Das Ruster Tor in Purbach

Schießscharte in Festungstor
Das historische Zentrum der Weltkulturerbegemeinde Purbach am Westufer des Neusiedlersees ist von einem frühbarocken Befestigungsring umgeben, der in seinem beachtlichen noch erhaltenen Umfang zu den bedeutendsten derartigen Anlagen im Burgenland zu zählen ist und auf die historische Bedeutung des Weinbauorts entlang der alten Bernsteinstraße verweist.

Nach wiederholten Brandschatzungen und Zerstörungen durch Türkeneinfälle, vor allem aber aufgrund des unmittelbaren Eindrucks der Verwüstungen und Plünderungen während des Bocskay- (1604/5) und Bethlenaufstandes (1619/21) als martialische Reaktion auf die gegenreformatorische Politik der Habsburger erhielt der damalige Markt während der Grundherrschaft von Nikolaus Esterházy das Recht, sich mit einer massiven Wehrmauer zu schützen. Der berühmte „Purbacher Türke“, die an eine Legende aus dem 16. Jahrhundert erinnernde Steinbüste auf dem Schornstein des Hauses Schulgasse 9 im historischen Zentrum illustriert die von den kriegerischen Einfällen bestimmte Geschichte des Ortes. Von 1630-34 erfolgte daher die Errichtung der massiven Befestigungsanlage, einem vierseitigen Mauerring mit gerundeten Ecken, Bastionen und drei Torbauten. Die gesamte aus Bruchsteinen gemauerte Befestigung wurde mit einer entsprechenden Anzahl von Schießscharten ausgestattet.

Am Ende einer an die südwestliche Einfriedungsmauer innenseitig angebauten durchgehenden Scheuenreihe liegt im Süden des Ortes eines der drei zweigeschossigen Tore, das sogenannte „Ruster Tor“ (früher auch „Türkentor“); es befindet sich in Privatbesitz und wird im Obergeschoss für Wohnzwecke genutzt. Leider kam es bereits vor Jahrzehnten an dieser Stelle aus verkehrstechnischen Überlegungen zum Abbruch des anschließenden Mauerzugs, sodass das Tor als nunmehr nahezu freistehender Baukörper seiner wehrhaft geschlossenen Wirkung als Teil einer Befestigung weitgehend beraubt wurde.

Nach einer Sanierungsetappe vor wenigen Jahren, als das Satteldach statt der zuletzt bestehenden Strangfalzziegeln adäquate Wiener Taschen erhielt und die rezenten Fenster gegen entsprechendere Kastenfenster ausgetauscht werden konnten, folgte im Jahr 2007 die Umsetzung der Fassadensanierung. Den unmittelbaren Anlass bot die von der Gemeinde geplante Straßenneugestaltung der Bodenzeile , wo unter Mitarbeit eines Planungsbüros eine deutliche Verbesserung des umliegenden Bereiches durch Absenkung des Niveaus und der Verlegung einer Granit-Kleinsteinpflasterung gelang. Im Bewußtsein der Bedeutung des Objekts als ein Wahrzeichen des bekannten Wein- und Tourismusortes war eine gemeinsame Finanzierung und Vorgangsweise von Gemeinde, Land, Bund und Eigentümerin möglich. So sind auch wesentliche denkmalpflegerische Aspekte eingeflossen, die dem Torbau ein authentischeres Erscheinungsbild verleihen konnten. Um dieses Restaurierziel erreichen zu können, war es unumgänglich, den aus der Nachkriegszeit stammenden Zementrieselputz gegen einen Kalkputz in entsprechender historischer Ausführungstechnik auszuwechseln. Durch restauratorische Betreuung und einen geschulten Maurer war es möglich, ein überzeugendes Ergebnis in der für solche Objekte maßgeblichen Putztextur zu erreichen. Während der Arbeiten kam neben den bereits sichtbaren Schießscharten eine weitere unter dem rezenten Putz wieder zum Vorschein, was nun den fortifikatorischen Charakter des Bauwerks stärker unterstreicht. Als weiterer Schwerpunkt stand die Restaurierung der Steinrahmen mit dem 1634 bezeichneten Schlussstein und den noch erhaltenen Zugvorrichtungen für das ehemalige Holztor an. Der Baukörper erhielt schließlich einen Kalkanstrich in einem hellen sandigen Weißton und entspricht nun in seiner Oberfläche wieder dem historischen Erscheinungsbild eines Wehrbaus des 17. Jahrhunderts. Damit konnte ein wertvoller Beitrag für das zum Teil noch durch Altbauten geprägte Ortsbild von Purbach geleistet werden.