Klagenfurt, Hauptbahnhof

Kärnten
Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Bahnhofsgebäude prunkvoller gestaltet als heute.
Die Restaurierung der Bahnhoffresken als Beispiel für den Wandel im Umgang mit dem Erbe des Wiederaufbaus

Wie nahezu der gesamten Architektur aus der Zeit des Wiederaufbaus in Kärnten blieb dem 1947 bis 1950 errichteten Hauptbahnhof eine öffentliche Akzeptanz bis heute versagt. Als Ersatz des um 1900 errichteten, zerbombten „Südbahnhofes“ von den ÖBB geplant, stand der Bau noch stark in der Tradition der von Monumentalität und Heimatstil - Reminiszenzen geprägten Architektur der 1930er und 1940er Jahre.

1949 hatte der damals erst 21-jährige Giselbert Hoke einen Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung des Hauptbahnhofes gegen Mitbewerber wie Karl Bauer, Anton Mahringer oder Hans Staudacher für sich entschieden. Die zwischen 1949 und 1956 auf einer Gesamtfläche von fast 300 m2 geschaffenen Bildflächen, eine ostseitige „Wand der Kläger“ und eine westseitige „Wand der Angeklagten“, hatten in ihrer am Werk Picassos geschulten Formensprache in der weitgehend vom Kunstgeschmack der NS-Zeit dominierten Nachkriegszeit in Kärnten einen beispiellosen Skandal entfacht. Die vom Künstler erreichte überwältigende Bildwirkung war wegen der unter dicken Schichten von Ruß, Zigarettenrauch und Staub matt und stumpf gewordenen Farbigkeit schon lange nicht mehr gegeben. Die Komposition ließ sich wegen der schlechten Saalbeleuchtung nur erahnen, der ursprünglich vermittelte Eindruck von Monumentalität der mit malerischen Mitteln kaum zu gestaltenden Wandflächen war durch Geschäftseinbauten und Werbeträger von Anfang an beeinträchtigt. 
Als die ÖBB im Jahr 2000 den Umbau des Bahnhofes durch den Grazer Architekten Klaus Kada projektierten, war die Erhaltung der Wandmalereien zentrales Thema. Die Sicherung und Restaurierung, die von den Restauratoren Karma Eder-Hoke, der Tochter des Künstlers, und ihrem Mann Leonhard Eder durchgeführt wird, beinhaltet zwei Etappen: Nach der Vorreinigung der stark verschmutzten Oberflächen, nach Hinterfüllung loser Malschichten und des Putzes und anschließender Festigung wurden mehrere Lagen Gaze und Jute zum Schutz gegen mechanische Beeinträchtigungen und Erschütterungen aufgeklebt. Nach Abschluss des Hallenumbaues wurden die Schutzgewebe entfernt.

Noch im Vorjahr konnte mit der mühevollen Detailarbeit der Reinigung begonnen werden. Im Anschluss daran sind noch geringfügige Retuschen mit Aquarellfarben vorgesehen. Nach Abschluss der Restaurierung werden die Fresken wieder ihre ursprüngliche intensive Farbigkeit aufweisen und präsentieren sich dann wieder als bedeutendes Beispiel der österreichischen Monumentalmalerei nach 1945.