Sigmund Haffner Gasse 8, Bürgerhaus (Salzburg)

Im Zuge der Restaurierung einer Bürgerwohnung im Haus Sigmund-Haffner-Gasse 8 in der Salzburger Altstadt wurde 2002/03 der sog. "Große Saal" auf der Basis eingehender wissenschaftlicher Befundungen in seiner außergewöhnlichen Raumgestaltung des beginnenden 20. Jahrhunderts wiederhergestellt.

Die Sigmund-Haffner-Gasse im Zentrum der Altstadt stellt eine stark frequentierte Verbindung zwischen Kranzlmarkt und Franziskanerkirche dar. Das Haus Nr.8, unmittelbar neben dem markanten monumentalen Durchgang zum Universitätsplatz (Ritzerbogen) gelegen, kann hinsichtlich seines historisch gewachsenen Bestandes einerseits als typisch Salzburgisches Bürgerhaus bezeichnet werden, weist andererseits jedoch in Teilbereichen des Inneren eine ungewöhnlich reiche, herrschaftliche Ausstattung auf.

Das in seiner Grundsubstanz in das 13. Jh. zurückreichende fünfgeschossige Haus ist neben einem Arkadenhof des 16. Jh. vorwiegend von großzügigen spätbarocken Umbauten bestimmt. Urkundlich 1713 im Besitz von Max Josef Graf Lamberg, erfolgte in der 1. Hälfte des 18. Jh. eine prägende Adaptierungsphase. Der Graf bekleidete das Amt des fürsterzbischöflichen Hofkanzlers und war damit der ranghöchste weltliche Beamte des Erzstiftes. Aufgrund des Stilvergleichs sowie der Arbeitstechnik ist anzunehmen, dass er die in der erzbischöflichen Residenz von Salzburg tätigen Stuckateure auch in seinem "Privatpalais" beschäftigte und das 2. Obergeschoss als herrschaftliches piano nobile mit großem Salon, durchgehender Stuckdeckenausstattung und bemerkenswertem Stuccolustro-Alkovenbogen anlegen ließ.

Im 19. und fr. 20. Jh. folgten Adaptierungen, wobei der Gesamtcharakter weitgehend bewahrt blieb. In den späten 70er Jahren des 20. Jh., nachdem die Beletage bereits nur mehr als Lager einer Samenhandlung für Blumenzwiebel etc. in Verwendung war, gab es intensive Bestrebungen, hier ein Großkaufhaus zu schaffen. Dies hätte die Totalentkernung für das Haus bedeutet, wobei unter anderem der Einbau von Rolltreppen geplant war. Nach erfolgter Unterschutzstellung wurde von diesem Projekt letztlich Abstand genommen.

Wenige Jahre später kam es mit der Einmietung des BDA in dieses Haus zu einer günstigen Wendung. Das Landeskonservatorat wurde ebenso wie die Geschäftsstelle der Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung im 2. Obergeschoss untergebracht, wobei für das Landeskonservatorat der östliche Bereich der ehem. Beletage zur Sigmund Haffner Gasse hin angemietet wurde.

Vor einigen Jahren wurde bereits die schrittweise Restaurierung der Räumlichkeiten mit einem kleinen Raum begonnen, der entsprechend der befundeten spätbarocken Farbgebung eine graue Kalkfassung erhielt. Statische Probleme und daraus resultierende, substanzgefährdende Rissbildung in der reichen barocken Stuckdecke des "großen Saales" zwangen zu weiteren Maßnahmen.

Im Zuge der Befundung der gesamten Raumschale wurde 2002 in den jüngsten relevanten Farbschichten der Wandbereiche eine gut erhaltene Schablonenmalerei in Kalk-Kasein-Technik aus der Zeit des fr. 20. Jh. entdeckt. Erste Freilegungsproben brachten ein über die traditionellen bekannten Schemata hinausgehendes Konzept einer gemalten barockisierenden Brokattapete in illusionistischer Nachvollziehung des Lichteinfalls und des damit verbundenen farblichen Changierens der Farbigkeit zum Vorschein. Das BDA entschloss sich daher mit wesentlicher Finanzierungshilfe durch den Altstadterhaltungsfonds diese Dekorationsmalerei aufwendig freizulegen.

Gleichzeitig konnten auch Türen und Fenster in diesem Raum - bisher in dicken, rezenten Schichten weiß lackiert - mit einem auf Basis der Befundung zeitgleichen Farbkonzept (Ölanstrich mit hellocker lasierender Holzmaserung) versehen werden. Schließlich wurde auch der Fischgrät-Parkettboden nach Entfernung des Versiegelungslackes geölt und gewachst. Mit den nunmehr abgeschlossenen Arbeiten konnte eine für den Bereich Salzburgs bislang einmalige Raumausstattung mit einem für die relativ junge Entstehungszeit ungewöhnlichen Dekor als historische Einheit wiederhergestellt werden.

Letztes Update: 04.08.2003 © Copyright 2003 BUNDESDENKMALAMT