Der Salzburger Residenzplatz

Männliche Steinskulptur, die eine Brunnenschale trägt
Der Salzburger Residenzplatz zählt aufgrund seiner Größe und städtebaulichen Konzeption, aber auch durch die in den Jahren 1656-61 errichtete Brunnenanlage zu den bedeutendsten barocken Platzanlagen nördlich der Alpen und ist für das Erscheinungsbild der Weltkulturerbestadt Salzburg prägend. Nunmehr soll der Platz eine neue Oberflächengestaltung erhalten, die der barocken Platzkonzeption entspricht und dem Platz wieder seine ursprüngliche Pracht verleiht.

Die gesamte Platzanlage einschließlich der heute unter Splittsand liegenden historischen Oberflächengestaltung, der knapp darunter liegenden archäologischen Schichten sowie des in seiner Mitte situierten Residenzbrunnens steht auf Grund der herausragenden baukünstlerischen Gestaltung und Entstehungsgeschichte unter Denkmalschutz.

Aus einem von der Stadt Salzburg ausgeschriebenen Wettbewerbesverfahren soll in den kommenden Monaten für die Neugestaltung der Platzoberfläche ein dem Ort entsprechend höchst qualitätvolles Konzept hervorgehen. Das Bundesdenkmalamt / Landeskonservatorat für Salzburg wird im Zuge der Projektrealisierung genehmigende Behörde sein und ist daher bemüht, die denkmalpflegerisch relevanten Aspekte bereits im Vorfeld des Gestaltungswettbewerbe aufzuzeigen.

Für die anstehende Restaurierung des Brunnens wurde auf Initiative des Bundesdenkmalamtes/Landeskonservatorat für Salzburg bereits im Sommer 2004 mittels eines 3D-Nahbereichsscannings die Grundlage für eine Bestandsanalyse und Schadenskartierung sowie ein Maßnahmenkonzept für die Restaurierung erstellt. (3D-Animation: Linsinger)

Während die historischen Platzwände noch vollkommen erhalten sind, wurde das Terrain des Platzes nicht unwesentlich verändert. Die an drei Seiten des Platzes verlaufenden Fahrbahnstreifen sind heute asphaltiert, und die Restfläche um den Brunnen bis zur Domfassade weist einen der weichen Topographie des Platzes entsprechenden, aber zu hellen Splittsandbelag auf. Durch diese Teilung wurde die Platzfläche, die ursprünglich bis zu den Raum begrenzenden Platzwänden reichte, verkleinert und die Funktion des Brunnens als zentrales und Maßstab bildendes Element nahezu aufgehoben. Die städtebauliche und künstlerische Einheit, zu der Wände, Fläche und Monument verschmolzen waren, ist heute gestört. Außerdem ist die Staubbelastung durch den Splittsandbelag in den Prunkräumen der Residenz enorm. Mit der nun geplanten umfangreichen Erneuerung der Platzoberfläche kann auch diese Problematik gelöst werden.

Hinsichtlich der heutigen Nutzungsanforderungen ergeben sich eine Vielzahl von Fragestellungen für die technische Umsetzung der neuen Oberfläche inkl. Unterbau. Nebst der guten Begehbarkeit und Staubfreiheit des Belages sind die Belastbarkeit mit schweren Fahrzeugen sowie dessen Widerstandsfähigkeit gegen die in Salzburg zahlreich verkehrenden Fiaker zu berücksichtigen. Dabei sind die nur wenige Zentimeter unter der heutigen Oberfläche liegenden archäologischen Schichten wie die Reste des mittelalterlichen Doms, der ehem. Domfriedhof, Grablegungen vor der Michaelskirche und evt. auch Fragmente aus römischer Zeit zu erhalten.

Die Neugestaltung der Platzoberfläche kann nicht nur eine von modernen Nutzungsanforderungen und technischen Vorgaben bestimmte Aufgabe sein. Vorrangiges Ziel einer Neugestaltung sollte vielmehr die Wiederherstellung der historischen baukünstlerischen Qualität dieses Platzes sein, eine Aufgabe, die zur intensiven Auseinandersetzung mit der Stadtbaugeschichte Salzburgs und Ihrem Konzept der barocken fürsterzbischöflichen Residenzstadt auffordert.

Das barocke Konzept des Residenzplatzes Das Ambiente der heutigen Altstadt Salzburgs wird aus dem Kontrast der Enge und Geschlossenheit der mittelalterlichen Stadt und der Größe und Offenheit der in der Barockzeit entstandenen Platzanlagen mit Repräsentationsbauten geprägt. Mittelpunkt und architektonischer Hauptakzent im Stadtgefüge ist der Dom, der von drei Plätzen umgeben ist; dem Residenzplatz, dem Domplatz und dem Kapitelplatz.

Im Zuge des Domneubaus erfolgte um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts auch eine grundlegende Erneuerung des städtebaulichen Gefüges. Die Bürgerstadt wurde nach italienischem Vorbild unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau und seinen Nachfolgern zur fürsterzbischöflichen Residenz um- und ausgebaut. Hiefür wurden das alte Domkloster und 55 Bürgerhäuser im Bereich zwischen dem Waagplatz und der Kaigasse abgebrochen und der Domfriedhof aufgelassen. Aus dem mittelalterlichen Stadtgefüge gingen die drei Plätze hervor, die die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Symbole geistlicher und weltlicher Macht der Stadt lenken sollten.

Der Residenzplatz ist in der Hierarchie der drei Plätze durch seine Größe, aber auch durch seine Weite und Offenheit als der Erste anzusehen. Er liegt an der Nordseite des Domes, dessen monumentaler Baukörper mit dem vorgewölbten Querarm, mit der Kuppel und den Türmen die rahmenden Palastbauten überragt. Der Platz spannt sich an den Schmalseiten zwischen die Residenz mit eleganter Barockfassade und das Residenz-Neugebäude mit zierlichem Turmaufsatz. Die nördliche Platzwand bilden die Michaelskirche und die mit ihr verbundenen Bürgerhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts. Der relativ geschlossen wirkende Platz geht an der nordöstlichen Ecke in den Mozartplatz über, wodurch sich ein Ausblick auf den Kapuziner- und Gaisberg ergibt. Die Weiträumigkeit wird zusätzlich durch eine zwischen den Platz begrenzenden Fassaden aufgespannte einheitliche Oberfläche erzeugt. Die umgebenden Gebäude erfahren durch das tiefer liegende Platzzentrum eine optische Höhung, Dom, Residenz und Neugebäude erhalten damit zugleich einen ansteigenden Vordergrund.

Das Platzzentrum ist der Residenzbrunnen (ehem. Hofbrunnen), der der strengen Seitenfassade des Domes eine kraftvoll-spielerische Note entgegensetzt. Durch seine Platzierung in der Mitte der Linie zwischen den Portalen der Residenzen werden diese miteinander verbunden, beide Fassaden werden aufeinander bezogen und der Platz wird von seinen Schmalseiten her zusammengeschlossen und geformt. Der 1656-61 in spätmanieristischem Stil errichtete Brunnen aus heimischem Untersberger Marmor mit Wasserkaskaden und Wasser schnaubenden Meerrössern ist ein bemerkenswertes Zeugnis für die Salzburger „Italianità“ und verleiht dem Platz Schönheit und Pracht.

Die Platzoberfläche mit farbigen Flusssteinen aus der Salzach gepflastert und durch diagonal und axial verlaufende Rigole gegliedert, ist perspektivisches Mittel, sowohl die Geschlossenheit des Platzes als auch seine Ausdehnung und Größe wurden damit betont. Mit der Vielfarbigkeit der Steine und ihrer Oberflächenbeschaffenheit werden die Fassaden von Residenz und Neugebäude in ihrer Wirkung verstärkt und die sich im Tagesverlauf stets verändernde Licht- und Schattenwirkung kommt damit zum Tragen.

Das fallende und sprühende Wasser des Brunnens erzeugt zusätzlich besondere Lichteffekte. Durch den Gegensatz von Steinbauten und Wasser, die Farbigkeit des Steinmaterials, das Glitzern der nassen Oberflächen, das Spiel von Licht und Schatten sowie das Plätschern des Wassers entsteht Bewegung und Lebendigkeit als weiteres Motiv der barocken Baukunst.

Die freigelegte historische Platzoberfläche Auf historischen Fotografien ist die ursprüngliche Oberflächengestaltung des 17. Jahrhunderts mit Flusssteinpflasterung partiell im Bereich des Brunnens und den Rigolen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erkennbar. Noch erhaltene größere Flächen dieses Pflasters konnten aufgrund einzelner hervortretender Steine unter der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit Splittsand abgedeckten Fläche vermutet werden. Unter archäologischer Begleitung des Bundesdenkmalamtes wurde im Sommer 2006 und Winter 2007 eine Fläche von ca. 3500 m2 freigelegt. Mit einem ca. 60 %igen Anteil an historischer Flusssteinpflasterung mit auf den Brunnen zulaufenden Rigolen und rahmenden Steinreihen gibt der Befund Aufschluss über die historische Gestaltung der Platzoberfläche.

Die freigelegte Flusssteinpflasterung am Residenzplatz weist einen wertvollen Bestand auf, wie er für Plätze dieser Größe in Österreich kaum noch vorkommen dürfte. Für die Oberflächengestaltung von historischen Plätzen insbesondere der Barockzeit gibt es kaum Befunde. Auch ist dieses Thema wissenschaftlich weitestgehend unbearbeitet und findet in der Literatur keine Erwähnung. Für die Denkmalpflege ist dieser Befund von großer Bedeutung, da damit Kenntnis über die wesentlichen Gestaltungsmerkmale und deren Wirkung zur barocken Konzeption der „fünften Fassade“ am Residenzplatz vorliegt.

Erhaltung und Reparatur des freigelegten Pflasterbestandes Die freigelegte historische Oberfläche müsste in sämtlichen Störungsbereichen inkl. Unterbau ergänzt werden, wobei Unebenheiten nicht gänzlich ausgeglichen werden könnten. Zusätzlich ist ein Teil des Steinmaterials beschädigt und müsste ausgetauscht werden, was in Bereichen mit relativ gutem Erhaltungszustand die vorhandene Oberflächenspannung lösen würde. Eine Reparatur des historischen Bestandes erscheint also nicht möglich. Außerdem kommt hier auf Grund der relativ großen Fehlstellen die Reparatur und Ergänzung einer Neuverlegung nahe und würde der ursprünglichen denkmalpflegerischen Intention einer Restaurierung der spätbarocken Oberfläche nicht entsprechen.

Zielvorstellung zur Neugestaltung der Platzoberfläche Die Erhaltung des Originalbestandes der historischen Pflasterung wäre vorrangiges Ziel, eine Restaurierung des Befundes und selbst eine Erhaltung einer originalen Dokumentationsfläche, eingebunden in eine Neugestaltung, scheint jedoch hinsichtlich der nicht gegebenen Restaurierbarkeit und der heutigen Nutzungsanforderungen an den Platz nicht durchführbar.

Aus denkmalpflegerischer Sicht ist daher eine Gestaltung mit modernem Belag vorstellbar und würde heutigen Nutzungsanforderungen aus technischer Sicht entgegen kommen. Ein modernes Gestaltungskonzept müsste sich auf die barocke Gesamtkonzeption des Platzes beziehen und mit der historisch gewachsene Situation spielen. Die Erkenntnisse zu den barocken Gestaltungsmerkmalen aus dem Befund zur historischen Pflasterung sollten jedenfalls in eine Neugestaltung der Platzoberfläche einfließen. Die Gliederung der historischen Platzoberfläche mit Rigolen und Linien können übernommen werden, hierzu werden aber keine konkreten Vorgaben gemacht, denn selbst für eine korrekte Rekonstruktion der Gliederung des Platzes mit Rigolen und Steinreihen dürfte der Befund doch zu fragmentarisch sein.

Der Residenzplatz diente in erster Linie der Repräsentation in der fürsterzbischöflichen Stadt. Diese Funktion kommt dem Platz heute noch bedingt durch die historisch gewachsene architektonische Umgebung zu. Moderne Nutzungen durch zahlreiche unterschiedlichste öffentliche Veranstaltungen auf dem Residenzplatz scheinen im Widerspruch zur ursprünglichen Repräsentationsaufgabe zu stehen, der Anspruch des öffentlichen Platzes hat dabei seine Gültigkeit behalten.

Eine einheitliche Oberfläche für den gesamten Platz inklusive der Fahrbereiche bis zu den Platz begrenzenden Gebäuden ist ein anzustrebender Aspekt. Dabei ist die ursprüngliche Topografie wiederherzustellen und ein Belag zu wählen, der in Farbigkeit und Oberflächenwirkung (Lebendigkeit) dem Bachsteinmaterial nahe kommt. Eine historisierende nicht authentische Oberflächengestaltung wäre dabei aber nicht im Sinne der Denkmalpflege.

Wesentliches Gestaltungsmerkmal des barocken Residenzplatzes ist seine Weiträumigkeit, die Wirkung von Licht und Schatten sowie die Bewegung aus dem Spiel mit dem Wasser. Hierfür ist die Topographie des Platzes sowie die Farbigkeit, Größe und Textur des verwendeten Steinmaterials wesentlich.