Salzburg, Mozartdenkmal von Ludwig M. Schwanthaler

Kopf der Statue Mozarts dargestellt als Netz kleiner Dreiecke
Bei der Restaurierung der Mozartstatue am Mozartplatz ermöglichte die Methode des 3D-Nahbereichsscanning des vollplastischen Kopfes erstmals in Salzburg eine dreidimensionale Schadenskartierung.

Die Mozartstatue vor der Neuen Residenz bildet eines der bekanntesten Postkartensujets in der Salzburger Altstadt. Die anlässlich des 50. Todesjahres Wolfgang Amadeus Mozarts 1841 vom Münchner Hofbildhauer Ludwig Michael Schwanthaler (1802-1848) geschaffene und in der Münchner Erzgießerei unter der Leitung von Gussmeister Johann Baptist Stiglmayr im Sandgussverfahren hergestellte monumentale Bronze-Standfigur misst beinahe 3m, mit ihrem Sockel aus Untersberger Marmor sogar fast 6m.

Für das Salzburg des Vormärz stellte die Gründung des privaten Comités zur Schaffung des Mozartdenkmals einen Meilenstein für das erwachende Selbstbewusstsein des liberalen Bürgertums der Stadt dar. Salzburg hatte seit der Zeit Mozarts einen Niedergang von der fürsterzbischöflichen Hof- und Residenzstadt zu einer oberösterreichischen Provinzstadt erleben müssen, und die feierliche Enthüllung des Denkmals am 4. September 1842 am damaligen Michaeler-Platz - wenige Jahre später wegen des Denkmals in Mozartplatz umbenannt - stärkte die regionale Identität und wurde rasch zu einem Brennpunkt für den „Mozartkult“ in Salzburg.

Die klassizistische Bronze-Standfigur zeigt einen Mozart in Kontrapoststellung mit zeitgenössischem Rock und Mantel, Griffel, Notenblatt (Schriftrolle) und Lorbeerkranz. Als Bronzereliefs ausgeführte Allegorien symbolisieren Mozarts Wirken im Bereich der Kirchen-, Konzert- und Kammermusik sowie der Oper. Wie die zur Vorbereitung der Restaurierung durchgeführten restauratorischen Befundungen zeigten, wurde die Statue in nur drei Teilen gegossen.

Erste Gesamtrestaurierung seit der Enthüllung 1842

Seit der Einweihung des Denkmals 1842 wurde die Statue noch keiner gründlichen Gesamtrestaurierung unterzogen, und der Zahn der Zeit hatte deutliche Spuren hinterlassen, wie die Schadensbefundung deutlich machte. Grüne und schwarze Korrosionsschichten unterschiedlicher Ausprägung beeinträchtigten gemeinsam mit den Krusten an nicht bewitterten Stellen das ästhetische Erscheinungsbild sowie die Plastizität des prominenten Bronzedenkmals schwer. Hinzu kamen Farbspuren von Farbattentaten, Kratzer und Lochfraßkorrosionen im Durchmesser von 0,2–2cm. Herstellungsimmanente und daher gusstechnologisch bedingte Fugen und Löcher (sog. Lunker) werden durch die Korrosion verstärkt sichtbar.

Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 2006 wurde die bereits seit Jahren anstehende Restaurierung des Mozartdenkmals auf Initiative des Bundesdenkmalamtes / Landeskonservatorat für Salzburg im Spätsommer 2005 in Angriff genommen.

Nach der bereits erwähnten von ihr durchgeführten detaillierten Bestandsanalyse und Schadensbefundung wurde zunächst ein Maßnahmenkonzept für die Restaurierung von Frau Mag. Monika Riemer erarbeitet, die sich im Zuge ihrer Diplomarbeit an der Universität für angewandte Kunst in Wien (Ordinariat für Konservierung und Restaurierung) mit der Erhaltung und Pflege von Großbronzen im Außenbereich auseinandergesetzt hatte. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für eine internationale Ausschreibung. Die Stadt Salzburg als Eigentümerin des Mozartdenkmals beauftragte schließlich die Diplom-Restauratorin Cornelia Höhne aus Grabenstätt in Deutschland mit der Restaurierung, die gemeinsam mit Mag. Monika Riemer und unter fachlicher Begleitung von Experten der Restaurierwerkstätten Kunstdenkmalpflege des Bundesdenkmalamtes durchgeführt wurde.

Neben der Entfernung der optisch-ästhetischen Störungen an der Oberfläche galt es vor allem den fortschreitenden Korrosionsprozess und die damit verbundene Zerstörung des Kunstwerkes wirksam und nachhaltig aufzuhalten und den Originalbestand zu sichern.

Die aus konservatorischen Gründen an der Oberfläche aufgebrachte Schutzschicht aus mikrokristallinem Wachs schützt nunmehr die Bronzeplastik vor Feuchtigkeit, Schmutz und Schadstoffen und erzeugt ein einheitliches Erscheinungsbild der Statue.

Der Marmorsockel der Statue wurde von Restaurator Erich Reichl aus Salzburg einer gründlichen Reinigung und Konservierung unterzogen.

Um das durch die arbeitsintensive Restaurierung erzielte Ergebnis der Oberflächentextur längerfristig zu gewährleisten, wird es aber auch in Zukunft einer regelmäßigen Reinigung und Wartung des gesamten Monumentes bedürfen.

Bei den Restaurierungskosten trugen die Stadt Salzburg und das Bundesdenkmalamt die Hauptlast. Für die spezielle Einhausung des Denkmals während der Restaurierung konnte als Sponsor die Salzburger Sparkasse gewonnen werden.

Innovative Schadenserfassung und -kartierung

Einen besonders innovativen Aspekt dieser Restaurierung bildete die Schadenserfassung und -dokumentation am Kopf der Statue. Er wurde mittels 3D-Nahbereichsscanning vom Vermessungsbüro Linsinger aus St. Johann im Pongau maßstabs- und detailgetreu erfasst. Dieses optische und daher berührungslose Verfahren nimmt neben der Objektstruktur auch die Oberflächentextur sowie die Farbe des Objektes auf. Der Scan diente als Grundlage für eine in Salzburg erstmals angewandte dreidimensionale Schadenskartierung.

Die digitale Auflösung und Wiedergabe von Plastiken und Skulpturen ermöglicht nunmehr auch die Darstellung und Arbeit am Computer mit dreidimensionalen Modellen – ein in der Restaurierung zweifellos zukunftsweisendes Vorgehen.

Verhüllt, restauriert - aber nicht gedreht

Heikel war natürlich auch für die Restaurierung notwendige „Verhüllung“ dieser prominenten Statue während der Monate des Sommertourismus. Durch eine ästhetisch ansprechende Gerüsteinhausung in Form eines dreiseitig bedruckten Kubus, die den Restauratoren witterungsbeständige und tageslichtreiche Arbeitsbedingungen und den Salzburg-Besuchern gleichzeitig Einblicke in die Geschehnisse der Restaurierung und auf das Denkmal bot, wurde eine ansprechende Lösung gefunden.

Bald nach Abschluss der Restaurierung kam im Jänner 2006 die Idee auf, die Statue während des Mozartjahres um 90° zu drehen und sie dadurch direkt auf das Residenz-Neugebäude blicken zu lassen – seit kurzem neuer Standort des Salzburg Museums und Schauplatz der großen Jubiläumsausstellung „Viva Mozart!“. Der Plan musste schließlich aber – sehr zum Leidwesen der Museumsleitung - fallen gelassen werden, da nach Experteneinschätzung eine schadensfreie Anhebung und Drehung der Statue nicht gewährleistete werden konnte.