Damüls, Pfarrkirche zum Hl. Nikolaus

Blick zur Holzempore mit Orgel im Hintergrund
Die Pfarrkirche von Damüls - auf 1430m zwischen dem Bregenzerwald und dem Großen Walsertal gelegen - zählt mit ihren spätmittelalterlichen Wandmalereien, ihrer figuralen Ausstattung und ihrer solitären Lage auf dem Kirchhügel zu den Highlights der Vorarlberger Kunstgeschichte. In den letzten Jahren erfolgte nach eingehenden Untersuchungen die Sanierung und Konservierung des bekannten Gotteshauses.

Damüls war 1240 von den Wallisern besiedelt worden, vermutlich bestand bereits damals ein kleines Gotteshaus auf der Uga- oder Brandalpe. Der Bereich gehörte im Mittelalter zu den Jagdgebieten der Grafen von Montfort, 1392 erwähnt Rudolf von Montfort in einer Urkunde, dass die „Vordern die Kirche gebuwen han“. Geweiht ist sie dem Hl. Nikolaus und ein Altar der Hl. Maria. Überliefert werden drei Vorgängerbauten der jetzigen Kirche, deren Bauinschrift im Chorgewölbe „1484 roll maiger von roetis maister disbus“ erhalten ist. Ausgrabungen des Bundesdenkmalamtes im Sommer 2005 konnten die Fundamente der urkundlich erwähnten romanischen Vorgängerkirche nachweisen. Diese war, wie sich herausstellte, als Saalkirche konzipiert. Es ergaben sich jedoch auch zahlreiche Befunde, die mit dem heute bestehenden Bau zusammenhängen. Es gelang, Mauerreste der Spätromanik sowohl im Turm als auch im Rundchor nachzuweisen. Der aufgedeckte Mörtelestrich mit eingestreuten Sandsteinplatten liegt außerhalb der Apsis und ist daher dem späten 15. Jahrhundert zuzuordnen. Der gotischen Chorspannmauer vorgelagert, genau in der Mittelachse der Kirche, kam ein großes gemörteltes Steinfundament zu Tage, bei dem es sich um den Unterbau des Kreuzaltares handeln müsste. Auch die gemauerten Auflager der Holzbänke, die ähnlich wie in Ludesch oder Bludesch vorzustellen sind, konnten nachgewiesen werden, wodurch sich auch die zahlreichen Münzfunde mit Adelswappen in diesem Bereich erklären lassen. Im Chor wurden vier Gräber gefunden, wobei es sich um die Bestattung von Geistlichen des 17. und 18. Jahrhunderts handeln dürfte, während das Grab auf der Epistelseite W/O orientiert, zwischen südlichem Seitenaltar und Kreuzaltarfundament, ein Stifter sein könnte (Bericht Archäologe Mag. J. Pöll). Der gotische Chor wurde 1481 fertig, das Langhaus folgte 1490, 1494 wurde der Turm verstärkt und erhöht, 1728-29 die Sakristei angebaut. Eine Barockisierung der Ausstattung erfolgte 1630 mit Altären, deren Figuren Erasmus Kern zuzuschreiben sind (der Sebastians- und Marienaltar sind noch erhalten). 1693 bereits erneuerte man lt. Inschrift die Holzkassettendecke im Langhaus, 1733 wurde die Kirche neuerlich ausgemalt und dabei verdeckte man die bis dahin sichtbaren Seccomalereien der Spätgotik.

Außer üblicher Instandhaltungsmaßnahmen veränderte man bis 1870 wenig. Trotz der exponierten Lage des Gotteshauses am Hügelrücken gab es stets Feuchteschäden, daher setzte man den Fußboden einfach höher und verlegte einfache Betonplatten. Nach 1898 wurden die drei Altarmensen „erneuert“, die jedoch, wie die Untersuchungen ergaben, lediglich nach vorne verbreitert worden sind. 1906 stellte man einen neugotischen Hochaltar auf, dessen Mittelpunkt die prächtige Marienkrönungsgruppe von 1500 bildete. Auch wurden die Dienste im Chor für die Aufstellung von Bänken abgeschlagen und im Kirchenschiff ein neues Kirchengestühl angeschafft. Wie aus der Aktenlage und dem Schriftverkehr mit der k. und k. Zentralkommission in Wien hervorgeht, hat man zu dieser Zeit die als weniger wertvoll bezeichneten Figuren und Bilder verkauft. So gelangten Teile eines spätgotischen Altares in ein Berliner Museum.

In der Folgezeit bis 1950 sind keine Renovierungsarbeiten überliefert, es dürften auch außer Reparaturen am Kirchendach kaum welche vorgenommen worden sein. Wiederum wird von großen Feuchteschäden berichtet, man erwägt die Anlegung eines Trockenlegungs-Kanals. Der zuständige Landeskonservator entdeckt die im 18. Jahrhundert übermalten Wandmalereien und erteilt an den akademischen Maler Hans Fischer und einen Gehilfen den Auftrag diese freizulegen und die Rippen im Chor „freizuklopfen“. Man erwägt die Verlegung der neugotischen Kanzel, entfernt sie letztendlich bis auf die Evangelistenreliefs (heute an der Chorwand). Auch der neugotische Altar muss weichen, der vor dem an der Epistelseite platzierte Sebastiansaltar wird an die Nordschiffwand versetzt und der Marienaltar der Evangelienseite als Hochaltar aufgestellt. Die Kunstwerke wurden somit in der für damals geltenden Wertigkeit beurteilt und neu geordnet, um die freigelegten spätgotischen Wandmalereien zur Wirkung kommen zu lassen.

Nach dem Tode des 46 Jahre in Damüls tätigen 93-jährigen Pfarrers Reinold Simma stand eine umgehende Restaurierung der Kirche an. Man begann 2004 mit der aufwendigen Mauertrockenlegung mittels Lehmpackungen, der zementhältige Sockelputz sowie die schadhaften Putzstellen wurden entfernt und durch Kalkputz mit anschließender Kalkfärbelung ersetzt. Lediglich am Turm wurde der noch gut haftende Kalkzementputz belassen und mit mineralischem Farbmaterial überstrichen. Die gesamten Putzflächen des Langhauses und Chores waren 1756 durch einen „neuen Maueranwurf“ mit freskal aufgetragenen Tünchen überzogen worden. Dieser Zustand konnte unter Bewahrung älterer darunterliegender Putze und Aufbringung neuer Kalktünchen bewahrt werden. Dekorationen konnten außer der rot-gelben Färbelung der Traufenzone und der Wappen (Bindenschild und Montfortwappen) am Chor keine gefunden werden, am Sakristeianbau wurden Reste einer Eckquaderung sowie die in Rötel eingetragene Jahreszahl 1756 entdeckt. Eine besondere Schwierigkeit gab es bei den Fenstersolbänken, die bislang in Putz ohne Blech oder Steinabdeckung erhalten waren. Hier gab es bereits nach dem ersten Winter wiederum Schäden, die durch das Aufbringen einer Dichtschlämme und am Sockel durch das Auftragen eines mineralischen Sanierputzes behoben werden konnten. Da die frostfreien Monate in Damüls sehr gering sind, waren für die Außenarbeiten zwei Sommer nötig. Das Wahrzeichen von Damüls, der schindelgedeckte Zwiebelhelm, wurde ausgebessert und wiederum mit roter Farbe, wie bereits bestehend, gestrichen.

Parallel zu den letzten Außenarbeiten begannen 2005 die Restauriermaßnahmen im Inneren der Kirche. Auch hier war eine Trockenlegung vonnöten, der Betonplattenboden sollte entfernt und durch einen neuen Boden, dessen Vorgabe die archäologische Grabung ergab, ersetzt werden. Der definierte Sandsteinplattenbelag wurde rekonstruiert. Besonders reichhaltig ist der Bilderschmuck an den Wänden, der an der N-Seite in Form einer geschlossenen Bilderwand den Passionszyklus zeigt. Die Triumphbogenwand zeigt ein Jüngstes Gericht und im obersten Bildstreifen die Apostelreihe mit mittig thronendem Christus in der Mandorla. Die Darstellung des Jüngsten Gerichtes nimmt sicherlich Bezug auf die von den Grafen von Montfort manifestierte Obere Gerichtsbarkeit, die bis 1807 bestand. An der Südwand, links vom gotischen Fenster, sind die Taten der Barmherzigkeit, in der Fensterlaibung der Hl. Jodok und die Hl. Agatha dargestellt. Kostbarkeiten sind die monumentale Darstellung der Anbetung des Jesuskindes durch die Hl. Drei Könige und eine kleinere Darstellung des Hl. Georg.

Ähnlich respektvoll, wie bei der Restaurierung der alten Pfarrkirche Ludesch, ging man hier bei der Restaurierung der Wandmalereien vor. Es fand sowohl an den Malereien als auch an den unbemalten Wandflächen eine vorsichtige Trockenreinigung, Festigung, Nachfreilegung, Hinterfüllung und Konsolidierung, Kittung der Risse und Fehlstellen sowie eine sensible Retusche mit aqua sporca statt. Lediglich neue Kittstellen wurden mit Tratteggio integriert. Durch die unsachgemäße, grobe Freilegung von 1950 war die gesamte Binnenzeichnung, vor allem bei den Passionsszenen, verloren gegangen. Stilistisch lassen sich die Malereien in die Zeit um 1500 einordnen. An Malmitteln konnten besonders wertvolle Pigmente wie Malachit, Azurit, weiters Hämatit, Minium, Zinnober, gelber und roter Ocker sowie Caput Mortuum nachgewiesen werden.

Die neogotischen Bänke wurden repariert, die Empore statisch gesichert, die Decke mit Leimwasser gewaschen und die Altäre gereinigt, indem man die qualitätvolle Überfassung von 1756 beließ. Eine Zimelie stellt die spätgotische Figur des Hl. Theodul dar, die konservierend behandelt und von partiellen unsachgemäßen Überfassungen befreit wurde. Sie wurde wiederum auf dem südlichen Mensatisch, als Pendant zu dem barocken Pestkreuz am nördlichen Mensatisch aufgestellt. In die Nische unter dem Dreikönigsbild wurde die bislang im Depot verwahrte, nach 1900 neu gefasste spätgotische Marienkrönungsgruppe platziert. Das aus der Bauzeit mit 1487 ebenfalls von Rolle Maiger stammende Sakramentshäuschen (mit seinem Steinmetzzeichen bezeichnet) besteht aus grünlichem Flyschsandstein und musste mit Entsalzungskompressen behandelt und anschließend gefestigt werden.

Die der Gesamtrestaurierung folgende liturgische Umgestaltung wurde sehr zurückhaltend vorgenommen. Ein neuer Altartisch und Ambo wurden, wie von der Diözese vorgeschrieben, aus Stein gefertigt und auf Wunsch der Kirchengemeinde die Kommunionbank von 1915 belassen. Durch pflegliche Maßnahmen innen und außen, ohne in das gewohnte Bild einzugreifen, konnte die vom „Alterswert“ geprägte stimmige Gesamtwirkung dieser Kirche erhalten werden.