Was Denkmäler alles können - vom Hauptpostamt zur Kunstuniversität: Umbau Kollegiumgasse 2 in Linz

Blick auf den neuen Audimax im Innehof.
Nach einem gelungenen Umbau zieht das Institut für bildende Kunst und Kulturwissenschaft in den historischen Barockbau in Linz (Oberösterreich) ein. Gleich mehrere gängige Vorurteile gegen den Denkmalschutz werden mit diesem Beispiel widerlegt.

Niedrige Umbaukosten: Mit € 460 pro m2 haben die Architekten Schneider & Lengauer das Gebäude für die Anforderungen eines zeitgemäßen Universitätsbetriebs adaptiert. Der Löwenanteil der Umbauarbeiten entfiel auf das Freilegen des barocken Raumprogramms. Zwischenwände und kleinteilige, auf beiden Gebäudeseiten gelegene Büroräume mussten entfernt werden, um die Großzügigkeit des Barockbaus zur Geltung zu bringen.

Der helle hofseitige Gang erschließt nun wieder die Institutsräume und Werkstätten. Elektroinstallationen verlaufen in offenen Kabeltassen, um aufwändige Stemmarbeiten im historischen Mauerwerk zu vermeiden. Eine einheitliche hellgraue Bodenbeschichtung verstärkt die großzügige Raumwirkung. Die vergleichsweise bescheidenen Mittel haben der denkmalgeschützten Substanz gut getan und ein sehr gelungenes Ergebnis ermöglicht.

Gelungene Verbindung von Alt und Neu: Da sich nicht alle für den Lehrbetrieb notwendigen Räume im Barockbau unterbringen ließen, schlugen die Architekten einen Hofeinbau vor, der den großen Hörsaal, das Audimax, aufnehmen sollte. Durch die Vorgaben der Denkmalpflege wurde der zweigeschoßige Quader von den barocken Seitenflügeln des Gebäudes deutlich abgerückt, eine Treppenanlage beziehungsweise eine zurückgesetzte Glasfront markieren die Fugen zwischen Alt und Neu. So bleibt die Glasmosaikfassade des Neubaus gegenüber der wuchtigen barocken Umrahmung als eigenständig wahrnehmbar.

Die Geschichte des Bauwerks ist eine Umbaugeschichte: Als Jesuitenkolleg wurde das Haus in drei Etappen von 1652 - 1668 erbaut. 50 Jahre zuvor hatte man über den Standort mit den Ständen in Linz, dem Papst in Rom und dem Kaiser in Wien verhandelt. 1669 wurden Studiengänge in Philosophie, Jurisprudenz und Theologie eingerichtet. Das ursprüngliche Objekt hatte drei Geschoße und umfasste neben der Schule und den Wohnräumen der Patres, unter Anderem ein Refektorium, das auch als Theater genutzt wurde, die Franz-Xaver-Kapelle sowie eine Krankenkapelle. Fürsten und Kaiser besuchten das Jesuitenkolleg und wohnten Theateraufführungen bei. Kaiser Leopold I. bewunderte zwar die Darbietung, fand aber die Örtlichkeit sehr bescheiden, weshalb er sie auf seine Kosten ausstatten ließ.

Im 1732 errichteten Westtrakt fanden dann neben einem Theater auch eine Apotheke und eine Aula Platz. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens kam auch das Aus für das Jesuitenkolleg. Es wurde unter Kaiserin Maria Theresia 1776 in eine Kaserne umgewandelt. Dabei wurden das Theater und die Aula zerstört. 1869 wurde das Gebäude zur Hauptpost von Linz umgebaut. Der Pulverturm und der in die Kollegiumgasse vorragende Chor der Franz-Xaver-Kapelle wurden abgerissen. Ab 1903 folgten Umgestaltungen an der Fassade sowie die Errichtung eines dritten Obergeschoßes an der Domgasse. Das jetzige Volumen erhielt der Bau durch Aufzonungen um zwei Geschoße: 1922 im Norden und 1925 durch Julius Schulte im Osten. 2006 zieht die Kunstuniversität in die frei gewordenen Räume des Hauptpostamtes ein. Anstelle eines Flugdaches im Hof entstand das "Audimax".