Erste Etappe der Fassadenrestaurierung von Schloss Damtschach, Gem. Wernberg in Kärnten

Kärnten
Alte Ansicht. Bei der jetzigen Farbgebung hat man sich an diesem Bild orientiert.
Erstmals seit etwa 180 Jahren ist an der Nordfassade der 1787-2003 als Pfarrkirche genutzten Schlosskapelle wieder der Dekor aus der Zeit der frühbarocken Umgestaltung des Schlosses zu sehen!

Urkundlich 1511 als neuer Herrschaftssitz der Familie Khevenhüller errichtet, wurde Schloss Damtschach ab 1684 zu einer barocken Schlossanlage erweitert. Im späten 18. und 19. Jahrhundert wuchs die Anlage im Nordosten durch Wirtschaftsbauten sowie ein weiter nördlich gelegenes Pflegerhaus. Ab 1824 ließ Felix Wolfgang Reichsfreiherr Jöchlinger von Jochenstein südlich des Schlosses einen Landschaftspark in „englischem Stil“ mit zeittypischen Staffagebauten und einer gotisierenden künstlichen Ruine anlegen. Seit 1847 befindet sich die Anlage im Besitz der Familie Orsini-Rosenberg.

Seit 2004 ist der Schlosspark als seltenes Beispiel einer romantisch-sentimentalen, spätaufklärerischen Anlage in Kärnten als bisher einzige private Gartenanlage Österreichs unter Denkmalschutz. Ein gartendenkmalpflegerisches Leitkonzept wurde in Zusammenarbeit mit der Abteilung für historische Gärten des Bundesdenkmalamtes bereits im Jahr 1993 durch Werner Sellinger mit dem Ziel erstellt, die durch Aufforstungen verunklärten Gestaltungselemente des Parkes, wie sie noch auf dem Franziszäischen Katasterplan von 1825 ausgewiesen sind, wieder sichtbar zu machen. In einer ersten Sanierungsphase wurde der jüngere Gehölzbestand im Bereich historischer Wegführungen und eines gefassten Baches gerodet. Durch Schlägerungen sind damit historische Ausblicke auf charakteristische Parkpartien und Staffagebauten zum Teil bereits wieder erlebbar. An der Nordseite des Schlosses und an der Westseite des Meierhofes wurde eine Säulenpappelreihe gepflanzt, wie sie auf einer Vedute des Jahres 1830 dargestellt ist.

Nachdem Damtschach im Jahr 2003 eine neue Pfarrkirche erhalten hatte, wurde die 1695 erbaute Schlosskapelle aus der Obhut der Pfarre entlassen, nach der Rückgabe an die Eigentümerfamilie 2004 im Inneren restauriert und dabei die barocke Raumfassung in gebrochenem Weiß rekonstruiert.

Auch bei der diesjährig begonnenen Gesamtaußenrestaurierung des Schlosses ging man wegen der Einheitlichkeit der Gesamtanlage von einer Beibehaltung der ocker Farbgebung der Biedermeierzeit aus, die im frühen 20. Jahrhundert beibehalten und etwas modifiziert wurde. Da jedoch an der südlichen Hoffassade ein bemerkenswerter frühbarocker Pilaster-Kratzputzdekor mit hellgrauen Binnenflächen und linierten Basen und Kapitellen zum Vorschein kam, äußerte die – mit dem Architekten Felix Orsini-Rosenberg als Letzteigentümer und dem Restaurator und Künstler Markus Orsini-Rosenberg als derzeitigen Eigentümer - denkmalpflegerisch sehr versierte Besitzerfamilie den Wunsch, vom frühbarocken Dekor eine größere Fassadenfläche freizulegen und zu rekonstruieren. Das Ergebnis dieser Freilegung liegt nunmehr vor, wobei eine endgültige Beurteilung des – letztlich reversiblen - Nebeneinanders der Fassungen des 17. und 19./ 20. Jahrhunderts erst nach der gerade begonnenen Färbelung der Turmfassaden möglich sein wird!