, die er in eine Rohweberei mit 170 Webstühlen umbaute. Da die Wasserkraft für die Weberei nicht ausreichte, wenn die Dornbirner Ache Niederwasser führte, wurden 1858 ein Dampfkessel und eine Dampfmaschine aufgestellt. Durch die Umstellung von Wasserkraft auf Dampfbetrieb wurde in der Geschichte der Firma ein wichtiger neuer Abschnitt eingeleitet. Die Dampfmaschine leistete 12-36 PS und war bis 1921 in Betrieb und vor allem für energieaufwändige Arbeiten, wie Weben, geeignet. Die Bedeutung dieses Objektes reicht über eine lokal-wirtschaftshistorische weit hinaus. Dampfmaschinen dieser Art wurden vor allem wegen ihrer hohen Leistung bei besonders gleichmäßigem Lauf zum Antrieb von Textilmaschinen eingesetzt. Gegen Ende der 1850er Jahre wurden die Balancier-Dampfmaschinen dann von liegenden Maschinen abgelöst, die bei gleicher Leistung eine kompaktere Bauart aufweisen. Nach der Außerdienststellung 1921 wurde sie auf einem eigens dafür errichteten Fundament im Freien als Technisches Denkmal aufgestellt. In den darauf folgenden Jahren wurde sie von ihren Besitzern durch neue Anstriche pfleglich erhalten. Nach dem letzten Besitzerwechsel blieben jedoch diese Erhaltungsmaßnahmen aus und die Maschine verfiel zusehends in einen bedauernswerten Zustand und wäre schlussendlich beinahe dem Schneidbrenner zum Opfer gefallen. Buchstäblich im letzten Augenblick wurde diese Maschine unter Denkmalschutz gestellt. Die Initiativgruppe Adolf Gstöhl, Walter Bröll und Wolfgang Hamida vom VTV begann mit begleitender Unterstützung des Bundesdenkmalamtes sofort mit der Planung der Restaurierung. Zu den vorbereitenden Arbeiten gehörte die langwierige Behandlung mit Rostlösemitteln, das Organisieren und Einrichten einer provisorischen Werkstätte mit Regalen, Werkbank und Hebekran. Die Demontage der Maschine erforderte handwerkliches Fingerspitzengefühl. Dann konnten die Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten begonnen werden. Der Anstrich der gereinigten Großteile erfolgte nach Vorgaben des Bundesdenkmalamtes. Nach Abschluss der Sanierung wurde die Maschine auf dem inzwischen sanierten Fundament wieder aufgestellt. Nach einem Jahr konnte eine Einhausung in angemessener Form – ein Glaskubus – realisiert werden. Der Arbeitsaufwand im Umfang von rund 3.500 Arbeitsstunden wurde vom erwähnten Team ehrenamtlich erbracht. Die Finanzierung der technischen Renovierung erfolgte durch die Firma Zumtobel, das Bundesdenkmalamt, die Stadt Dornbirn, Banken und viele Kleinspender.