Die Mariensäule auf dem Domplatz in Salzburg

Fraunskulptur auf einem Podest vor dem Hintergrund einer hellen Kirchenfassade
Das monumentale Standbild der Brüder Wolfgang und Johann Baptist Hagenauer aus den Jahren 1766 - 1771 am Salzburger Domplatz wird restauriert.

Im Zentrum des von Dom, Trakten der Residenz und der Erzabtei St. Peter gebildeten Ensembles akzentuiert die Mariensäule die dominante Blickachse zur der dahinter befindlichen Domfassade – auf die sie kompositionell abgestimmt ist. Errichtet wurde das monumentale Standbild 1766 - 1771 von den Brüdern Wolfgang und Johann Baptist Hagenauer. An den Eckkanten des hohen Steinsockels sitzen vier Allegorien: in Gestalt der Kirche und eines Engels an der Vorderfront bzw. der Weisheit und des Teufels an der Rückfront. Auf einem Wolkenberg und einer steinernen, von Putti gehaltenen Weltkugel steht die überlebensgroße Figur der Maria Immaculata. Die Bleireliefs an den Sockelwänden zeigen Wappen und Büste des Auftraggebers, Erzbischof Sigismund Schrattenbach, und einen Ausschnitt der Erdkugel mit einer Landkarte des Erzbistums Salzburg; eine Inschrift erläutert den allegorischen Zusammenhang.

Sämtliche Figuren sind aus einer Bleilegierung in Einzelteilen gegossen – gut erkennbar an der Oberfläche sind die horizontalen Schweißnähte und die partiell variierende, feinere oder großflächigere Nachbearbeitung. Die für die Aufstellung im Freien bestimmte Blei-Plastik stellt eine in konservatorischer Hinsicht herausfordernde Rarität dar. Wiederholt wurden restauratorische Eingriffe an der Mariensäule vorgenommen, wobei in erster Linie Fehlstellen geschlossen bzw. ergänzt wurden. Abgebrochene Finger und der Verlust anderer Einzelteile ist neben stellenweisen Verformungen auf Vandalismus zurückzuführen. Hinzukommt, dass die Legierung nicht mehr so resistent gegenüber Temperaturschwankungen oder mechanischen Belastungen ist. Die Oberfläche weist intensive Patinierung und starke Verschmutzung auf. Im Zuge der aktuellen Restaurierung werden nun neue Wege beschritten.

Eine Reihe chemischer Analysen liefert wertvolle Informationen zu Legierung, Korrosion und früheren Interventionen. Auch die punktgenaue 3D-Schadenskartierung mittels modernster Vermessungstechnologie ermöglicht eine gezieltere Vorgangsweise. Die Oberfläche wird gereinigt und mit einer Schutzschicht behandelt, um die natürliche Patina zu konservieren. Für Kittungen und Ergänzungen werden eigens Substanzen entwickelt bzw. Materialkombinationen geprüft. Die innere Eisenstruktur wird mittels Mikrovideos und Endoskop untersucht, gereinigt, gegen Rost behandelt und neu verlötet werden. Eine Neuheit stellt auch die Baustellen-Gestaltung dar: die Mariensäule ist in einem weißen Kubus eingehaust, dessen Wände die barocke Figurengruppe in 3D-Projektionen wiedergeben. Mit dieser ästhetisch ansprechenden Lösung kann auch während der Festspielzeit weitergearbeitet werden.

Letztes Update: 04.06.2004 © Copyright 2004 BUNDESDENKMALAMT