Götzis, Tankstelle Im Kobel

Beleuchtete Tankstelle mit Flugdach und Betonpfeiler, das den Eindruck verleiht es würde schweben
Bei dem Objekt handelt es sich um ein typisches Beispiel für die optimistische Architektur der 50er Jahre und kann als dominierendes Zeugnis für die Industrialisierung bzw. Motorisierung nach dem 2. Weltkrieg in Vorarlberg gelten.

Die Tankstelle ist eine Planung der Architekten German Meusburger und Willi Ramersdorfer (1958) im Auftrag der Fa. Berstch-ÖHAG. Die Anlage, die von der Firma SHELL betrieben wurde, bestand aus dem kubischen Betriebsgebäude, einem Flugdach und den immer wieder erneuerten Zapfsäulen. Im ursprünglichen Konzept war ein Motel nach amerikanischem Vorbild (Parkplätze und Empfang im Erdgeschoss sowie Zimmer darüber) vorgesehen, das jedoch nie errichtet wurde. Das Flugdach wird von fünf schlanken, sich verjüngenden Betonpfeilern von 11 m Höhe getragen, an denen eine verschalte Holzkonstruktion aus Leimbindern und sog. "DSB-Trägern" in halber Höhe hängt. Das Dach ist in der Mitte leicht geknickt und steigt zu beiden Rändern hin an. Die Unterseite bestand aus Trapezblech; der Rand des Daches wurde durch die Neon-Beleuchtung und vorgeblendete Platten betont, die ganz im Sinne der Entstehungszeit auch auf den Eindruck bei Nacht setzten. Die aufwändige Fundamentierung verbirgt sich unter dem Bodenniveau, wodurch die Leichtigkeit und Transparenz der Anlage verstärkt wird.

Bemerkenswert ist insbesondere die technische Konstruktion des Flugdaches, die mit relativ bescheidenen Mitteln den Eindruck von Schwerelosigkeit erzeugt und daher dem Formempfinden der Entstehungszeit entgegenkommt. Die für die Tankstelle angewandten Ideen sind daher in größerem Zusammenhang zu sehen und vertreten eine Architektursprache, wie sie zu jener Zeit auch bei Bahnhöfen, Flughäfen und ähnlichen Objekten eingesetzt wurde und den Vergleich mit internationalen Vorbildern durchaus standhält. Das Objekt war viele Jahre ungenutzt, sollte aber jetzt wieder seine ursprünglichen Funktion als Tankstelle erhalten, was von Seiten der Gemeinde und auch des Amtes für Raumplanung unterstützt wurde und die Unterschutzstellung erst realistisch erscheinen ließ. Nach den Originalplänen rekonstruierte man die desolaten Bauteile des Flugdaches und setzte das ursprüngliche Farbkonzept wieder um. Das neue Betriebsgebäude und die Werbeanlagen sind zurückhaltend, entsprechen jedoch den jetzigen Standards und treten nicht in Konkurrenz zur originalen Entwurfsidee. Das Projekt zeigt in bisher österreichweit einzigartiger Weise, dass auch Verkehrsbauten der Nachkriegszeit für die heutigen Verhältnisse adaptiert und erhalten werden können.