Holzschindel am Cinematographen

Blick auf die Fassade.
Liebevoll restauriert seit 1995, beherbergt das ehemalige Siechenhaus des Stiftes Wilhering ein Kino und ein Cafe.

„Ich habe mich schon immer für alte Dinge interessiert und will nichts modernisieren.“ Der Eigentümer des Hauses Obere Donaulände 51 in Linz, Mag. Georg Kugler, betreibt dort den Cinematographen, das Kino für historische Filmvorführungen mit Filmen von 1895 – ca. 1950 und ein klassisches Wiener Kaffeehaus.

Die Sessel des Kinosaales stammen aus dem Gasthaus „Traube“ in St. Florian, in dem von 1912 bis in die 1930er Jahre Stummfilme vorgeführt wurden. Ausstattungsdetails wie Böden und Türen wurden sorgfältig instandgehalten. Sie bilden mit der Einrichtung bis hin zur mechanischen Schreibmaschine im Büro ein authentisches Ganzes. „Ich will keine entkernte Hülle, sondern das Vollständige, die geschlossenen Einheit erhalten“, so der Eigentümer. So scheint es, dass Haus und Eigentümer in seltener Eintracht aufeinander einwirken.

Zur geschichtlichen und kulturellen Bedeutung des Hauses: Die Errichtung des Gebäudes als Siechenhaus nach 1600 steht in engem Zusammenhang mit dem nächst gelegenen Stift Wilhering. In Linz sind nur mehr wenige barocke Siechenhäuser erhalten, weshalb diesem ein besonderer dokumentarischer Wert zukommt. Sozialer Stellenwert für die Bevölkerung kam dem Haus auch in seiner späteren Funktion als Baderhaus zu. Eine geschichtliche Bedeutung besitzt das Objekt als ehemalige Zahlmeisterei der Donauschifffahrt, die eine wesentliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Linz hatte. Außerdem ist das Gebäude besonders in seiner äußeren Erscheinung neben dem Salzamt eines des wenigen erhaltenen Beispiele der Barockzeit an der Oberen Donaulände. Das Gebäude wurde 2006 unter Denkmalschutz gestellt.

Baugeschichte: Der zweigeschoßige, breitgelagerte Steinbau mit einem früher blechgedeckten Schopfwalmdach und unregelmäßig aufgeteilten Fensterachsen ist donauseitig mit fünf Gaupen versehen und stammt in seiner Grundsubstanz zumindest aus dem 16./ 17. Jahrhundert. Die heutige Außenerscheinung des Gebäudes stammt aus 1771. Die detailreiche Fassadengestaltung mit genutetem Erdgeschoss, geschoßtrennenden Putzbändern, abwechselnd geschweiften und spitzgiebeligen Verdachungen des Obergeschosses sowie drei Rundbogennischen stammt aus der Zeit um 1770. Die spätbarocken Holzfiguren aus den Nischen der Fassade sind verschollen.

Das Erdgeschoß ist mit zahlreichen gewölbten Räumen aus unterschiedlichen Epochen ausgestattet. Die kreuzgratgewölbten, durchgehenden Flure aus dem 17. Jahrhundert sind erhalten. Aus der gleichen Zeit stammen die sechs ehemaligen Rauchküchen mit Tonnengewölben in allen Stockwerken. Ab 1828 wurde das Dachgeschoss für Wohnzwecke adaptiert und eingestürzte Gewölbe wiedererrichtet. Um 1900 wurden die sechs Rauchküchen durch das Einziehen von Kaminen modernisiert und weitere Adaptierungen in Rücksicht auf den Altbestand vorgenommen.

1991 bis 1995 fanden umfassende Restaurierungsarbeiten am Haus statt. Seither beherbergt es im EG ein Kino für historische Filmvorführungen (Cinematograph) sowie ein Kaffeehaus, Wohnungen liegen im Obergeschoß und im Dachgeschoß. Vor dem Haus schließt ein kleiner Vorgarten mit Eisengittereinzäunung um 1900 an. 2009 wurde das Dach mit Lärchenschindeln neu gedeckt.