Architekt Anton Brenner und der Wiener Gemeindebau

Wien
Gegenüberstellung Frankfurter Küche (Abbildung links: reduzierte Küchenzeile mit verfliester Rückwand) und Küchenausstattung Brenner-Wohnung (mittige und rechte Abbildung: schmaler langgestreckter Raum mit funktionaler Küchenausstattung)
Die besondere Bedeutung des 1924 nach Plänen von Anton Brenner errichteten Gemeindebaus im 15. Wiener Gemeindebezirk besteht nicht nur in der bemerkenswerten architektonischen Qualität des Bauwerks, sondern darüber hinaus in der Tatsache, dass Anton Brenner im Rahmen eines Pilot-Projektes von der Gemeinde Wien auch mit dem Entwurf der Ausstattung der kleinen Arbeiterwohnungen durch (bereits integrierte) Einbaumöbel beauftragt wurde.

Es war kaum zu erwarten, dass sich über Generationen hinweg noch nennenswerte Teile dieser wandfesten Möblage, mit der einst alle 33 Wohnungen ausgestattet waren, erhalten haben. Umso größer war die Überraschung, als das BDA in Erfahrung bringen konnte, dass in einer Wohnung - bezeichnenderweise jener, in der Architekt Brenner mit seiner Familie gelebt hatte - die Ausstattung noch weitest gehend komplett erhalten geblieben war. Allerdings stand die Übergabe der Wohnung unmittelbar bevor und es war abzusehen, dass mit einer Neuvermietung wohl auch diese letzte erhaltene Einrichtung verloren gehen würde. So regte das BDA bei den zuständigen Magistratsbehörden eine künftige museale Nutzung an. Nach einer umfassenden Sanierung und Restaurierung der Wohnung und ihrer Ausstattung wird diese nun bald als Gemeindebaumuseum von einem privaten Verein geführt und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Besonders bemerkenswert ist die noch vollständig erhaltene Einbauküche, die auf kleinstem Raum sämtliche Arbeitsabläufe in geringster Zeit ermöglicht. Mit ihr hat sich ein Vorläufer jener berühmten "Frankfurter Küche" erhalten, mit der die große Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) drei Jahre später, 1927, Weltruhm erlangte.

Die "Frankfurter Küche" - ein Prototyp für 10.000 neue Siedlungswohnungen in Frankfurt zeichnet sich durch einen bis ins Detail durchdachten Funktionalismus aus. Das Konzept ist eine kleine abgeschlossene Arbeitsküche, die vollkommen mit eingebauten Möbeln ausgestattet ist und nach den Erkenntnissen der Griff- und Schrittersparnis entwickelt wurde. Sie steht durch eine Schiebetür mit dem Wohnraum in Verbindung, um geringste Wege auch zum Essplatz zu gewährleisten und die spielenden Kinder im Wohnraum während des Kochens beaufsichtigen zu können. Einbau und Finanzierung erfolgten mit der Errichtung der Wohnbauten. Die Kosten wurden auf die Miete umgelegt.

Auch die Trennung von Wohn- und Schlafraum durch ein wahlweise von einer Seite benutzbares Kastenelement ist aus ästhetischer, wie funktionaler Sicht einzigartig und wirkte bahnbrechend. Als praktisch erwiesen sich schließlich auch in Nischen versenkbare Klappbetten. Im Zuge der Restaurierung wurden Fußböden, Schränke, Schrankwand und Einbauküche konserviert, ein fehlender Gasherd und Blechofen durch entsprechende Geräte aus der Zeit ersetzt. Ebenso ist die originale Ausmalung analysiert und nach Befund wiederherstellt worden. Schließlich wurden noch die beweglichen Teile der Einrichtung im Stil der 20er Jahre ergänzt. Es ist zu erwarten, dass dieses kleine, weltweit aber einzigartige Museum einer breiten, auch internationalen Öffentlichkeit bekannt werden wird.