Restaurierung der Filialkirche Hl. Nikolaus in Bludesch-Zitz

Steinerner Kirchturm mit Spitzhelm-Dach
Die Nikolauskirche in Bludesch-Zitz gehört zu den ältesten und wertvollsten Kirchenbauwerken in ganz Vorarlberg, ist jedoch der Allgemeinheit wenig bekannt.

Die Bezeichnung Zitz geht auf die erste überlieferte Nennung im Churrätischen Urbar von 843 als „cise villa“ zurück. Tatsächlich befand sich in diesem Ortsteil ein so genannter „Königshof“, zu dem vermutlich die Nikolauskirche gehörte. Die archäologische Grabung von 1966 bestätigt einen Vorgängerbau des 9./10. Jahrhunderts mit gleichen Maßen wie die heutige Kirche, mit Chorschranken und Rundapsis; der Turm wurde im 13. Jahrhundert angefügt. Erst 1630 errichtet man den großzügigen Rechteckchor, die Familien P. Nicolaus Deuring und von der Halden Haldenegg stifteten die Altäre sowie die Kreuzigungsgruppe am Triumphbogen. Im 19. Jahrhundert geriet die Kirche in Vergessenheit und verfiel zusehends.

1948 entdeckt man an den Innenwänden Malereien des 1. Drittels des 14. Jahrhundert, die dann von den Malern Hubert Berchtold und Andreas Amann freigelegt und von der Restauratorin Leopoldine Kerciku konserviert wurden. Der ursprünglich mit Kieselsteinen ausgelegte Boden wird durch Ziegel ersetzt, die Kanzel entsorgt und eine nicht wirksame Trockenlegung mit Bitumeninjektionen und Zementkittungen versucht. 1988 wird der Turm mit einer Zementschlämme überzogen, wodurch bald wieder Schäden auftreten.

Durch gravierende Feuchteschäden an den Malereien war wiederum eine Trockenlegung notwendig, die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen unter Leitung des Baudirektors Architekt DI Herbert Berchtold 2002 erfolgte. Eine Weiterführung der Restaurierungen war unabdinglich. Die historischen Außenputze wurden 2002/03 von einem Restauratorenteam unter Mag. Claudia Podgorschek konsolidiert, der Turmhelm von einer Spezialfirma aus Südtirol unter Albrecht Ebensperger saniert und wiederum auf Steinsichtigkeit rückgeführt. Bei sämtlichen Arbeiten verwendete man Kalkmörtel und Kalkschlämme in der traditionellen Verarbeitung.

2004/05 konnte dann die Konservierung der Wandmalereien durch den Restaurator Claudio Bizzarri durchgeführt werden. Durch sorgfältige Reinigung, Entsalzung, Nachfreilegung, Fixierung, Putzhinterfüllung, Kittung der Fehlstellen und zurückhaltende Retusche sind die Malereien lesbarer und das ikonographische Konzept besser erkennbar geworden. Eine Sensation war die Entdeckung der bisher verborgenen Sockelmalereien an der Nordseite, nämlich Engel die eine Vorhangdraperie halten. Eine außergewöhnliche Ikonographie. Das vorherrschende Programm des Weltgerichtes dürfte wie Ilse Krumpöck in ihrer Dissertation erwähnte, mit der an den Ort gebundenen Gerichtsbarkeit zu begründen sein. Die Darstellungen zeigen die in den Weltgerichtsspielen des Mittelalters verankerte Rolle des Menschen „dass dieser seine Rolle möglichst gut spielen soll, um nicht das diesseitige Glück, sondern das jenseitige, das ewige Heil zu erreichen, so dass es gleichgültig ist, ob der Einzelne die Rolle des Bauern, des Bettlers, des Reichen, des Königs zu spielen hat. Im Gegenteil, dem Armen ist das Heil gewisser als dem Reichen, der so vielen Versuchungen ausgesetzt ist.“ Das Programm beginnt an der Nordwand mit der Erschaffung Evas aus der Rippe Adams, es folgen der Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies, Verkündigung an Maria, die Flucht nach Ägypten. Im unteren Register nur mehr fragmentarisch, der Einzug Jesu in Jerusalem, die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, das letzte Abendmahl, die Ölbergszene, die Verspottung Jesu. Darunter die Vorhangmalerei mit späterer Datierung 1469, eingeritzte Königsdarstellung mit Stifterfigur. An der Südwand im oberen Register befinden sich nur Fragmente, die auf die Legende Johannes d. Täufers oder eher König Salomons hindeuten (Königsfigur, Tisch, Sarkophag). Besonders qualitätvoll die Darstellung der Teufel, die eine Kuhhaut halten, auf der die Sünden der tratschenden Frauen eingetragen werden. Die Szenen darunter sind der Passion gewidmet (Dornenkrönung, Kreuztragung, Kreuzannagelung, Kreuzabnahme, Grablegung). Die Westseite wird von der Weltgerichtsdarstellung beherrscht, in der Mitte Christus als Weltenrichter mit zwei Schwertern, rechts Johannes, links Maria darüber zwei Engel mit den Posaunen. Links davon „schweben“ die Seligen, darunter ein Papst, ein König, ein Bischof, Mönche, Bürger unter Führung von Petrus auf das Himmeltor zu. Das Pendant zu den Seligen bilden die Verdammten an der gegenüberliegenden Seite, die ihr Ende im Rachen eines Teufels finden. Im oberen Register sind sechs der sieben personifizierten Hauptlaster dargestellt, die durch einen Strick aneinander gebunden sind. Den Anfang aller Laster bildet die Superbia, der Stolz als König mit Szepter, es folgen die Luxuria oder Unkeuschheit um deren Hals Schlangen hängen, die Avaritia, der Geiz, ein Mann mit Geldbeutel und Hemd, dann die Habsucht mit einem Schwein, dann Gula, die Trunksucht mit dem Becher und ein nackter Mann, der als Torheit, Stultitia gedeutet werden kann. Das darunter liegende Register beginnt mit einer Frau, die einen Spinnrocken hält, Acedia, die Trägheit und somit das siebente Laster. Weitere Verdammte folgen, darunter ein König, ein Bischof, Mönche und Bürger. Stellvertretend für die sonst übliche Auferweckung der Toten ist unter dem Zug der Seligen die Auferstehung Christi und die „noli me tangere“ Szene dargestellt.

2006 konnte die Raumschale, der Fußboden, die Türen sowie die Mensen fertig gestellt werden. Die sehr aufwendige Restaurierung der Altarbilder erfolgt derzeit in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien. Die Bilder werden Ende 2007 in die mit Nussholz furnierten, von der Restauratorin Dina Dahlhaus restaurierten Altäre, wieder eingefügt werden. Nach Beendigung sämtlicher Maßnahmen sollte jedoch der Zustand der Ausstattung und Malereien im Auge behalten und eine eventuelle Nachsorge vorgesehen werden.