Wallfahrtskirche Maria Schnee

Kärnten
Malerei mit Darstellung der Verkündigung: Maria erhält die Botschaft, dass sie Gottes Sohn auf die Welt bringen wird.
Matzelsdorf, Gem. Millstatt, Polit. Bezirk Spittal an der Drau

Bis vor kurzem galt die auf einer Hangterrasse oberhalb des Millstätter Sees gelegene Filial- und Wallfahrtskirche als ein Neubau des Johann Geumann.

Der Auftraggeber des spätgotischen Kirchenbaues fungierte zwischen 1508 und 1533 als Hochmeister des St. Georg-Ritterordens zu Millstatt und hinterließ sein Wappen in einem Schlussstein des Chorgewölbes . Der Auftragnehmer könnte jener durch sein Steinmetzzeichen identifizierbare „maister daniel“ sein, der zwischen 1515 und 1520 mit der Einwölbung der Stiftskirche in Millstatt betraut war.

Mehrere urkundliche Nennungen zwischen 1177 und 1438 sowie sichtbare Baunähte eines schmäleren und niedrigeren Kirchenschiffs an der Westfassade wiesen jedoch schon bisher auf die Existenz eines älteren Baues hin. Durch die in den Jahren 2004/05 durchgeführte Innenrestaurierung werden die bisherigen Spekulationen durch baugeschichtlich fundierte Erkenntnisse belegt: Im Kircheninneren wurden im Zuge einer Bodenuntersuchung die Südmauer eines schmäleren Langhauses und ein kleinerer gotischer Chor mit 3/8-Schluss freigelegt. Sie zeigen, dass der „Neubau“ des frühen 16. Jahrhunderts unter Wiederverwendung der in der ersten Bauphase errichteten Nordmauern und des in der zweiten Bauphase nördlich angebauten Turmes des Vorgängerbaues erfolgte.

Der neue Chor erhielt ein zartes Netzrippengewölbe mit figürlich bemalten Schlusssteinen. Das Langhaus wurde bei einer eingreifenden Barockisierung durch 1715-1718 geschaffene Wand- und Deckenmalereien des in Oberkärnten u. a. in Schloss Porcia in Spittal/Drau, am Danielsberg und in Baldersdorf beschäftigten Barockkünstlers Balthasar Klenkh erheblich verändert. Vermutlich 1888 erhielt das Kircheninnere eine historistische Architekturpolychromie, wobei auch die frühbarocke Ausstattung neu gefasst wurde. Anlässlich einer Innenrestaurierung der Jahre 1964-66 wurde im Altarraum die Architekturpolychromie des 16. Jahrhunderts rekonstruiert. Bei der nun erfolgten Restaurierung konnte die freskale Ausstattung des 18. Jahrhunderts durch die Freilegung von sechs Apostelfiguren im Langhaus - von insgesamt zwölf im gesamten Kircheninneren - nahezu komplettiert werden. Bei der mehrfach übermalten, aus drei Altären und einer Kanzel bestehenden frühbarocken Ausstattung wurde als Restaurierziel die Freilegung bzw. Rekonstruktion der barocken Originalfassungen festgelegt.

Am spätgotischen Relief des Altaraufsatzes waren die vergoldeten Originalfassungen zum überwiegenden Teil noch vorhanden. Nach Wiederanbringung der in einem Stall aufgefundenen Opfergangsportale des Altars, die derzeit restauriert und nach alten Aufnahmen in ihren fehlenden Seitenteilen ergänzt werden, wird der Gesamteindruck des Kircheninneren wieder großteils von der malerischen Ausstattung und Einrichtung der Barockzeit dominiert werden. Auf Wunsch der Pfarrgemeinde blieb die 1965 rekonstruierte spätgotische Architekturpolychromie des Chores und Triumphbogens erhalten, stellt jedoch in ihrer Neuwertigkeit und grellen Farbigkeit einen Widerspruch zur restaurierten barocken Ausstattung und den Fresken des 18. Jahrhunderts dar.