Ur- und frühgeschichtliche Siedlungen

Abb. 5: Archäologie und Arbeiten auf der Eisenbahntrasse.
Zwischen den Ortschaften Haselbach und Perschling wurde im Zuge der Rettungsgrabungen für die HL-AG-Neubaustrecke Wien-St. Pölten im Jahr 2004 ein Siedlungsareal mit archäologischen Befunden der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit freigelegt.

Zwischen dem Knoten Wagram östlich von St. Pölten und dem Beginn des Wienerwaldtunnels südlich von Staasdorf erfordern rund 40 km Bahnbau intensive archäologische Betreuung. 20 archäologische Fundstellen mit einer Gesamtausdehnung von 680.000 m² wurden der Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) vor Baubeginn bekannt gegeben und seit dem Jahr 2000 mit großem Erfolg untersucht. Zwischen den Ortschaften Haselbach und Perschling wurde in der Nähe einer bekannten Fundstelle eine weitere archäologische Verdachtsfläche durch Oberflächenfunde und Auswertung von Luftbildern definiert und im März 2004 mit den Ausgrabungen begonnen.

Auf einem sandigen Geländerücken erstreckt sich ein weitläufiges, mehrere Hektar großes Areal, dessen älteste Siedlungsspuren an die Wende des 5. zum 4. Jahrtausends v. Chr. zurückreichen. Aus der kupferzeitlichen Epilengyelkultur konnten Reste von Hausgrundrissen und Speichergruben freigelegt werden. Die zweite dichte Besiedlung dieser sanften Anhöhe erfolgte in der frühen Bronzezeit (Stufe A1 und A2) um 2000 v. Chr. Aus dieser Zeit stammt auch einer der größten Depotfunde Österreichs. Im näheren Umfeld der bronzezeitlichen Weiler waren in einer kleinen Grube über 250 bronzene bzw. kupferne Ringbarren vergraben (die genaue Zahl kann erst nach der Restaurierung angegeben werden, da einige Stücke zerbrochen waren). Aus der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur (um 1000 v. Chr.) wurden ebenfalls Speichergruben mit entsprechenden Keramikfunden dokumentiert. Eine große Ansiedlung, deren archäologische Spuren sich über fast den ganzen Geländerücken verfolgen lassen, ist für die Mittel- und Spätlatènezeit belegt. Das Befundspektrum reicht von Vorratsgruben, eingetieften Hütten und Pfostengruben ebenerdig errichteter Holzbauten bis zu den Öfen einer keltischen Töpferei aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die zeitlich jüngsten Befunde sind einem Dorf der römischen Kaiserzeit zuzurechnen, wobei die meisten Objekte bereits in die Spätantike datieren. Charakteristisch für diese Siedlung sind annähernd quadratische, leicht eingetiefte Hütten, die sich eindeutig, sowohl durch das Fundmaterial als auch durch gewisse Konstruktionsmerkmale, von den keltischen Häusern unterscheiden. Die Fundstelle im Perschlingtal zeigt stellvertretend für zahlreiche Projekte, die von der Abteilung für Bodendenkmale bei den laufenden infrastrukturellen Großbauvorhaben durchgeführt werden, welche Erfolge im Sinne des Denkmalschutzes und der archäologischen Wissenschaft, verbunden mit umfassenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen, möglich sind. Gerade die bei großflächigen Untersuchungen gewonnenen Daten, liefern unschätzbare Ergebnisse für die Erforschung und Erhaltung von Kulturlandschaften.