Pfarrkirche Hl. Bartholomäus Romanisches Vortragekreuz

Hl. Maria vor der Konservierung
Das spätromanische Vortragekreuz von Bartholomäberg gehört zu den qualitätvollsten und wertvollsten Kleinodien des Landes und befindet sich noch wie das Ludescher Kreuz in Kirchenbesitz. 1965 wurde es nach Restaurierung in der Ausstellung "Romanische Kunst in Österreich" in Krems gezeigt.

Das, in einem Banksafe verwahrte Kreuz wurde auf Wunsch der Pfarrgemeinde nach Bartholomäberg zurückgebracht. Bei näherer Untersuchung wurden in den emaillierten Bereichen Schäden bemerkt - die Fehlstellen im Email waren mittels säurehaltiger Wachspasten geschlossen worden. Um weitere Folgeschäden zu verhindern entschloss man sich zu einer Konservierung des Kreuzes. Zuvor wurde eine detaillierte graphische und fotographische Bestandsaufnahme des Erhaltungzustandes durchgeführt. Durch Alterung stark veränderte Emailretuschen, von Kupfer- und Emailkorrosion befallene Bereiche und die sehr stark verschmutzten Oberflächen der vergoldeten Kupferbleche bestätigten die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Reinigung des Vortragekreuzes. Die Wachspasten wurden entfernt, die Ränder der Emaillierungen mit Acrylharz gesichert und Fehlstellen mit demselben Material partiell geschlossen. Die 1965 eingesetzten Kreuzschrauben wurden durch vergoldete Rundkopfnägel ersetzt, die Steinimitationen aus Kunstharz belassen. Leider waren die Originalsteine bereits im 19. Jh. nicht mehr vorhanden, sodass lediglich ein Bergkristallcabochon oberhalb des Kopfes Christi in situ erhalten ist.

Eine kunsthistorische Bewertung erfolgte für eine Publikation in der Montafoner Schriftenreihe: beide Kreuze, sowohl Ludesch als auch Bartholomäberg, können eindeutig der Limoger Werkstätte zugeschrieben und in das 2. Viertel des 13. Jh. datiert werden. Der 1964 neu angefertigte Holzkern (Fichte) ist auf beiden Sichtseiten und den Kantenflächen mit feuervergoldeten und steinbesetzten Kupferblechen verdeckt. Die Zargen der Steinfassungen sind aus dem Blech herausgearbeitet und einem in der Romanik üblichen hochgewölbten Cabochonschliff der Steine angepasst. Durch Punzierungen mit feinsten Dreieckspunzen, florale Gravuren mit handpolierten Binnenflächen und die Konturierung für die darüberliegenden Emails ist jedes einzelne Blech seiner Plazierung auf der Kreuzfläche entsprechend in Form und Oberfläche individuell gestaltet. Die Emailarbeiten sind auf der Vorderseite figürliche Darstellungen (Kruzifix, Hl. Maria, Hl Johannes und einer nicht definierten Figur ohne Nimbus, Rosette, Titulus), auf der Rückseite Vierpaßmedaillons mit den Evangelistensymbolen und der Majestas in der Kreuzmitte. Die Emails wurden auf gegossenen Kupferträgern in die für das Email vorgesehenen Zellen aufgeschmolzen. Alle Emailfarben sind mit einem Grundemail (Fondant) unterlegt: weiß, grün und dunkelblau mit einem rot-orangen, türkis und schwarzviolett mit transparentem Fondant. Die Farbkomposition der Medaillons der Rückseite (weiß, rot, schwarzviolett, grün) unterscheidet sich deutlich von jener der Figuren der Vorderseite und der Rosette (weiß, dunkelblau, türkis, grün, dunkelviolett). Auch sind Reinheit und Verschmelzungsgrad der Emailfarben von unterschiedlicher Qualität. Die Reinigung der vergoldeten Oberflächen erfolgt durch Seifenwurzelsud, Gemischen aus Ethanol/dest. Wasser und bei hartnäckigen Verschmutzungen mit Reinigungsgelen aus Zitronensäure/Thioharnstoff oder Titriplex. Die Hartwachsretuschen werden mit Feinbenzin angelöst und entfernt. Eine Neuretusche der Emailfehlstellen wird nicht mehr vorgenommen, die lockeren Fehlstellenränder werden aber mit alterungsbeständigem Acrylharz gefestigt. Partien, die unter den Wachsretuschen von Korrosion befallen waren, werden mit Titriplex gereinigt und mit Benzotriazol stabilisiert. Ein Oberflächenschutz wurde nicht aufgetragen, da die Vergoldung noch gut erhalten und in ausreichender Schichtdicke vorhanden ist. Die mechanischen Schäden der Emails im Bereich der Montagelöcher deuten auf unsachgemäßen Gebrauch von Werkzeugen hin. Durch die Ersetzung der ohnehin unpassenden Kreuzschlitzschrauben durch vergoldete Rundkopfnägel mit Vierkantschaft können die Nägel mit der Hand auf den Holzkern gesteckt werden. Die Fixierung ermöglichen feine Holzstiftchen und Klebewachs.