Stadtpalais Wallnerstraße 6 wird zum Amtssitz für die OSCE

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Das Palais Palffy wird ab November 2007 neuer und würdiger Sitz der OSCE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Demgemäß wurden in den Jahren 2004 bis 2007 umfangreiche Konservierungen, Restaurierungen und Instandsetzungsarbeiten unter der Fachaufsicht des Bundesdenkmalamtes vorgenommen.

Das Palais Palffy (Wien 1, Wallnerstraße 6) wurde in den Jahren1809 bis 1813 nach Plänen von Charles Moreau unter Einbeziehung älterer Bausubstanz errichtet. Mit seiner zwar relativ schlichten, aber noblen und wohl proportionierten Fassadengestaltung – genutetes Erdgeschoß mit reliefierten Lunetten und einfachen Fensterrahmen in den Obergeschossen – zählt der Bau zu einem der bedeutendsten klassizistischen Stadtpalästen in Wien. Der hohe Rang als repräsentatives Adelspalais spiegelt sich auch in dem mit zahlreichen lebensgroßen Marmorfiguren ausgestatteten Prunkstiegenhaus sowie in den im klassizistischen Stil gehaltenen Räumen der Belle Etage mit seinen stuckierten Decken, seidenen Tapeten, Marmorkaminen und – vor allem – in den intarsierten Holzböden von exquisiter Qualität wieder. Am Boden und trotzdem in der Luft? „Den Himmel auf Erden finden, bedeutet, den Boden unter den Füßen verlieren.“ Dieses Zitat würde auch bestens auf einige der Intarsienböden im Palais Palffy passen, denn hier, im prachtvollen Bau, scheint man tatsächlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Gerahmt von einem Mäanderband tritt man auf ein in unzählige Rauten aufgelöstes Flächenmuster. Die Farbnuancen von sieben Furnierholzarten (Eiche, Esche, Kirsch- und Nussbaum, Palisander, Mahagoni und Ahorn) scheinen die einzelnen geometrischen Formen in Licht und Schatten zu tauchen und entfalten so eine Tiefenillusion, dass die sorglose Begehbarkeit des Bodens in Frage gestellt zu sein scheint. Man hat Angst, im wahrsten Sinn des Wortes, „durch den Rost zu fallen“. Die nach aktuellen Richtlinien der Denkmalpflege vorgenommene Restaurierung und Konservierung der Holzböden durch das Atelier für Restaurierung Meiler Puppich Leonhardt aus Regensburg begann im Jahr 2005. Bei allen strengen Vorgaben durch das Bundesdenkmalamt mussten aber auch Erfordernisse einer zeitgemäßen Haus- und Bürotechnik mit berücksichtigt werden. Hunderte Laufmeter Elektrokabeln und Zuleitungen mussten ohne Verluste hochwertiger historischer Substanz im Blindboden verlegt werden. Die eigentliche Restaurierung konzentrierte sich auf das Niederleimen loser Furnierpartien sowie auf die Ergänzung fehlender Furniere. Unter Verwendung von Warmleim, Zwingen und Keilen konnten 450 m² Bodenfläche innerhalb von sieben Monaten bearbeitet werden. Des Weiteren wurden Späne in entstandene Fugen eingefügt. Um das Erscheinungsbild der zahlreichen Ergänzungen und Späne nicht zu stören, wurden sie in der entsprechenden Holzart und in vorgegebener Faserrichtung vorbereitet, eingeleimt und eingeebnet. Mit der Retusche wurden dann letzte Farbangleichungen vorgenommen. Wie bei einem Gemälde wurden kleinste und größere Ergänzungen mit Retuschemitteln auf Wasserbasis eingefärbt. Hinsichtlich der Frage nach einer künftigen Oberflächenveredelung wurden zunächst die historischen Überzüge chemisch-naturwissenschaftlich analysiert. Diese Untersuchung ergab die Verwendung eines natürlichen Wachses. Aufgrund der besonders starken Verschmutzung musste dieses Wachs aber mit geeigneten Lösemitteln abgenommen werden – eine Maßnahme, die bereits die Kontraste der einzelnen Holzarten stärker hervortreten und die unterschiedlichen Holzfarbtöne leuchten ließ. Der matte Glanz des neu aufgetragenen Öl-Wachsüberzuges lässt die Tafelparkett- und Intarsienböden in altem – neuen Glanz wieder erstehen und verstärkt den Eindruck, auf dem filigranen Gerüst einer spektakulär beleuchteten Holzkonstruktion balancieren zu müssen. Eine besondere Herausforderung war auch die Reinigung und textile Stabilisierung der einzigartigen, in den Jahren 1782 bis 1788 in Lyon gefertigten Seidentapeten. Zusammen mit der aufwändigen Stuck- und Bodenrestaurierung konnte so eine Flucht komplett aus der Bauzeit stammender Prunkräume wieder hergestellt werden. Mit der getreu nach dem naturwissenschaftlichen Befund erfolgten Fassadensanierung konnten die umfangreichen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen werden. Damit wird das Palais Palffy künftig einen würdigen Rahmen für die OSCE abgeben und den Rang Wiens als Sitz internationaler Organisationen unterstreichen.