Neudörfl, ehemaliges Esterházy-Kastell Hofleithamühl

einstöckige Hausfassade, davor stehen Autos
Das sogenannte Esterházy’sche Kastell am Westrand des langgezogenen Straßendorfs wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von Nikolaus Esterházy als befestigte Anlage mit herrschaftlichem Wohntrakt, Mühle, Brauhaus und Wirtshaus errichtet und in der Folge im 18. Jahrhundert an der ungarischen Westgrenze zu einem bedeutenden Wirtschaftskörper mit Sägemühle und Badehaus ausgebaut. Als „Leythawirtshaus“ hatte es anschließend in der Region einen hohen Bekanntheitsgrad. Einen besonderen historischen Stellenwert erlangte das Kastell im Jahre 1874, als Delegierte aus allen Kronländern der Monarchie hier zusammentrafen und die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs vollzogen. 1982 wurde der brachliegende barocke Komplex letztendlich von der Caritas erworben und dient – in Kontinuität der Geschichte des Hauses – seit einigen Jahren der Aufnahme von Flüchtlingsfamilien.

Das Kastell hat sich als hakenförmige zweigeschossige Anlage samt Teilen der Einfriedungsmauer mit einem ostseitigen Rundbogenportal erhalten. Im westseitigen schlichten Wirtschaftstrakt blieb bis in das erste Viertel des 20. Jahrhunderts der Mühlenbetrieb aufrecht, während der breit gelagerte Südflügel mit der reicheren Fassadengestaltung und dem hofseitigen Arkadengang als Wohntrakt diente. Dieser zuletzt stark vernachlässigte Wohntrakt mit seinem schlossähnlichen Gepräge sollte 2006 einer fachgerechten Restaurierung unterzogen werden, wobei der denkmalpflegerische Schwerpunkt in der Wiederherstellung von im Laufe des 20. Jahrhunderts bei Renovierungen zerstörten Dekorelementen der repräsentativen barocken Hauptfront lag. Das Abschlagen bzw. Vereinfachen von historischen Fassadendekorationen ist im Burgenland seit Jahrzehnten eine verbreitete Vorgangsweise, was immer flächendeckender zu monotonen, ihrer erlebbaren Geschichte beraubten „gesichtslosen“ Ortsbildern geführt hat. Die Rekonstruktion von Fassadengliederungen an Denkmalen bildet somit ein wichtiges Segment der praktischen Denkmalpflege. In diesem Fall konnte es durch die gemeinsamen Bemühungen der Eigentümer und des Bundesdenkmalamts mit entsprechend hohen Fördermitteln des Bundes gelingen, die reiche spätbarocke Fassade in den verlorenen Dekorelementen wiederzugewinnen. Dass sich der Eigentümer, eine Institution mit anderer inhaltlicher Ausrichtung, den denkmalpflegerischen Anliegen gegenüber als offen erwies, ist ein besonders erfreulicher Aspekt des Projekts. Zunächst wurde in der Architekturabteilung des BDA anhand historischer Aufnahmen ein Fassadenplan erstellt, wo die verlorenen Parapete, Lisenen, Bänderungen und Nutungen mit einem hohen Maß an formaler Authentizität eingearbeitet werden konnten. Anschließend stellte die technische Umsetzung eine Herausforderung dar: Nur ein entsprechend geschulter Handwerksbetrieb bringt die Voraussetzungen, das erforderliche Wissen und die praktischen Fähigkeiten für die Ausführung derartiger Arbeiten in traditioneller Kalktechnik mit und gewährleistet die ästhetisch stimmige Qualität und langfristige Haltbarkeit, die zunehmend ein Problem für die Qualitätssicherung in der Denkmalpflege stellen. In diesem Fall war die handwerklich fachgerechte Umsetzung gesichert und führte zu einem überzeugenden Ergebnis für Eigentümer und Behörde. Dazu kamen weitere restauratorische Interventionen an den Steinteilen, wie Hofarkadenpfeilern, Fensterrahmungen und Portalen. Für die Rhythmisierung und Akzentuierung der Fassadenabwicklung von Bedeutung war die farbliche Fassung des fürstlichen Esterházy-Wappens im Sturzfeld des Eingangsportals der Mittelachse, die aufgrund einer in Spuren nachweisbaren ehemaligen Polychromie wiederhergestellt wurde. Das opulente Stuckwappen schafft in seiner nunmehr prachtvollen Farbigkeit eine willkommene Aufwertung des Portals im additiven Gliederungssystem der breiten Front. Die umfangreichen Arbeiten dieser wichtigen Restaurierungsetappe am Haupttrakt werden im Hofbereich im Frühjahr 2007 abgeschlossen sein. Um das ursprünglich repräsentative Erscheinungsbild jedoch in seiner Gesamtheit wieder erreichen zu können, bleibt als Desiderat die denkmalpflegerischen Überarbeitung der zur Zeit noch unbefriedigenden Dachzone.