Haus Im Puls

Hausfassade mit Erker
Vor kurzem konnte eines der typischen Neusiedler Bürgerhäuser restauriert werden, deren Bestand bereits zur Seltenheit wird.

An der alten Durchzugstraße von Ungarn nach Wien, im Bereich des mittelalterlichen Ortskerns gelegen, dokumentiert es in eindrucksvoller Weise die charakteristische Architektur der Stadt mit schmaler Hofausbildung und ungewöhnlicher Tiefenerstreckung der Bauteile. Diese Hofgassen mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden erreichten oftmals eine Länge von über 60m. Die Wohnräume befanden sich in der Regel im Obergeschoss des Straßentraktes, die Kammern für Knechte, Mägde, Futterkammern und Stallungen folgten hofseitig in ebenerdigen Anbauten. Den Abschluss der Parzelle bildete meist eine querstehende Scheune. Erbaut im 16.Jh. wurde dieser Hof wiederholt durch Kriege verwüstet und nach dem Sieg über die Türken 1664 großzügig umgestaltet. Nach Übernahme durch den Lamplwirt im späten 18. Jh. erfolgte die Errichtung einer Reihe von Nutzbauten, wie einem Eis- und Weinkeller sowie eines Presshauses mit der noch erhaltenen historischen Weinpresse. Der mächtige zweigeschossige Baukörper wird aus zwei vermutlich ursprünglich getrennten Häusern gebildet, die sich mit ihren Wirtschaftsbauten über die schmale, langgestreckte Parzelle mit länglichem Innenhof entwickeln. Die Fassade mit ihrer markanten Hofeinfahrt und dem ausladenden Erker im Obergeschoss geht in ihrer Erscheinung im wesentlichen auf das 17. Jh. zurück. Das lange Zeit leerstehende Gebäude konnte nun als Aktions- und Kulturhaus Haus Im Puls eine neue Verwendung finden und wird künftig als Zentrum für Weinvermarktung und kulturelle Aktivitäten dienen. Im Zuge der Restaurierung wurde ein zeitgemäßer Baukörper mit einer Glasfront, in welcher sich die historische Architektur spiegelt, in den Hofbereich integriert. Durch eine zurückhaltende Materialwahl und Formensprache des Neubaus konnte ein spannungsreiches Miteinander von alter und neuer Architektur geschaffen werden. Die hier eingerichtete Vinothek soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Baudenkmals durch Weinvermarktung und diverse Veranstaltungen sichern. Nach denkmalpflegerischen Kriterien wurden Architektur und Ausstattung einschließlich der entdeckten Malereireste des 17. und 19. Jh. restauriert und auch störende Elemente der jüngeren Vergangenheit eliminiert. Bereits nach kurzer Zeit konnte ein großer Erfolg durch den regen Besuch in diesem typischen Streckhof verbucht werden und damit ein schützenswertes Dokument der historischen und kulturellen Blüte des einstmals wichtigen Handelsortes erhalten werden.