Institut St. Josef in Feldkirch

Institut St. Josef am Ardetzenberg
Gegenüber der Schattenburg thront der mächtige Baukörper des Instituts St. Joseph über der Stadt Feldkirch. Bei der Restaurierung des Schulgebäudes gelang das Kunststück eine denkmalgerechte mit einer kostenoptimalen Lösung zu verbinden.

1910-11 errichteten die Kreuzschwestern aus Hall/Tirol am Ardetzenberg, einem Abhang am Rande der Altstadt, das Institut St. Josef. Dieser Neubau der ersten, 1902 gegründeten Mädchen Handelsschule in Vorarlberg wurde von Franz Herles, dem Feldkircher Stadtbaumeister, entworfen. Er wählte für den Bau eine neobarocke, für die öffentlichen Bauten der späten Monarchie typische Stilform. Die Ausführung der vorzüglichen Maurerarbeiten legte man in die Hände der Firma Hilti, jene der Zimmermannsarbeiten übergab man der Firma Seraphin Pümpel & Söhne.

Der mächtige, dreigeschossige Baukörper mit einem vierten, bereits ursprünglich ausgebauten Dachgeschoss wurde über einem U-förmigen Grundriss errichtet. Er ist mit einem nur leicht geknickten Mansarddach eingedeckt, ein Giebeltürmchen akzentuiert die Stellung des um zwei Fensterachsen nach links verschobenen Mittelrisalits der stadtzugewandten Schauseite des Gebäudes. Seinen geschwungenen Dreiecksgiebel ziert ein Fresko des Hl. Joseph mit Kind, ein Bildfeld am linken Seitenflügel zeigt die Hl. Maria Immaculata. Die beiden Fresken wurden von Florus Scheel (Lustenau, 1864 – Feldkirch, 1936), einem der bekanntesten Fassaden- und Dekorationsmaler der Jahrhundertwende in Vorarlberg ausgeführt. Die dekorativen Rahmungen zeigen eine interessante Mischung neobarocker und jugendstilhafter Gestaltungselemente, die oft sehr unvermittelt nebeneinander gesetzt werden. 1958-1965 und 1980-1982 wurde der Gebäudekomplex zunächst von Werner Pfeiffer und später von Markus Ruhm um mehrere flach gedeckte Baukörper eines Internats und einer Turnhalle erweitert.

Nach der Jahrtausendwende entschied man sich für eine Restaurierung des Schulgebäudes. In einem ersten Bauabschnitt widmete sich die Bauherrschaft den Innenräumen, wobei auf die Notwendigkeiten und Sicherheitsvorschriften eines zeitgemäßen Schulbetriebs Rücksicht genommen werden musste. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden der Stadt Feldkirch konnte erreicht werden, dass sich die Eingriffe in die hervorragend erhaltene, denkmalgeschützte Substanz des Gebäudes auf ein Minimum reduzieren ließen. Alle Holzkastenfenster des Gebäudes wurden denkmalgerecht restauriert, die ursprünglichen Leuchten in den Gängen erhalten, die in einer Untersuchung festgestellte Farbfassung mit einem kräftigen Rot im Sockelbereich der Gänge, einer grau differenzierten Kassettendecke, sowie schilfgrün gestrichenen Türen mit grauen Rahmungen wurde beibehalten. Zwei der verglasten Schwingtüren in den Gangbereichen wurden als Brandschutztüren nach dem Vorbild der erhaltenen Schwingtüren nachgebaut. Im Sommer 2008 nahm man schließlich die Fassaden des Gebäudes in Angriff, das sich seit wenigen Wochen wieder mit seinem ursprünglichen Farbkontrast als majestätischer Orientierungspunkt über der Stadt erhebt. Aufgrund einer Untersuchung des Verputzes der Außenfassaden konnte die Verwendung von Kalkmörtel mit einem geringen Romanzementanteil festgestellt werden. Die Farbgebung des Verputzes war natursichtig, während man die stuckierten Faschen und architektonischen Gliederungselemente mit einer gelben Kalkfärbelung akzentuierte. Besonders qualitätvoll ist das Spiel mit unterschiedlichen Verputzoberflächen, deren fein abgestufte Gliederung den wuchtigen Baukörper auflockert. Folgende Verputztechniken lassen sich feststellen: die Flächen der Schauseite dominieren zwei unterschiedlich feine Ratschenputze, die Eckquaderung wird durch einen gekämmten Kratzputz hervorgehoben. Für den Sockelbereich verwendete man einen sehr grobkörnigen Kellenwurfputz, der mit einer kleinen Rundkelle angeworfen wurde. Die deutlich einfacher gegliederte Rückseite des Gebäudes prägt ein feinkörniger Ratschenputz. Die zunächst von der Bauherrenschaft erwogene komplette Neufärbelung der Fassade wurde vom Bundesdenkmalamt aus denkmalpflegerischen Gründen – die Fassade hat sich natursichtig erhalten und wurde bislang noch niemals gestrichen – abgelehnt. Nicht zuletzt das Kostenargument entschied das Problem klar im Sinne des Bundesdenkmalamts. So wäre eine komplette Neufärbelung um ein vielfaches teurer gekommen, als die von einem Restaurator vorbereitete und fachlich begleitete konservierende Restaurierung der Außenfassaden. Die natursichtigen Verputzoberflächen wurden sorgfältig gereinigt und allenfalls in den Bereichen, wo eine Ausbesserung des Verputzes unumgänglich schien, durch eine farblich abgestimmte Lasur den erhaltenen Oberflächen angepasst. Der bereits erheblich beeinträchtigte Verputz im Sockelbereich des rückwärtigen Teils des Gebäudes wurde vom Restaurator Franz Niederhauser auf der Baustelle mit lokalen Sanden nachgestellt. Aufgebracht wurde er entsprechend der für diesen Fassadenbereich festgestellten traditionellen Ratschentechnik. Eine konservatorische Herausforderung war der Umgang mit den beiden freskal gebundenen Malereien von Florus Scheel an der Schauseite des Gebäudes. Die zum Teil bereits erheblich abgewitterten Darstellungen des Hl. Joseph mit Kind und zwei begleitenden Engeln sowie der Hl. Maria Immaculata sollten im Verhältnis zum starken Farbkontrast der Fassadenflächen nicht allzu sehr abfallen und im wieder erstrahlten Glanz des Baukörpers untergehen. Man entschied sich nach einer vorsichtigen Festigung des Verputzes für eine Retusche der gröbsten Fehlstellen und die Erneuerung der vergoldeten Heiligenscheine, um das sorgfältig austarierte farbliche Gleichgewicht der Schauansicht des Gebäudes für die Stadt Feldkirch zu erhalten.