Haydns Haus

Türschloss auf grün gestrichener Tür
Die anspruchsvolle Aufgabe, Museums-High Tech und Denkmalpflege zu vereinbaren, wurde am Haydn-Haus in Eisenstadt exemplarisch gelöst.

Im heurigen Joseph-Haydn-Jubiläumsjahr haben sich wichtige Museen des Landes in Eisenstadt für entsprechende Ausstellungen gerüstet. Obwohl Haydn bekanntermaßen Niederösterreicher war, gilt der Komponist aufgrund seines über 30jährigen Wirkens vor Ort in den Diensten des Fürsten Esterházy dennoch als der kulturelle Repräsentant des Burgenlandes. Das Diözesanmuseum, das Landesmuseum, das Schloss Esterházy sowie das Haydnhaus bilden daher heuer ein Quartett und ehren den großen Komponisten in jeweiligen Sonderausstellungen. Durch die strengeren Auflagen der Leihgeber für ihre Exponate sind im Vorfeld in allen vier Häusern viele technische Nachrüstungen wie bessere Klimatisierungen, Brandschutzmaßnahmen oder Überwachungsmöglichkeiten notwendig geworden, die z.T. durch EU-Förderungen finanziert werden konnten. Speziell für das sog. „Haydnhaus“ brachte diese technische Aufrüstung eine besondere Herausforderung für die Denkmalpflege mit sich, liegt doch der Schwerpunkt des Hauses im Sinne einer Gedenkstätte in der unmittelbaren Erlebbarkeit des originalen historischen Wohnambientes Haydns, der dichten Atmosphäre eines relativ kleinen barocken Bürgerhauses, das dennoch darüber hinaus auch als Museum mit wertvollen Exponaten zu funktionieren hat. Ab 1761 steht Haydn in den Diensten der Esterházy, zunächst für Paul Anton I., und bewohnt eine Dienstwohnung im fürstlichen Musikergebäude am Oberberg. Erst nachdem ihn Nikolaus I. („der Prachtliebende“) ab 1766 zum ersten Kapellmeister ernennt, kauft sich der Komponist am 2. Mai 1766 ein eigenes Haus in der Klostergasse und “ein Kuchlgärtl hinter dem Spital“ mit dem heute noch existierenden sog. „Gärtnerhäuschen“. Haydn bleibt in diesem Bürgerhaus - heute Joseph Haydn Gasse 21 - 12 Jahre lang und verkauft es 1778 an den fürstlichen Buchhalter Anton Liechtscheidl um die sehr geringe Summe von 2000 Gulden. Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit den großen Bränden von 1768 und 1776, die in dieser Zeit das Haus zweimal stark in Mitleidenschaft ziehen und für deren Sanierung Haydn große Summen auszugeben hat. Nach dem Tod des Fürsten Nikolaus I. wird Haydn von dessen Nachfolger 1790 pensioniert und verlässt daraufhin Eisenstadt. Als ein authentischer Ort der Erinnerung an Joseph Haydn wird das damals in Privatbesitz stehende zweigeschossige Bürgerhaus mit kleinem Hof bereits 1931 unter Denkmalschutz gestellt, 1935 folgt die Eröffnung einiger Räume als Haydnmuseum, nach dem Ankauf durch den Burgenländischen Heimat- und Naturschutzverein (1937) können in den nächsten Jahren wichtige Sammelstücke des Vereins mit Teilen der berühmten Sammlung Wolf zusammengeführt werden. Ab 1961 gelingt die Erweiterung der Schauräume im Obergeschoß, im Zuge dessen erfolgt die Freilegung einer reichen spätbarocken Stuckdecke und dadurch eine künstlerische Aufwertung der Räumlichkeiten. In den frühen 1970ern findet eine umfangreiche Restaurierungsphase statt, die unter anderem eine Eternit-Neueindeckung des ursprünglich mit Holzschindel gedeckten und daher statisch für eine Ziegeldeckung zu gering dimensionierten Daches beinhaltete, sowie die Freilegung der historischen Fenstergewände aus Stein, wobei sich durch die Auffindung einer spätgotischen Fensterlaibung in der Einfahrt ein höheres Alter des Hauses herausstellte, als bisher durch die Datierung des Kellereingangs mit 1747 angenommen. Die Internationale Joseph Haydn Privatstiftung kann schließlich nach dem Ankauf des Nachbarhauses („Frumwaldhaus“) im Jahre 1995 eine deutliche räumliche Vergrößerung mit direkter Verbindung zum Haydnhaus herstellen und das nunmehrige „Haydnzentrum“ mit Multimediaräumen, Fachbibliothek, Musikalienarchiv und Ausstellungsräumen etablieren. Heute gilt das „Haydnhaus“ inmitten des denkmalgeschützten Altstadtensembles von Eisenstadt als ein besonders charmantes und beliebtes museales Kleinod. Die aus Anlass des Jubiläumsjahres durchgeführte Gesamtrestaurierung des Haydn-Hauses hatte zwei Schwerpunkte: Zum einen war es zur Sicherung des Standortes als Museum mit Ausstellungsbetrieb unumgänglich, eine Klimatisierung und Adaptierung der Räume im Obergeschoß umzusetzen, um in Zukunft weiterhin wichtige Exponate zeigen zu können. Nach Hinzuziehen eines renommierten Klimatechnikers wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt ein System entwickelt, das möglichst geringe Eingriffe in die Bausubstanz und das so bedeutende historische Erscheinungsbild mit sich brachte. Das Prinzip beruhte vor allem auf Klimageräten, die in die Fensterparapete, an die Form und das Prinzip von Radiatoren angelehnt, eingearbeitet wurden. Die Absaugung konnte mittels relativ kleiner Öffnungen über den Dachbodenbereich geführt werden. Zum anderen bot sich im Zuge der Instandsetzungsarbeiten die Gelegenheit, über die herkömmlichen Ausbesserungs- und Erneuerungsmaßnahmen hinaus einige besonders wünschenswerte restauratorische Interventionen umsetzen zu können; so wurden etwa alle historisch relevanten Metallteile, u.a. barocke Zierbeschläge, fachgerecht restauratorisch behandelt und dadurch die Detailqualität optimiert. Als bemerkenswerter Höhepunkt dieser Gesamtrestaurierung ist jedoch die Wiederherstellung der Raumfassung von Haydns Schlafzimmer anzusehen: nachdem bereits 1994 eine Befundung der Wände durchgeführt wurde, war eine Fülle von historischen Raumfassungen ansatzweise bekannt; nun haben Nachbefundungen weitere Aufschlüsse mit sich gebracht und aufgrund der nun ausreichend vorhandenen Befundsituation wurde entschieden, die Raumfassung des Schlafzimmers – die Raumeinteilung zur Zeit Haydns ist überliefert – wiederherzustellen. Es handelt sich um eine freihändig gezogene Malerei in Form eines Streifenrapports in der Art einer gemalten Tapete, wie sie auch für andere Räume des Obergeschosses mit jeweils alternierenden Farbakkorden nachzuweisen ist. Unter dicken Paketen von jüngeren Wandfassungen, meist als durchaus anspruchsvolle Schablonenmalereien ausgeführt, konnte die nun wiederhergestellte Ausmalung mit großer Wahrscheinlichkeit – u.a. durch die Brandspuren – den Jahren zugeordnet werden, in denen Haydn tatsächlich das Haus bewohnte. Allerdings hat sich auch herausgestellt, dass die vorhandene Stuckschnittdecke in der bestehenden Form eindeutig nach der Wandausmalung entstanden sein muss und daher wohl nach Zerstörung der ursprünglichen Decke während des zweiten Brandes von 1778 zur Ausführung gelangte. So ergab sich durch das Jubiläumsjahr die Chance, über das herkömmliche Maß von finanziell meist eng bemessenen Rahmen hinausreichend denkmalpflegerische Schwerpunkte zu setzen und dem Haus für die Besucher eine optisch wirkungsvolle Facette der Wohnkultur Haydns und seiner Zeit hinzuzufügen.