Apotheke in Obernberg am Inn

Detail der Modler'schen Stuckdekorationen an der Frontfassade.
Das Apothekerhaus am Marktplatz von Obernberg am Inn stellt aufgrund seiner reichen barocken Fassadendekoration einen besonderen Anziehungspunkt dar.

Die Stuckfassade wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Johann Baptist Modler geschaffen, der 1697 in der Oberpfalz geboren wurde und von seiner Hochzeit 1729 mit der Tuchmachertochter Maria Theresia Groll an bis 1736 in Obernberg ansässig war. Von ihm stammen auch die qualitätvollen und berühmten, vor 1768 zu datierenden Stukkaturen des benachbarten sogenannten Woerndl-Hauses.

Modler war vor allem in den ländlichen Bereichen des südostbayrischen Raumes zwischen Donau und Inn tätig. Höhepunkt seiner künstlerischen Tätigkeit war wohl die Ausschmückung der Residenz von Fürsterzbischof Kardinal Leopold Ernst von Firmian zu Passau 1768.

Die durch den Giebelaufsatz vierzonig gegliederte Fassade wird in den Obergeschossen von den Rokokoformen der Stuckdekoration aufgelöst, wobei durch die zentrale, von der Taube des Heiligen Geistes bekrönte Relieffigur der über der Erdkugel schwebenden Maria Immaculata ein szenisch-illusionistischer Effekt entsteht. In den über die Geschoßgrenzen gezogenen Fensterbekrönungen des ersten Obergeschoßes befinden sind Büsten mit Personifikationen der vier Jahreszeiten.

Das Restaurierziel der Fassadenrestaurierung von 2002 lag in der möglichst originalen Wiederherstellung der äußeren Erscheinung des Hauses. Dabei wurden zunächst unsachgemäße Überarbeitungen wie zementhaltige Ausbesserungen, Verkittungen, Ergänzungen und Putzplomben sowie mehrfache Dispersionsanstriche aus jüngerer Zeit, welche die Fassade in einem sehr nachteiligen Zustand hinterließen, mechanisch entfernt. Durch Fluten mit Sinterwasser wurde die Fassade gefestigt. Bei gravierenden Hohlstellen erfolgte einer Hinterfüllung. Putz- und Stuckfehlstellen wurden sodann bestandsgerecht und adäquat ergänzt, die Färbelung wurde in Sumpfkalktechnik vorgenommen. Weiters erfolgten Anstriche von Haustor und Blechläden der Erdgeschossfenster nach diversen Vorarbeiten. Aus denkmalpflegerischer Sicht besonders erfreulich ist, dass im Zuge der Fassadensanierung die Innenfenster repariert und außen neue, dem Bestand entsprechende nach außen aufschlagende Rahmenstockfenster mit Ölanstrich eingebaut werden konnten.

Die ausführende Firma F. Mitterhauser in Riedau wurde für die als vorbildlich zu bezeichnende Restaurierung mit dem Oberösterreichischen Handwerkspreis 2003 bedacht.